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Integrierte Stadtteilentwicklung Hamburg

Das Hamburger Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) ist nunmehr auch in der redigierten Fassung als Drucksache 19/3652 der Hamburgischen Bürgerschaft zugänglich. Die Presseerklärung der grün geleiteten Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hob bereits beispielhaft das Community-Center „Barmbek Basch“ hervor. Hier ist die Bücherhalle Dehnhaide in einem Stadtteilzentrum integriert; die Eröffnung erfolgt 2010. Ein neues Leitbild „Wachsen mit Weitsicht“ löst das vorige „Hamburg Wachsende Stadt“ ab (die Namensgebung wechselt von Peinert zu peinlich…); das Rahmenprogramm ersetzt „Lebenswerte Stadt Hamburg“. Der für mich wesentliche Ansatz des Rahmenprogramms liegt in der „aufgabenbezogene(n) Integration der Fachpolitiken und d(er) gebietsbezogene(n) Bündelung des Ressourcen- und Mitteleinsatzes“. Dies ist entscheidend: ein integriertes Behördenhandeln, das ein bis zu einem Nichtwissen reichendes Nebeneinander selbst bei gleicher Problembearbeitung beendet. In Kapitel 6 werden partizipative Elemente betont; ein Anhang benennt Qualitätskriterien für integrierte Entwicklungskonzepte. Die Senatorin hat Projekte zu verantworten, wo sie nach der Einhaltung dieser Qualitätskriterien gefragt werden wird. Hier nicht weiter auszuführen ist der Inhalt des umfangreichen Papiers. Einige Punkte folgen baugesetzlichen Vorgaben, Rahmenvereinbarungen von Bund und Ländern und fachlichen Standards, die lokal auszuarbeiten sind. Etwa Gebietsauswahl und -abgrenzung (Kap. 3 und 4) oder Steuerung und Durchführung (Kap. 8). Hier ist in Kap. 8.3 Wissens- und Erfahrungsaustausch die spannende Frage angesprochen, wie machen wir eigentlich das Wissen, das es in Hamburg oder bundesweit und international als good practice gibt, verfügbar. Kap. 5 benennt zwölf ‚Thematische Handlungsfelder‘, Bücherhallen werden unter 5.8 ‚Kultur im Stadtteil‘ genannt. Übrigens nicht im Abschnitt Bildung, aber es gibt die traditionelle Bildungs- (soziokulturelle) Orientung der Stadtteilkulturzentren in Hamburg. Eigentlich zitiert das Programm die Satzung der Bücherhallen. Man wagt es nicht zu glauben, dass der Tanker HÖB die dogmatische Fahrtrichtung „Kein Sozialklimbim“ in „Klar zur Wende!“ ändern wird.

Ergänzend sei noch einmal auf das Hamburger Programm zur Entwicklung von Schulbibliotheken Prototypen verwiesen. Es ist bei den Bücherhallen seit Jahren grundsätzlich unüblich, eigenes Handeln zu vermitteln und zugänglich zu machen. Immerhin finden sich Ausführungen zu den Schulbibliotheken jetzt im Jahresbericht 2008; dort findet sich S. 32f. ein Kapitel zu schulbibliothekarischer Arbeit. Ob damit die mich im April bewegende Frage, wie denn die sozialen gebietsbezogenen Kriterien lauten, die eine Auswahl begründen, beantwortet wird, überlasse ich jedem Leser selbst zur Beurteilung.

2 Kommentare

  1. Lieber Herr Schaper,
    Sie sind zu streng. Der Jahresbericht spricht ja immerhin von 11 (in Worten: elf) Schulbibliotheken neuen Typs…
    „…Die Schulbibliotheken neuen Typs werden stärker als die bereits
    existierenden Schulbibliotheken, die in Eigeninitiative betrieben
    oder von der SBA bereits betreut werden (s.u.), den Charakter
    einer Arbeitsbibliothek aufweisen und den Schülerinnen und
    Schülern eine ideale Lernumgebung für individualisiertes Lernen
    bieten. Neben der Lesemotivation dienen sie der Vermittlung von
    Lese-, Medien-, Informations- und Recherchekompetenz. Entsprechend
    werden diese Schulbibliotheken mit Lesezonen, multimedialen
    und Gruppenarbeitsplätzen ausgestattet und während
    des Schulbetriebs durchgehend geöffnet sein. Die Leitung übernimmt
    ein Fach angestellter für Medien- und Informationsdienste,
    der jeweils der Schulleitung unterstellt ist. Dieses Schulbibliotheksnetz wird 2009 sukzessive in Betrieb genommen.
    Die Prototypen erhalten eine – auf die jeweilige Schulform bezogene
    – einheitliche Struktur in folgenden Bereichen: Regalausstattung,
    Medienauswahl, EDV-Katalog sowie EDV-gestützte Bibliotheks-
    und Ausleihverwaltung. Die Gewährleistung dieser bibliotheksfachlichen
    Qualitätsstandards ist Aufgabe der SBA.
    Die SBA berät zunächst die Schulleitungen vor Ort bezüglich der
    baulichen Voraussetzungen und bei der Erstellung eines Einrichtungsplans.
    Danach erfolgt für alle Prototypen der Kauf eines einheitlichen
    Regalsystems, der Thekenmöbel, der Arbeitsplätze und
    der Möbel für die Leseecke und die Einrichtung der Räume.
    Als Startbestand wählt die SBA insgesamt rund 16.000 Medien –
    unter Berücksichtigung der jeweiligen Schulform – aus und bearbeitet
    diese ausleihfertig. Zur Eröffnung stehen in den Grundschulen
    dann 900 eingearbeitete Medien bereit, in den Gesamtschulen
    für die Jahrgänge fünf bis zehn 1.500 Medien, 1.000
    Medien für die Jahrgänge elf bis 13 und 2.000 Medien in den
    Gymnasien…“

    Als hätte es das IFLA/UNESCO Manifest nie gegeben, oder? http://archive.ifla.org/VII/s11/pubs/SchoolLibraryGuidelines-de.pdf

    „…Ein angemessener Bestand an Büchern sollte zehn Bücher pro Schüler umfassen. Selbst ganz kleine Schulen sollten mindestens 2500 wichtige und aktuelle Werke besitzen, um einen breiten und ausgewogenen Buchbestand für alle Altersstufen und Begabungen zu haben. Mindestens 60 % des Bestandes sollte aus Sachliteratur bestehen, die auf das Curriculum Bezug nehmen…“

    Lassen Sie uns lieber über die http://www.iaald.org/ reden, das scheint mir mehr Bodenhaftung zu haben.

    Grüße von hier nach da
    Susanne Drauz

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