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Es leben die Parallelwelten!

[Zur sachlichen Richtigstellung dieses Beitrages vergleichen Sie bitte die Kommentare #3 und #6]
Es könnte einem die Tränen in die Augen treiben: Die SLUB postete gerade über Twitter einen Link zu DBoD, „Databases on Demand“, einem Datenbankenportal für sächsische Hochschulbibliotheken.

Dieses Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.
»Investiert für die Zukunft«

Echt supi, dann besteht die Zukunft in Parallelangeboten proprietärer Entwicklungen von bereits vorhandenen Lösungen. Denn besser als das Datenbank-Infosystem (DBIS) kann man es meiner Meinung nach nicht machen. Aber so ist es nun einmal: Da gibt es Geld und dann entwickelt man einfach ein neues Portal, das ähnliches verwirklicht, bloss etwas schlechter (in diesem Fall: Dass man sich erst einloggen muss, um ein derzeit noch eingeschränktes Programm an Datenbanken nutzen zu können). Dass eine erweiterte Suche fehlt. Dass – zumindest was den offen sichtbaren Bereich anbelang – Profile von Datenbanken nicht angeboten werden. Kurz gesagt: Proprietär schlecht gelöst, was frei sowieso schon angeboten wird. „Databases on demand“ – klingt benutzerfreundlich. Ist es aber nicht.

10 Kommentare

  1. Grundsätzlich stimme ich zu, aber DBIS hat auch seine Schwächen, zumindest drei fallen mir auf Anhieb hinsichtlich der Administration ein: 1) Man kann bei der Zuordnung der Fachgebiete unheimlich schnell versehentlich ein neues Fachgebiet hinzufügen und alle vorigen Zuordnungen löschen. Das wäre evtl. einfach zu lösen, wenn man statt Auswahl über Checkboxen und nicht über Auswahllisten regeln würde. 2) Daß für Hinweistexte keine Normsätze zur Verfügung stehen, sondern diese bei jeder einzelnen Aufnahme im Klartext eingetragen werden müssen, ist steinzeitlich. 3) Die Einbindung in eigene Systeme erforderte dringend eine XML-Schnittstelle.

    Abgesehen von solchen Schwächen ist DBIS überaus verdienstvoll, und ich würde auch eher in die Optimierung von DBIS investieren, als das Rad neu zu erfinden… Und selbst wenn es um Funktionalitäten ging, die eine Anmeldung erforderten: das sollte auch mit DBIS gehen, zumal DBIS nicht so bleiben muß, wie es ist, aber die vorhandenen Daten und Kooperationsstrukturen sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

  2. Korrektur: Statt „wenn man statt Auswahl über Checkboxen“ sollte es heißen „wenn man die Auswahl über Checkboxen“

  3. Hallo Herr Plieninger,

    hier haben Sie sich ein wenig verrannt. Die SLUB setzt selbstverständlich auch auf DBIS als Nachweis- bzw. Recherchesystem an. DBoD entspricht dagegen dem aus Baden-Württemberg schon länger bekannten Dienst „Regionale Datenbankinformation“ (ReDI), stellt also zentral CD-ROM-/DVD-Datenbanken für die Bibliotheken in Sachsen und deren Benutzer zur Verfügung. DBIS und unser zentraler Datenbankserver sind zwei Paar Schuhe …

    Beste Grüße

    Achim Bonte (SLUB)

  4. Besonders merkwürdig finde ich, dass für weitergehende Informationen zur Datenbank auf den DBIS-Eintrag verlinkt wird. Ist DBIS also als kooperativ geführte und daher besonders aktuelle und umfassende Begleitdatenbank auch weiterhin vorgesehen? DBoD wirkt jedenfalls wie ein reiner Schnellschuss. Man sieht die Möglichkeit, EFRE-Mittel einzuheimsen, strickt innerhalb einer vorgegebenen Frist schnell was zusammen, ist dabei aber noch nicht mal in der Lage, alle sinnvollen Inhalte zu integrieren… Bin (leidlich) gespannt, ob es BDoD in zwei Jahren noch gibt. Bei DBIS fragt sich das tatsächlich keiner.

  5. Aha, dann muss ich für meinen Kommentarschnellschuss, den ich vor der Freischaltung von Herrn Bontes Klarstellung abgefeuert habe, zurückziehen.
    Dennoch: wenn auch erfahrene Bibliothekare den Eindruck haben, Sachsen wolle ein regionales Parallel-DBIS aufziehen, könnte das damit zusammenhängen, dass die sächsischen Verantwortlichen den Einruck haben aufkommen lassen, Sachsen wolle ein regionales Parallel-DBIS aufziehen 😉
    Eine bessere und klarere Darstellung (auch) in der (Fach-)Öffentlichkeit könnte da Abhilfe schaffen.

  6. Lieber Herr Bonte, gut, dann ist das durchaus sinnvoll, wenn die Funktion des Portals eine andere als DBIS ist und die für Sachsen lizensierten Angebote erschließt. Ich bitte um Entschuldigung!
    Ein Hinweis noch, falls dies nicht sowieso von Ihrer Seite aus geplant ist: Schön fände ich es, wenn die Nationallizenzen-Datenbanken voll in das Angebot integriert würden. Das hat ReDI meiner Beobachtung nach nicht stringent durchgehalten. Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Plieninger

  7. Hallo Herr Plieninger und Kaethe Moss,

    besten Dank für Ihre Fairness. Ich war ob des Mißverständnisses wirklich platt. Wir bieten bisher 100 Datenbanken im bequemen Online-Zugriff an und werden bis zum Projektabschluss im Frühjahr 2010 noch hunderte weitere Titel aus den Schubladen der Ausleihen, Infopunkte usw. holen. Zugleich sparen wir mehrere lokale Datenbankserver und Personalkapazität an den einzelnen Standorten ein. Ein ähnlich benutzerfreundliches und wirtschaftliches Modell gibt es in kaum einem anderen Bundesland. Die Integration der Nationallizenzen-Datenbanken streben wir an. DBoD wird übrigens in einem Vortrag auf dem Bibliothekartag vorgestellt. Wer mehr Klarheit sucht, wird sie dort finden.

    Achim Bonte (SLUB)

  8. Ich wollte gern im Nachgang noch einen Blick darauf werfen, wie das Mißverständnis entstanden ist. Die SLUB twittert – und das mit Blick auf ihre eigentliche Zielgruppe, die Studierenden. Diese haben sicher (via Uninetz und VPN oder ähnlichem) eine andere Sicht auf die Sache als jemand, der den Tweet von außen mitbekommt und sich die Sache – in diesem Falle falsch – zusammenreimt. Es ist somit ein kleines Lehrstück, dass die „Sichtbarkeit“ sich mit dem Twitter-Account erhöht hat, dass aber Externe sich vor einem vorschnellen Urteil hüten sollten. Richtig wäre es in meinem Fall gewesen, dies in Rechnung zu stellen und sich ggf. vor einem Eintrag noch einmal schlau zu machen, indem man nachfragt…

  9. @Nemissimo
    Hallo Nemissimo,
    vielen Dank für das Feedback zum Datenbank-Informationssystem. Den dritten Punkt einer fehlenden XML-Schnittstelle kann ich ruhigen Gewissens nach entkräften. Diese existiert seit Mai vergangenen Jahren und funktioniert analog zur EZB-XML-Schnittstelle, indem an die jeweiligen URLs xmloutput=1 eingegeben wird.
    Damit lässt sich dieses System hervorragend in bereits vorhandene Systeme einbinden. Als Beispiel fällt mir hier spontan das Propyläum http://www.propylaeum.de/alle-faecher/fachdatenbanken/datenbank-infosystem-dbis.html ein. Derzeit findet bei weiteren Projekten die Einbindung der DBIS-XML-Schnittstelle statt, beispielsweise im neuen KUG, der in den nächsten Wochen freigegeben werden soll.

    Christoph Poley (SLUB)

  10. @Christoph Poley
    Vielen Dank für den Hinweis, das ist ja sehr erfreulich. Bleiben natürlich die beiden anderen Punkte, die sicher nicht so gravierend sind, dass sie ein DBIS-Parallelsystem erfordern würden. Aber die Meldung hat sich ja ohnehin als Missverständnis herausgestellt. (Manchmal sollte man doch etwas recherchieren, bevor man in die Tasten greift – als Selbstkritik mit Blick auf meine übereilte Zustimmung zum anfänglich Entsetzen.)