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Geraubte Bücher

Zwei Ausstellungen widmen sich dem Thema NS-Raubgut in Bibliotheken. Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg stellt in einer Kabinett-Ausstellung erstmals (vgl. schon Kesting 2007 im Sonderbd. 94 der ZfBB) Ergebnisse ihrer Provenienzrecherchen vor. Gretzschel berichtet hierüber im Abendblatt. Am 25.11.08 eröffnete auch die Berliner Stadtbibliothek ZLB eine Ausstellung zum Thema, über die das Börsenblatt berichtet. Beide Eröffnungsabende waren eindringliche Erlebnisse und machten mit unterschiedlichen Akzentsetzungen deutlich, wieso es geboten ist, dass sich Bibliothekare an ihrer Beteiligung an der Ausraubung der Juden erinnern. Zeigt Hamburg dabei exemplarisch ein Opferschicksal, so weist Berlin auf Bestände hin, die jüdische Provenienzen enthalten. Die ZLB hat dazu eine kleine wichtige Schrift (Bockenkamm: Geraubt) veröffentlicht, die prägnant verstreutes Wissen über Bestände zusammenfasst und auch neue Erkenntnisse aufzeigt. So enthält ein bisher als ‚Jagor‘ gelesenes Zugangsbuch „J“ Provenienzen aus der Pfandleihanstalt. Ausdrücklich war bekannt, dass diese Bücher aus „evakuierten Judenwohnungen“ kamen. Eine bis in unsere Tage vorgenommene Verteidigung gewisser leitender Herren sollte zukünftig unterbleiben.

Update: Hier noch ein Hinweis auf einen Spiegel-Artikel von Sontheimer: Stumme Zeugen

2 Kommentare

  1. Noch bis zum 12. Dezember 2008 zeigt die Universitätsbibliothek Osnabrück die Ausstellung „Seligmanns Bücher – Von der späten Rückgabe des Eigentums jüdischer Flüchtlinge aus Hannover“, die sich mit derselben Thematik beschäftigt. Eine Beschreibung gibt es (derzeit noch) unter:
    http://www.ub.uni-osnabrueck.de/ausstellung.html

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