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Bibliotheken im Integrationsplan Hannover

Dachte man, dass der bekannte Bibliothekswissenschaftler Umlauf bereits alle bibliothekswissenschaftlichen Themen behandelt habe und zukünftig nur noch Neuauflagen zu erwarten seien, so konnte man in 2008 freudig doch noch eine neue Berliner Handreichung 245 des Autors lesen. Hier fand sich ein Hinweis auf den Lokalen Integrationsplan von Hannover, der auch Bibliotheken als Akteure benennt. In den sechs Feldern Bildung, Wirtschaft, Soziales, Stadtleben (hier auch Kultur), Demokratie und Stadtverwaltung werden jeweils die Ausgangslage beschrieben, Ziele bestimmt und Handlungsansätze benannt. Bibliotheken werden insbesondere mittels ihrer Rolle in Bildungsnetzwerken verortet. Hannover gilt als Stadt mit einer aktiven Zivilgesellschaft gerade in den Bereichen, die die Integration betreffen. Als in den 90er Jahren besonders aktiv erinnere ich das Agenda 21 Büro, das als Stabsstelle beim Oberbürgermeister im Referat Integration angesiedelt ist. Das Thema Migration war in den Agenda-Prozessen immer wichtig; in Hannover entstand als Ergebnis einer Tagung 2003 die Broschüre „Beteiligung von MigrantInnen in lokalen Agenda-21-Prozessen“. Eine für Bibliotheken nicht ganz uninteressante Frage hatte das Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen im Rahmen einer Studie zur Jugendgewalt angesprochen: die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement (wie etwa Bildungspatenschaften für jugendliche Migranten) bei der Verringerung von Jugendgewalt. Hier sehen sie die bessere Positionierung Hannovers gegenüber München u. a. im Vorhandensein solcher zivilgesellschaftlichen Netzwerke. (München macht soeben eine Aktion zu bürgerschaftlichem Engagement; mit einer schönen Broschüre.) Der Integrationsplan ist auf der Grundlage eines solchen Geflechts entstanden; auch für die Erwähnung von Bibliotheken sollte man einen Blick auf die Verwaltungsorganisation werfen. Hannover hat Kultur- und Schuldezernat zusammengefasst; dort wiederum gibt es den Fachbereich Bibliothek und Schule. Werden so die Bildungsaufgaben von Bibliotheken eher in den Verwaltungsprozess eingeführt? Vielleicht gibt es ja Leser, die das aus Ihrer Ortskenntnis ergänzen können.

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