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Schnipseldienste und Spywarevorwurf – und was das für die Praxis bedeutet

„Schnipseldienste“ sind Dienste wie snipurl oder tinyurl, mit deren Hilfe man aus langen Links kürzere herstellen kann. Kürzere Links sind äußerst sinnvoll beispielsweise in E-Mails, in denen lange Links oft länger als eine Zeile sind, daher „gebrochen“ werden und dann nicht automatisch anklickbar sind. Oder sie sind sinnvoll als zusätzliche Angabe in wissenschaftlichen Arbeiten, da heutzutage viele Content Management-Systeme und Datenbanken endlos lange Webadressen (URLs) produzieren, die als Quellenangabe schlichtweg eine Zumutung sind.
In der Mailingliste der Division of Solo Librarians (DSOL) der Special Libraries Association (SLA) war nun in den letzten Tagen eine Diskussion über den Zusammenhang dieser Dienste mit Sypware. Eine Kollegin fragte an, ob tinyurl nicht direkt mit Spyware behaftet sei. Ihre IT behaupte das und filtere E-Mails mit Links von tinyurl heraus. Ob diese Information richtig sei? – Die Diskussion ergab, dass weder tinyurl noch andere etwas direkt mit Spyware zu tun haben, wohl aber Spyware sich gerne der neutralen Links der Linkverkürzer bedient, weil sie ja nicht direkt verraten, auf welche Seite verlinkt wird. Das wird auch der Grund sein, warum snipurl in letzter Zeit hinter dem kurzen Link in eckigen Klammern die Domain angibt, auf die verwiesen wird, was aber – leider! – nur einen Notbehelf darstellen kann, denn natürlich kann man dies auch ändern. Jedenfalls scheinen viele Firewalls und Spamfilter E-Mails mit Links dieser Dienste im Korpus der Mail auszusondern und nicht auszuliefern …
Damit ist auch ihr Gebrauchswert einigermaßen beschädigt! Denn wenn ich solche Dienste einsetze, möchte ich ja gerade bei E-Mails, die ich an einen großen Verteiler sende, vermeiden, dass hunderte von Empfängerinnen und Empfängern händisch die angegebenen Links wieder zusammensetzen müssen, weil sie durch den Zeilenumbruch gebrochen sind. Allerdings ist das immer noch besser, als wenn ein ganzer Teil der Mails gar nicht ausgeliefert wird …

12 Kommentare

  1. Etwas mehr Sicherheit bietet die Preview Funktion von tinyurl bei der man nicht mehr direkt auf die Seite weitergeleitet wird

    http://preview.tinyurl.com/abqdoo

  2. „Oder sie sind sinnvoll als zusätzliche Angabe in wissenschaftlichen Arbeiten, da heutzutage viele Content Management-Systeme und Datenbanken endlos lange Webadressen (URLs) produzieren, die als Quellenangabe schlichtweg eine Zumutung sind.“

    Das ist doch hoffentlich nicht ernst gemeint? Wenn tinyURL irgendwann eingeht (was passieren wird, denn mit was wollen die denn Gewinn machen?) dann ist bei konsequenter Nutzung solcher Dienste das komplette Quellenverzeichnis der wiss. Arbeit wertlos.

  3. @PM ja, das stimmt, das ist in dieser Situation sinnvoller als die Angabe der Domain bei snipurl

    @Kommentar Die Betonung liegt auf „zusätzlich“! Denn sonst würde Ihr Argument gelten.

  4. Um den Zeilenumbruch zu verhindern reicht es schon, dass man Links in Emails in Spitzklammern packt. So gut wie jedes Emailprogramm und auch einige mir bekannte Webmailer gehen korrekt damit um und interpretieren das als ein einziger Link. Auch über Zeilengrenzen hinweg.

    Die Links sind dann nur noch ein ästhetisches und kein Sicherheitsproblem mehr.

  5. @CH Danke für den genialen Trick, der spart echt Zeit!

  6. @CH Auch von mir Dank für den Tipp!

  7. Links in spitzen Klammern sind kein Trick, sondern entstammen der RFC 3986:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Uniform_Resource_Locator#URLs_in_Texten

    Es ist im Gegenteil schauderhaft, wie schlecht immer noch die meisten Webmailer und auch einige Email-Programme trotz eindeutiger Empfehlungen mit langen URLs umgehen.

    Und noch schlimmer ist die Unsitte vieler Benutzer, aufgrund des sehr toleranten (Fehl-) Verhaltens des eigenen Email-Programms dann URLs an andere zu schicken, die nicht mehr klickbar sind …

    PS: wollte gerade aus obiger URL eine tiny-URL machen, da hat er den Anchor gekillt. Ist also nicht für Sprungmarken in längeren Texten tauglich.

  8. Hier im Mozilla-Blog ist noch ein Dienst beschrieben, der gekürzte URLs expandiert und dadurch transparent macht:
    LongURL.

  9. @juergen plieninger

    wie kommst du darauf, tinyurl und aehnliche dienste mit
    „schnipseldienst“ [Link entfernt] zu uebersetzen bzw. in verbindung zu bringen ist?

  10. @latimera
    ich bin zwar nicht Jürgen, aber wir verwenden diesen Begriff hier schon seit 5 Jahren im Zusammenhang URL-Kürzungsdiensten…vgl. auch Schnipselhersteller-Beurteilung

  11. Und nicht zuletzt heißt einer der bekannteren Dienste dieser Art „snipurl“…

  12. @ juergen
    konsequenterweise kann ’snipurl‘ nicht mit ’schnipseldienst‘ uebersetzt werden. richtiger waere ’snippetservice‘.
    @ES
    auch wenn ihr den begriff seit 5 jahren nutzt, muss er nicht richtig sein ;-).