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Bildungspatenschaften

Eine Bemerkung vorweg: So schöne Beispiele von Patenschafts- und Mentoringprojekten es gibt â?? diese individualisieren soziale Probleme (von Migranten, von Armen…), thematisieren nicht gesellschaftliche Fragen (Schulsystem, Ausbildungsverweigerung von Unternehmen…). Ich hoffe auf die nötigen politischen Diskussionen â?? dereinst. Vorzustellen ist ein Projekt der Integrationsbeauftragten: â??Aktion zusammen wachsen â?? Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern.â?? Ziel ist die Förderung ehrenamtlicher Lese-, Bildungs- und Ausbildungspatenschaften. Patenkinder / Mentees sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund; Paten kommen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. (Können also auch selbst Migranten sein und etwa als Betriebsinhaber Ausbildungspatenschaften übernehmen.) Hierin liegt das beachtliche positive Element: Die Herstellung vielfältiger zivilgesellschaftlicher Verknüpfungen zwischen Einwanderern und bereits Ansässigen. Die bundesweite Aktion will jetzt (Informations-)Ressourcen insbesondere zur Qualifizierung und Weiterbildung bereitstellen, Vernetzung und Informationsaustausch fördern. Auf einer Berliner Tagung im November wurde nun auch ein bereits im Oktober angekündigter â??Leitfaden für Patenschaftenâ? präsentiert. In einer sehr handfesten, praxisorientierten Broschüre (Kooperationspartner: Vodafone Stiftung) werden Inhalt, die persönlichen und die praktischen Seiten einer Patenschaft erörtert. Der auf derselben angezeigten Seite zum Download verfügbare Patenatlas ist eine Auftragsrecherche von INBAS Sozialforschung, die Aspekte von Patenschaften beschreibt und daraus Handlungsempfehlungen für Gelingensbedingungen ableitet. INBAS hat schon 2005/06 für das EU-Projekt INVOLVE die Einbeziehung von Migranten in den Freiwilligensektor (also nicht nur Bildungspatenschaften) untersucht. Der nationale deutsche und der gesamteuropäische INVOLVE-Bericht enthalten jeweils Praxisbeispiele. Ein hinsichtlich der professionellen Strukturen gutes Beispiel ist die Mentoring and Befriending Foundation. GroÃ?britannien zeigt hier wohl einen Zusammenhang von schwachem Sozialstaat und starkem Freiwilligensektor als Form zivilgesellschaftlicher Problemlösung. Das deutsche Musterbeispiel für Bildungspatenschaften beschäftigt sich mit Leseförderung. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller â?? â??einer der ältesten und angesehensten Wirtschaftsclubs in Deutschlandâ?? – hat 2005 das â??Bürgernetzwerk Bildungâ?? gegründet. Gesicht nach auÃ?en dieses Netzwerks ist dessen Geschäftsführerin, die ehemalige Berliner Schulsenatorin Volkholz. Persönlich begeisternd – für ihre Vorstellungen zu kommunalen Bildungsnetzwerken und Verantwortungs(!!!)strukturen -, steht sie politisch auf dem grünen Liberalala-Flügel.

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