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Das Fremde in uns und wir im Fremden

Das war der Titel einer Veranstaltung, die in Berlin stattfand. Ort war die Bibliothek am Luisenbad; wohl nicht nur ich würde den dortigen Kiez nicht als „Berlin-Mitte“ sondern immer noch als Wedding bezeichnen. Die Sozialdaten der räumlichen Umgebung lassen sich dem aktuellen Sozialstrukturatlas oder dem Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2008 entnehmen. Große Teile der Bevölkerung haben den sozialstatistischen Status „mit Migrationshintergrund“ (im Jargon: mMh). Jener Status entsteht daraus, dass Personen, die selbst eingewandert sind oder eingewanderte Eltern(teile) haben, eingebürgert werden. Während das Recht nur Deutsche und Ausländer unterscheidet, kennt die Statistik seit dem Mikrozensusgesetz 2005 also Ausländer, Deutsche Ex Ausländer, Deutsche. Die immer noch zu geringen Einbürgerungen ermöglichten Gesetzesänderungen im Staatsangehörigkeitsrecht (aus RuStAG wurde StAG…). Ein in Berlin entstandener Mythos führt diese Änderungen auf das Zuwanderungsgesetz zurück; philologische Akribie könnte den Nachweis führen, wie sich dies durch bibliothekarische Literatur gefressen hat – forget it. Faktenwissen, Recht, Sozialstruktur – ein Abgrund gähnender Langeweile, wo es doch mit großer Geste um das Fremde geht. Der große Abend wurde ermöglicht durch den Simon Verlag. VerlagsautorInnen lasen aus ihren Arbeiten; eine Podiumsdiskussion illustrer Gäste folgte. Zu einer dieser Arbeiten hatte ich nun schon lange vor, eine kleine Anmerkung zu verfassen. Nehmen wir die Berliner Erkundung des Fremden als Anlass, dass den Lesern dieses Beitrags die annotierte Arbeit nicht fremd bleibt. Es geht um: Die Bibliothek als Integrationsfaktor : die Vermittlung von Informationskompetenz an Menschen mit Migrationshintergrund von Maria Kabo.

Die Arbeit entstand als Potsdamer Diplomarbeit 2007, dies ist auch der Stand, mag auch ein Vorwort bis Dezember 2008 und die Prüfung der Internetquellen bis Januar 2009 gehen. (Ergänzte Literaturhinweise stammen praktischerweise aus dem Simon Verlag.) Abrufbar ist sie online auch hier; die gedruckte Fassung erschien im Simon Verlag. Elisabeth Simon verlegt hier bibliothekswissenschaftliche Texte; da ihre Vernetzung im Bibliothekswesen besser ist als ihre verlegerischen Produkte, finden sich diese dennoch zügig in Bibliotheken. Als ich den Titel von Kabo gelesen hatte, war mir aus dem Verlag neben der braven Arbeit von Kaiser nur der von Ratzek und Simon herausgegebene Band ‚Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung durch Informationsdienstleistungen : das unterschätzte Potenzial von Bibliotheken‘ bekannt. Ein Titel, wo schlampiges Lektorat und belanglose Inhalte eine fruchtbare Symbiose eingehen. Unter den neueren Titeln finden sich der wichtige Beitrag von Kaden: ‚Library 2.0 und Wissenschaftskommunikation‘ (auch hier hätte ein sorgfältigeres Lektorat Fehler ausbügeln können); sowie von Schulz: ‚Soziale Bibliotheksarbeit – „Kompensationsinstrument“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit im öffentlichen Bibliothekswesen‘. Eine anregende Arbeit; die zentrale These (so schon in ‚Zugang für Alle‚), die die Notwendigkeit einer Ausdifferenzierung von „Sozialer Bibliotheksarbeit“ als eigenständigem Handlungsfeld zurückweist, teile ich nicht. Es gibt jedoch Momente, wo mir ihre These bei der Übertragung auf das Feld „Interkulturelle Bibliotheksarbeit“ nur allzu plausibel erscheint. Wenn jede bibliothekarische Arbeit an sich interkulturell ist, dann würde uns immerhin erspart bleiben, dass interkulturelle Bibliothekare mit der Beobachtung und Klassifizierung ihrer Zielgruppe zu viel Unsinn anrichten können. Kabo behandelt zwei große Bereiche: Informationskompetenz (auf diesen Aspekt gehe ich nicht ein) und deren Vermittlung – als „multikulturelle Bibliotheksarbeit“ – an eine spezifische Zielgruppe „Menschen mit Migrationshintergrund“. Kurz erwähnt wurde schon, dass die Bevölkerung mMh ein statistisches Konstrukt ist; ein Hintergedanke bei der Einführung war, die Diskussion über Einwanderung zu entdramatisieren: mit der Einbeziehung der Eingebürgerten erfasst man auch die, die im Durchschnitt sozial erfolgreicher sind. Bei Kabo wird daraus ein tatsächlich vorfindbares soziales Faktum. Sie nennt das Soziogruppe; ein in der Soziologie ungebräuchlicher Begriff. Dort kennt man (soziale) Gruppen, Schichten/Klassen, wichtig auch Milieus (Sinus-Milieus®). Den Begriff hat sie von Schultka übernommen, der im BD 2006 einen Beitrag zu einer Bibliothekspädagogig veröffentlicht hatte. Die Übernahme des Begriffs wird auch korrekt ausgewiesen; der explizite Hinweis von Schultka (S. 1479, Fn. 29), dass man bei der Zuordnung von Individuen zu diesen Gruppen äußerst vorsichtig zu sein habe, wird von Kabo nicht im Ansatz verstanden. Von Schultkas Soziogruppen, „die spezielle Informationsbedürfnisse haben und deswegen entsprechender besonderer pädagogischer Bibliotheksarbeit bedürfen“ führt sie auf „Behinderte, Homosexuelle und Migranten“. Das Ziel ist dabei Integration. Die Schwulen müssen also auch integriert werden – die wollen doch eigentlich nur ihre Geschlechtsteile nach Lust und Laune benutzen. (Religiöse Fundis versuchen jetzt mit schwuler Missionierung diese dazu zu bewegen, dass sie ihre Geschlechtsteile an den dafür vom lieben Gott vorgesehenen Ort integrieren. Gibt es eigentlich schon Diplomarbeiten zu Kirchen als Integrationsfaktoren?) Integration bleibt bei ihr – trotz eines Definitionsversuchs – ein weiterhin ungeklärter Begriff. Sie führt (S. 28f.) drei Elemente (bezeichnet mal als ‚Aspekt‘ – also als beobachtbares Phänomen; mal als ‚Phase‘ – also temporal) auf: kulturelle Assimilation der Migranten an die Mehrheitsgesellschaft; Pflege der Migrantenkultur; wechselseitige kulturelle Beeinflussung von Migranten und Mehrheitsgesellschaft. Die vage Absicht, Integration prozessual, offen, als Austausch zu sehen, bestätigt sich im Fortgang des Textes nicht. Tatsächlich sieht sie Migranten in einer erschreckend verdinglichten Form; die Individuen sind Träger feststehender Kulturmerkmale. Das elektronische Dokument ermöglicht es, über die Suchfunktion bei Eingabe von „ethnisch“ zu sehen, in welchen Zusammenhängen dieses Wort benutzt wird. Da wandern Migranten „in ethnisch fremder Gesellschaft“ ein – die moderne, vielfach differenzierte Gesellschaft als Ansammlung von Volksstämmen. Hier bekommt auch die – statistische! – Größe „mMh“ eine beängstigende Qualität: es sind Gefängnisse der Identität, in denen die heute lebenden Menschen mMh und ihre Nachkommen auf Ewigkeit einsitzen. Kabo spricht dabei vor dem eigenen biografischen Hintergrund als Spätaussiedlerin. Das ist völlig legitim. In einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit aber ist eine Formulierung, dass Spätaussiedler „wieder in ihre ethnische Heimat immigrieren“, fragwürdig. Spätaussiedler dort, Migranten hier – offensichtlich sind dies über Jahrhunderte unterscheidbare naturwüchsige Einheiten. Diskutiert wird das nicht, wie auch zum Thema Integration gibt es keinen einzigen (migrations-)soziologischen Titel, der angeführt wird. Doch, einen Titel gibt es: „Das Büchereiwesen der deutschen Minderheiten im Ausland : Geschichte, Organisation und Bedeutung ; 12. Konferenz deutscher Volksgruppen in Sankelmark, 9. – 12. September1993 / hrsg. von Alexander Ritter. – Erschienen: Flensburg : Inst. für Regionale Forschung und Information im Deutschen Grenzverein, 1997. – Schriftenreihe: Kolloquien zur Kultur der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen im Ausland“. Spätestens hier sollte man allerdings aufhorchen. Ich habe im Bereich der interkulturellen Bibliotheksarbeit die Fräulein Rottenmeiers, die Integration mit dem erhobenen Zeigefinger betreiben, von der ganz-schön-bunt-hier-Fraktion der linksvölkischen Krankenpfleger unterschieden. Bei Kabo nun fällt es mir ziemlich schwer, das völkisch noch mit einem Beiwort links zu verknüpfen. Ich habe mir diesen von Ritter herausgegebenen Titel angesehen. Traurig genug, wenn man sich auf dessen einleitende Bemerkungen zu kultureller Identität, Minderheitenschutz und geistiger Heimat zustimmend bezieht. Die Probleme liegen allerdings tiefer. Hier geht es um die Unterstützung deutscher Minderheiten im Ausland. Weder 1997, schon gar nicht 2007 kann man sich hierzu äußern, ohne vorliegende historische Studien zur Volkstumsforschung einzubeziehen. Volksdeutsche Forschungsgemeinschaften, Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Deutsches Ausland-Institut (jetzt ifa), Wilhelm Schusters Weg von Bibliotheken für das Grenzlanddeutschtum bis zu jenem Schreiben, das man jetzt in der ZLB ausgestellt sah – schon mal was von gehört? Ich beglückwünsche die Autorin, dass sie mit dieser Arbeit ihr Diplom bestanden hat. Ist allerdings eine weitere Verbreitung nötig? Ich sehe hier in Hamburg an den Ausleihungen, dass zum Thema ein Informationsbedarf besteht. Ich bezweifle, dass dieses Buch diesen angemessen deckt. Ist dies Fachliteratur (dort ohne Hinweis auf die online-Fassung), die zudem einen Verweis auf dem Bildungsserver und den Seiten von Informationskompetenz hat? Im Kapitel drei finden sich Ergebnisse einer Befragung Berliner Bibliotheken. Einen Eindruck, den man von Berliner und anderen deutschen Bibliotheken hatte, findet man hier als offene Selbstaussage. Das Eingeständnis von Hilflosigkeit zum Thema Bibliothek in der Einwanderungsgesellschaft ist ehrenwert. Nur ist das ein Schlaglicht auf eine aktuelle Situation, aber keine good practice, die Modell für eine interkulturelle Bibliotheksarbeit sein könnte. Diese Modelle liefert sie im vierten Kapitel. Es sind die immer wieder gleichen Beispiele. In 2009 hatten wir diverse Beiträge mit ihrer Darstellung. Die gegenseitige Referenzierung führt natürlich zu einer Aufblähung von zitierbaren Texten zu interkultureller Bibliotheksarbeit; jeder citation index beweist, dass deutsche Bibliotheken immer internationaler, interkultureller und interaktiver werden. Die Modelle gliedert Kabo nach altersspezifischen Gesichtspunkten. Ein richtiger Weg, der darauf verweist, dass man keineswegs darauf angewiesen ist, Konstrukte einer Bevölkerung mMh zu erstellen. Ein New Germans Program in Bibliotheken ließe sich auf der Grundlage der Frage nach Migrationsanlässen erstellen. Die Bedarfe von den high potentials bis zu den irregular migrants sind dabei ganz unterschiedlich. Man kann nach Lebenslagen derjenigen, die schon da sind, differenzieren und bibliothekarische Arbeit für spezifische städtische Sozialräume entwerfen (und dabei hat dann soziale Lage sicher größere Bedeutung als kulturelle Besonderung). Die bibliothekarische Ermöglichung sprachlicher Vielfalt als grundlegendem Menschenrecht ist ein weiterer Bereich, den man ohne Bezug auf statische kulturelle Identitäten thematisieren kann.

Als alter Mann vom Mond kann ich mich hier nur in aller Bescheidenheit äußern. Ich wünsche mir einfach nur, von interkulturellen Bibliothekaren nicht gefangen, auf eine Stecknadel gepikt und in einer lepidopterologischen Vitrine als lunare Kultur ausgestellt zu werden.

7 Kommentare

  1. Über die Veranstaltung, die sie als so gähnend langweilig geißeln, erwähnen Sie kaum etwas und bewerten als in einer selbstgerechten, arroganten und diffamierenden Weise, dass ich mich schäme Bibliothekar zu sein. Leide ich an Wahrnehmungsstörungen oder hat mir die Veranstaltung gefallen, auf die Inhalte bzw. Statements der ach so „illustren Gäste“ gehen sie kaum ein. Warum haben Sie sich eigentlich nicht zu Wort gemeldet während der Veranstaltung und rechnen in diesem Beitrag in einer ganz persönlichen Weise mit einem Buch ab, das Ihnen mißfällt. Warum schreiben Sie keine Rezension in einer Fachzeitschrift? Ihr Stil, ihre rechthaberische Art halte ich für überzogen und selten habe ich einen Menschen erlebt, der sich so arrogant und besserwisserisch verhält. Vielleicht waren Sie durch die Veranstaltung einfach geistig unterfordert und hätten liber mal zu einer Veranstaltung ins http://www.wzb.eu/aktuell/ oder an ein anderes Instutut gehen sollen. Besser ist es Sie schreiben selber mal ein Buch und gewöhnen sich eine andere Debattenkultur an. Ich habe schon viele Blogbeiträge in den unterschiedlichsten Blogs gelesen, aber ihr Stil ist katastrophal verletztend und sie wollten eigentlich pber einer Veranstaltung berichten, die Sie als langweilig abfanden. Ist das dann überhaupt ein Blogeintrag wert. Oder wollten Sie nicht vielmehr etwas anderes mit einem Beitrag bezwecken? Ich bin empört wie diffamierend Sie beschreiben und nur negativ kritisieren. Ist das Sinn und Zweck Ihres Beitrags gewesen? – Ich glaube ja.

  2. Nur zwei Beispiel und dann schäme ich mich weiter Bibliothekar zu sein: „forget it“ klingt so arrogant und überheblich
    – „Die Schwulen müssen also auch integriert werden“ – warum hatten Sie nicht den Mut den Verlag anzuschreiben bzw. die Autorin und lassen sich in einer diffamierenden Art und Weise über dieses Buch aus und benutzen diesen Blog als Formum und verwenden eine Sprache, die jede political correctness vermissen lässt
    Sie haben zu allem eine Meinung und aus „Ihrer kleinen Anmerkung“ wie Sie sie nannten wurde eine Haßtirade, die mit der eigentlichen Veranstaltung nichts mehr zu tun hatte. Nutzen manche Leute Blogs um Aufmerksamkeit zu erhaschen und andere niederzumachen? – Ich glaube ja.

  3. Ulkig, solche markigen Worte ausgerechnet unter einem Beitrag zu finden, der mit einem Hinweis auf Eisler und Weinert beginnt.
    „Behinderte, Homosexuelle und Migranten“ – diese chice Zusammenstellung drängt schlimme Assoziationen auf, die ich lapidar unter „rosa Winkel“ zusammenfasse.
    Aber Weinert hatte ja damals auch schon Ärger…

  4. Nachdem ich ihre Ausführungen gelesen habe, stellt sich mir die schwierige Frage, ob Ihre irrationalen und irreführunden Anfeindungen auf persönlicher Antipathie gegenüber der Autorin oder dem Thema basieren, oder ob Sie das Buch ganz einfach nicht verstanden haben. Die schiere Anzahl Ihrer Fehltritte lässt auch eine – um Sie mal zu zitieren – „fruchtbare Symbiose“ aus beiden Gründen möglich erscheinen.

    Fehltritt 1:
    „Kurz erwähnt wurde schon, dass die Bevölkerung mMh ein statistisches Konstrukt ist; ein Hintergedanke bei der Einführung war, die Diskussion über Einwanderung zu entdramatisieren: mit der Einbeziehung der Eingebürgerten erfasst man auch die, die im Durchschnitt sozial erfolgreicher sind. Bei Kabo wird daraus ein tatsächlich vorfindbares soziales Faktum.“

    ad 1: Kabo gibt in Ihrer Arbeit dem Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ eine eindeutige Definition. Dabei handelt es sich um Migranten erster oder zweiter Generation, unabhängig davon, ob diese inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, oder nicht. Diese Definition wird dann auch in der gesamten Arbeit konsequent zu Anwendung gebracht.
    ad 2: Der Begriff Ausländer greift hier rein linguistisch nicht, da die Definition des Begriffes auf die Staatsbürgerschaft der Betroffenen abstellt. Eine „Entdramatisierung der Einwanderung“ durch die Nutzung des Begriffes „Menschen mit Migrationshintergrund“ mag für einige philosophisch-ethnologische Diskussionen einen inzwischen recht abgedroschenen Grundstoff liefern, ist aber in der vorliegenden Arbeit weder an der von Ihnen aufgegriffenen Stelle, noch danach ein Thema. Wie Sie dazu kommen, hier derartig unpassend vom Thema abzuschweifen, bleibt wohl erstmal Ihr Geheimnis.
    ad 3. Dass eine Einbeziehung der eingebürgerten Ausländer in die betrachtete Gruppe – wie von Ihnen behauptet – „die im Durchschnitt solzial erfolgreicher“ agierenden mit einschließen soll, ist eine ebensolche Nonsens-Aussage. Erstens wäre es interessant zu erfahren, auf welche Definition des schwammigen Begriffs „sozial erfolgreich“ Sie hier abstellen (da Sie ja im Gegensatz zu Autorin keine Definitionen für die von Ihnen benutzten Termini angeben). Gehen wir von der wahrscheinlichsten Erklärung aus, dass Sie damit den Grad der Integration des jeweiligen Migranten in die Gesellschaft meinen, so ist Ihre Aussage schlichtweg falsch: Es gibt eine Fülle an statistischen Untersuchungen, die aufzeigen, dass Staatsbürgerschaft und Grad der Integration, wenn überhaupt, dann nur unwesentlich korrellieren. Die berliner Migranten sind übrigens ein gutes Beispiel dafür.
    ad 4. Zu Ihren Behauptungen, die Soziogruppe wird von Kabo als „soziales Faktum“ hingestellt, verweise ich gerne noch einmal auf ad. 1. Wie jede ernstgemeinte wissenschaftliche Arbeit, basiert auch diese auf einem theoretischen Konstrukt, welches sowohl Grundlage als Kontrollsystem für die gezogenen Schlussfolgerungen ist. In Anbetracht Ihres von verwirrenden Abweichungen durchsetzten Ergusses oben, der nicht einmal versucht, so etwas wie eine stringente Argumentation oder einen roten Faden zu haben, ist Ihnen aber wohl die Struktur konzeptioneller Texte einfach nicht bekannt.

    Fehltritt 2:
    „Von Schultkas Soziogruppen, „die spezielle Informationsbedürfnisse haben und deswegen entsprechender besonderer pädagogischer Bibliotheksarbeit bedürfen“ führt sie auf „Behinderte, Homosexuelle und Migranten“. Das Ziel ist dabei Integration. Die Schwulen müssen also auch integriert werden“

    An dieser Stelle zitieren Sie schlichtweg falsch. der Begriff Soziogruppe wird von Kabo bei Schultka aufgegriffen, in den dann von Ihnen nicht beachteten zwei Seiten genauer definiert und an Kabos Arbeit angepasst. Schließlich wird er als eine Gesellschaftsgruppe mit bestimmten abgrenzenden Merkmalen definiert (aber mit Definitionen haben Sie es nicht so, das haben wir ja oben schon festgestellt). Hierzu zählen nun einmal Migrante, Homosexuelle und Behinderte, da Sie allesamt für diese Gruppen spezielle Bedürfnisse haben. Dabei handelt es sich nicht bei allen Gruppen um spezielle ‚Informations’bedürfnisse. Dies wird von der Autorin jedoch auch nie behauptet, sondern nur von Ihrer Seite ihr ziemlich lapidar und dreist vorgeworfen, ohne dass es dafür auch nur einen Ansatz gibt. Es fällt bei dieser Tatsachenverdrehung auf BILD-Niveau schon schwer, hier nicht von bösem Willen auszugehen. Die einzige alternative Erklärung ist begrenzte Intelligenz. Beides lässt Sie nicht in gutem Licht erscheinen.
    Den anstandslosen, mit dem Thema überhaupt nicht verwandten Unsinn, den sie danach über die Homosexuellen verzapfen, kann man nur unkommentiert lassen – die Sätze fallen in die Kategorie „Niveau nicht auffindbar, da unter der Meeresoberfläche verschwunden“.

    Fehltritt 3:
    „Tatsächlich sieht sie Migranten in einer erschreckend verdinglichten Form; die Individuen sind Träger feststehender Kulturmerkmale. Das elektronische Dokument ermöglicht es, über die Suchfunktion bei Eingabe von „ethnisch“ zu sehen, in welchen Zusammenhängen dieses Wort benutzt wird.“

    Anstelle der Benutzung der Suchfunktion hätten Sie das Buch vielleicht Mal lesen sollen, bevor Sie zusammenhaangslos herausgegriffene Sätze perfide miteinander verknüpfen und daraus absurde Schlussfolgerungen ziehen, die den Aussagen im buch fast schon zu 180 Grad entgegenstehen. Hier liegen Sie weit daneben, dass eine Antwort eigentlich nur durch die Zitation des ganzen Buchabschnitts möglich wäre. Also nochmal ein gutgemeinter Rat: Lesen bildet.

    Fehltritt 4:
    „Kabo spricht dabei vor dem eigenen biografischen Hintergrund als Spätaussiedlerin.“

    Und wieder geraten. Und wieder daneben. Durch eine simple Nachfrage beim Verlag hätten Sie, wie auch ich, herausfinden können, dass es sich bei der Autorin nicht um eine Spätaussiedlerin handelt.
    Dieser Fehler ist inhaltlich bei weitem nicht so gravierend, wie die vielen vielen übrigen, zeigt aber sehr plastisch, wie oft und gern Sie mit haltlosen und schlichtweg falschen Behauptungen um sich schmeißen.

    Weitere Fehltritte:
    Ähnlich haltlos erweisen sich praktisch alle darauffolgenden Behauptungen. So nehmen Sie den Bezug auf Ritter in einem bestimmten, konkreten Fall, wo sich die Themen beider Arbeiten überschneiden, zum Anlass, um sich weitläufig auf die ansonsten vorhandenen (und von der Autorin nie bestrittenen) Unterschiede in der Thematik beider Arbeiten auszulassen.
    Ebenso trifft die Autorin nie die Aussage, dass die Interviews in den berliner Bibliotheken eine „best practice“ sein sollten, dies wird nur von Ihnen behauptet. Qualitative Interviews stellen auch kein Modell dar und sind deswegen per se nicht das Intrument zu Darstellung einer „best practice“. Die in der Arbeit genau beschriebenen Modelle zu „Best practice“ erwähnen Sie übrigens mit keinem Wort – Absicht oder einfach nicht gelesen?

    „Die Modelle gliedert Kabo nach altersspezifischen Gesichtspunkten. Ein richtiger Weg, der darauf verweist, dass man keineswegs darauf angewiesen ist, Konstrukte einer Bevölkerung mMh zu erstellen.“

    Und wieder daneben gegriffen, denn die altersspezifische Einteilung erfolgt innerhalb der Soziogruppe „Menschen mit Migrationshintergrund“ und nicht als Alternativeinteilung.

    „Ein New Germans Program in Bibliotheken ließe sich auf der Grundlage der Frage nach Migrationsanlässen erstellen.“

    Wieso? Egal, ob es sich bei den Migranten um Asylbewerber, Spätussiedler oder illegale Einwanderer handelt, die Bedürfnisse im Hinblick auf die Integration in die Gesellschaft (Sprache, Arbeit, Kultur) sind weitgehend deckungsgleich. Dieser Vorschlag von Ihnen ist – wieder ein Mal – belanglose Polemik.

    „Die Bedarfe von den high potentials bis zu den irregular migrants sind dabei ganz unterschiedlich.“

    Was die Autorin auch ausdrücklich für die Erwachsenengruppen betont, wo Sie auf unterschiedliche Bedürfnisse bei unterschiedlichem Bildungsstand eingeht. Da Sie auf den Punkt trotzdem eingehen, haben Sie entweder – wieder einmal – die Arbeit, die Sie hier so ausdrücklich kritisieren, nicht gelesen, oder es einfach nicht verstanden.

    „Als alter Mann vom Mond kann ich mich hier nur in aller Bescheidenheit äußern.“

    Ich darf Ihnen sagen, ihre Äußerungen sind sind so weit davon entfernt, „Bescheidenheit“ auszustrahlen, wie der Mond von der Erde.

    „Ich wünsche mir einfach nur, von interkulturellen Bibliothekaren nicht gefangen, auf eine Stecknadel gepikt und in einer lepidopterologischen Vitrine als lunare Kultur ausgestellt zu werden.“

    Dabei wünsche ich Ihnen viel Glück. Jedoch hat das Buch, welches Sie hier dermaßen dilletantisch und haltlos in der Luft zerreißen, nichts damit zu tun.

    Ihnen geht es bei Ihrem Blog nicht um Inhalte. Würde es Ihnen um Inhalte gehen, hätten Sie sich während der Veranstaltung melden und diese diskutieren können. Sie zogen es vor zu schweigen und danach die Anonymität des Internets für eine sachlich absolut haltlose Hasstirade voller persönlicher Anfeindungen gegenüber Verlag, Verlägering, Buch, Autorin, Homosexuellen und dem Forschungsstrang des interkulturellen Bibliothekswesens zu nutzen.

    Dieses vorgehen ist feige, wenn auch leider nicht selten. Es ist typisch für unzufriedene Menschen mit einem Internetzugang, niedrigem Niveau und zu viel Freizeit.

  5. Das ist einer der schwierigen Fälle, bei denen eine inhaltlich fundierte Kommentierung von vornherein nicht zielführend und damit vergebens scheint. Zu weit weicht hier ganz offensichtlich die subjektive Wahrnehmung von der des objektiven Empfängerhorizonts ab. Über die Gründe haben meine Vorkommentatoren ja hinlänglich spekuliert, gleiches bliebe mir auch nur zu tun übrig. Da es aber nicht angehen darf und kann, daß so ein integrationsstiftendes Werk in dieser Form zerrissen wird, will ich folgenden kurzen Kommentar an dieser Stelle anbringen: Wir alle erleben die Folgen einer seit Jahrzehnten verfehlten Integrationspolitik als schleichend, aber kontinuierlich an Bedeutung zunehmend. Lassen Sie uns an dieser Stelle die Details aussparen, uns allen ist dieses Thema aber hinlänglich bekannt und in der ein oder anderen Form sind wir damit direkt konfrontiert. Sollte sich da jemand nicht angesprochen fühlen, dann empfehle ich ein Gespräch mit einem Hauptschullehrer Ihrer Wahl in Berlin-Kreuzberg. Der einzig mögliche Lösungsansatz liegt in Integration. Integration, Integration und nochmals Integration ! Einem Kommentator, der ein Buch wie dieses, dem dieser zentrale Grundgedanke als Leitmotv dient, in dieser absurden Form zerreisst, kann nur entgegengehalten werden: Gönnen Sie sich mal eine ruhige Stunde, schalten Sie entspannende Musik ein, brühen Sie sich eine Tasse Tee auf, und LESEN Sie das Buch.

  6. Alec Guinness hat in dem Film „Adel verpflichtet“ acht verschiedene Rollen gespielt. Warum habe ich nur das Gefühl, dass der Rekord wackelt? 🙂

  7. Wie man von einem unter vollem Namen publizierten Beitrag ohne Umscheife auf die „Anonymität des Internets“ kommen kann, das würde ich von „Xell“ (interessanter Name, sicherlich nicht anonym) schon gerne mal wissen.