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„Open Enteignung“

Nach Roland Reuß in der FAZ (vgl. dazu z.B. hier) nun Rudolf Walther in der taz:

Open Enteignung
Wissen zum Nulltarif, Demokratisierung durch Google? Das Schlagwort „Open access“ klingt gut, doch auf dem Spiel steht nicht weniger als die Bewahrung des Wissens unserer Gesellschaft

Sein Fazit:

Die Google-Piraterie und der „Open-acces“-Schwindel sind gefährlicher als die Piraterie entlang der somalischen Küste.

Autor: Viola Voß

Jahrgang 1977, Sprachwissenschaftlerin mit Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft, arbeitet an der Universitäts- und Landesbibliothek Münster

9 Kommentare

  1. Roland Reuß heißt der Gute, nicht Preuß! Und auch in der Frankfurter Rundschau hat er dazu geschrieben (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1688541)

  2. Der vollständige Link:

    Internaut :
    Roland Reuß heißt der Gute, nicht Preuß! Und auch in der Frankfurter Rundschau hat er dazu geschrieben (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1688541)

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1688541

  3. oha, stimmt.
    habe den namen korrigiert.

  4. „blütenlese“ der kritik bei archivalia:
    http://archiv.twoday.net/stories/5596053/

  5. Den FAZ-Artikel habe ich mir erspart, aber der taz-Artikel ist ja nur Schrott.

    Falsches Verständnis vom OpenAccess gepaart mit Lobbiysten-Gejammer ergibt auch in der Summe nur einen jämmerlich recherchierten Artikel, wie ich sie aus der taz eigentlich bisher nicht kannte.

  6. @Macsico: hättest vll. lieber den FAZ-Artikel lesen sollen 😉 obwohl der auch einige Ungereimtheiten enthält.

    wo ist bitte schön das Original-Yale-Beispiel zu finden? wurde das aus den ARL Statistiken herausgelesen?? (a href=http://www.arl.org/stats/annualsurveys/arlstats/mrstat.shtml via http://digital-scholarship.org/digitalkoans/2007/08/05/yale-cancels-biomed-central-membership/)
    Warum ist OpenAccess teurer? und wie können die Autoren des FAZ-Artikels behaupten, dass die Kosten grundsätzlich auf die Autoren, die in OA-Zeitschriften veröffentlichen, abgewälzt werden? Das kommt doch darauf an, ob es der goldene oder der grüne Weg ist!

    Zu den OA-Verfechtern gehören u.a. Rainer Kuhlen und Gabriele Beger. Rainer Kuhlen betont bei einem Interview:

    „Indem die alten, aus der analogen Welt stammenden Modelle geschützt werden, verhindert das Urheberrecht mittelfristig die Entwicklung von Geschäfts- und Organisationsmodellen der Informationswirtschaft, die elektronischen Umgebungen angemessen sind. Dabei ist es ganz deutlich, dass die Zukunft auch der Verlage nur bei Modellen liegt, die das Open-Access-Paradigma anerkennen. Je freier Information ist, desto mehr kann damit verdient werden. Das klingt paradox, wird aber immer mehr auf den Märkten bestätigt, siehe Google etc. Das nennen die Ökonomen „Freeconomics“: Information selber ist frei; verdient wird mit Leistungen, die an die Information angrenzen, zum Beispiel mit Werbung oder Mehrwertleistungen.“

    (http://www.goethe.de/wis/bib/thm/urh/de4295873.htm)

    OpenAccess ist ein Gewinn für die Wissenschaft. Welche Rollen Hochschulen und speziell Bibliotheken dabei spielen sollten, skizziert Gabriele Beger: http://www.checkpoint-elearning.de/article/4433.html

  7. Was mich noch interessieren würde: Gibt es aktuelle Zahlen zu den Zeitschriftenpreisen? Geht die Preisspirale immer noch nach oben?

  8. @Steffi
    Zu Biomed Central: die hatten bis 2005 ein Institutional Membership Modell, in dem man nach Größe der Einrichtung (gemessen an faculty and postgraduate students in biology and medicine) zahlte. Auf dieser Basis hat Yale in 2005 noch die genannten $4658 gezahlt. Das war als Möglichkeit zum Sponsern von OA für den Anfang gut, konnte aber nicht skalieren, wenn die Zahl der Einreichungen und Veröffentlichungen explodierte, was sie aber bald tat, bei manchen früher, bei anderen später. Als BMC massive Verluste machte, haben sie die Notbremse gezogen und das Modell umgestellt. Es gab dann zum einen eine gleich teure Supporter membership Option, bei welcher die Autoren bzw. ihre Institute aber nur noch 15% Rabatt auf die Article Processing Charge erhielten oder alternativ eine Prepay membership Option mit etwas höheren Rabatten (typischerweise 20%), bei der die Kosten zentral übernommen wurden. Yale hatte sich für das letztere Modell entschieden und sah – als stark publizierende Einrichtung (2006 40 Artikel in BMC, 2007 schon 67) – natürlich eine Kostenexplosion. Sie sind dann ganz ausgestiegen, d.h. haben es ihren Wissenschaftlern bzw. deren Departments überlassen, die Kosten selbst zu tragen (ohne Rabatt). Das hat aber die Zahl der Veröffentlichungen nicht drastisch reduziert (in 2008 waren es 48), denn Autoren im biomedizinischen Bereich sind sowieso gewöhnt, in vielen Fällen page charges zahlen zu müssen, sie haben research grants (des NIH) etc. Die Article Processing Charges von BMC selbst lagen von 2002 bis 2004 bei $500, waren vermutlich nicht kostendeckend und wurden 2005 fuer die meisten BMC Journals auf $850 erhöht, 2006 auf $1315 und liegen 2009 bei $1435 (variiert je nach Titel zwischen $0…$1995). PLOSOne ist mit $1300 vergleichbar, Hindawi nimmt ~$600-$1500, die meisten groesseren Verlage und Fachgesellschaften im STM Sektor nehmen ~$2500-$3g500

  9. @Steffi

    Als Ausgangspunkte brauchbay
    19th Annual Study of Journal Prices for Scientific and Medical Society Journals (2007).
    http://www.allenpress.com/static/newsletters/pdf/JP-2007-01.pdf

    Periodicals Price Survey 2008 im Library Journal
    http://www.libraryjournal.com/article/CA6547086.html

    American Physical Society Says Journal Prices Will Drop in 2009
    http://www.libraryjournal.com/info/CA6563603.html#news1

    Zitat Its open access experiment, Author’s Choice, meanwhile, did play a role in that reduction, the society’s publication director and executive editor Margaret Reich told librarians in an announcement. That program, launched less than a year ago, offers authors an “author pays” open access choice for the Society’s journals. “We have chosen to use a portion of our new revenues to help offset the cost of subscriptions,”

    Zur Kosteneffizienz siehe Journalprices.com und eigenfactor.org