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Württembergische Landesbibliothek Stuttgart mit Benutzungsgebühren im Jahr 2009?

Die heutige Stuttgarter Zeitung (Printausgabe, S. 23) berichtet, dass in der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) Stuttgart seit dem 20. Oktober bereits ein Kassenautomat installiert wurde und Benutzer auf blauen Zetteln informiert würden, dass die Gebühr in Zukunft 30 Euro pro Jahr betrage. Im Ministerium bestünden Pläne, eine Jahreskarte für 30 Euro auszugeben. Derzeit hat die Bibliothek 36.716 aktive Benutzer.
Diese Pläne gehen auf eine Anregung des Landesrechnungshofes 2006 zurück, der in einer Denkschrift auf erwartete 500.000 Euro Mehreinnahmen aufgrund der Benutzerzahlen der Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart verwies. Das Wissenschaftsministerium will keine weiteren Auskünfte geben, es sei eine soziale Staffelung vorgesehen, und Studierende könnten von der Gebühr befreit werden.
In einem Kasten werden die Gebühren von Landesbibliotheken verglichen: In vielen Bundesländern ist die Nutzung der Landesbibliotheken kostenlos, in NRW ist es unterschiedlich, ebenso in Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Berlin, Brandenburg erheben Gebühren.
Wobei noch zu beachten ist, wofür die Gebühren anfallen und welche Dienstleistungen davon ausgenommen sind: Voraussichtlich ist es die Ausleihe, die mit einer Gebühr belegt ist. Da Landesbibliotheken aber im Unterschied zu Ã?ffentlichen Bibliotheken meist Magazinbibliotheken sind, ist man viel mehr auf eine Jahreskarte angewiesen als bei der Nutzung eines Freihandbestandes. Es dürfte für Externe und Berufstätige ein wenig schwierig sein, sich alles in den Lesesaal kommen zu lassen – zumal die Ã?ffnungszeiten auch nicht so berauschend sind. (In Stuttgart ist man immer wieder mit aberwitzigen Sommer-Samstags-SchlieÃ?ungen konfrontiert, was man als Berufstätiger besonders goutiert). Und weiter könnte es sein, dass man Gebühren zahlt, aber als „externer“ Benutzer dennoch keinen Zugang zu elektronischen Datenbanken und Zeitschriften hat. Dies wird jedoch in der WLB als reiner Landesbibliothek weniger der Fall sein als in einer kombinierten Universitäts- und Landesbibliothek, wie z.B. in Düsseldorf.
Jedenfalls dürfte der Sport „Wie ich alles auf eine Karte ausleihe“, der bei den Ã?ffentlichen Bibliotheken oft betrieben wird, nun eine Entsprechung bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken bekommen: „Wie ich soziale Netzwerke aktiviere, um einigermaÃ?en billig an meine benötigte Literatur zu kommen!“ – Vergessen wir jedenfalls nicht, dass diese Wissenschaftler ab-so-lut selbstsüchtig forschen und deshalb ruhig etwas zahlen können. Andere Mitmenschen zahlen bei Premiere, um ihren FuÃ?ball sehen zu können, warum sollen diese Heimatforscher und Konsorten nicht auch einen Obulus abliefern? Es kommt doch einem guten Zweck zugute! 😉
(Vielleicht sollte man zum Schluss noch betonen, dass im Artikel die Leitung der WLB mit der klaren Aussage zitiert wird, dass ihrer Meinung nach die Bürger einen freien Zugang zu Büchern haben sollten.)

Nachtrag: Am Tag zuvor meldete die Stuttgarter Zeitung (19.12., Printausgabe, S. 31), dass der Leitungsposten der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe mit Freifrau von Gaertringen, bisher Lippische Landesbibliothek Detmold, wieder besetzt sei. Der Vorgänger, Peter Michael Ehrle, sei

„im März aus Protest gegen die Sparpläne des Rechnungshofes in den vorzeitigen Ruhestand getreten.“

Ein Kommentar

  1. Ich weiß, nomen non semper est omen, aber wie man nach dem adeligen Debakel der BLB ausgerechnet jemandem mit Titel im Namen die Leitung antragen kann, ist schon ziemlich grenzwertig…