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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Bö(r)senverein langt in die Vollen

Endlich ist alles wieder im Lot – jedenfalls erscheint das so, wenn man die Pressemeldung zur Entscheidung im Streit um § 52b UrhG zwischen Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt und dem Verlag Eugen Ulmer KG liest. Exzessive Nutzungen urheberrechtlich geschützter Werke sind auf das vernünftige Maß zurückgestutzt, das geistige Eigentum gestärkt und ansonsten „ist die Bildungspolitik gefragt, das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen“ (nette Alimentierungsmentalität, die sonst eher der gewerkschaftlichen Ecke vorgeworfen wird). Und wenn wir den „ideologischen Ballast“ abwerfen, können wir sogar zu einer Einigung zwischen Verlagen und Bibliotheken kommen. [via bildungsklick.de] Na fein! Komisch nur, dass mir die „Zurück in die Steinzeit“-Metapher [Beispiel: Webwork-Magazin] eher liegt als das Gejubel über Stärkung geistigen Eigentums, welches den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur erschweren wird.
Und man muss „Steinzeit“ ja auch nicht negativ deuten, schließlich war das – positiv gesehen – ein dynamischer Zustand! Denken Sie nur an die technischen Entwicklungen vom Stock zum Speer und schlussendlich zu Pfeil und Bogen! Die haben sich damals auch zu helfen gewußt, warum unsere Studierenden heute nicht auch? – Denn dass die Bildungsminister unter den gegebenen Umständen mehr Geld in Verlagsprodukte pumpen können, ist derzeit so wahrscheinlich, wie die Kommunen, die derzeit auch planen, die Etats der Öffentlichen Bibliotheken zu erhöhen bis zum Geht-nicht-mehr.

7 Kommentare

  1. 😉

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  3. Ich bin ein Opfer der Kostenloskultur stelle ich gerade fest. Kann ich dann irgendwo meine Behandlungskosten einklagen gehen? 😉
    Und dass Ebooks ein überschätzter Hype sind wissen wir ja eh… Genau. Setzt sich wie das Internet nie durch, weil – das braucht keiner – das nutzen eh nur die elitären Schichten – viel zu teuer… (Bitte die anderen Passig-Gründe einflechten, danke.)
    Ad Astra

  4. Man kann es einfach nicht mehr hören und lesen. Da werden die Verlage als die Buh-Händler ständig verfolgt. Die wollen doch tatsächlich was verdienen! Vielleicht sollten alle die die „Kostenlos-Kultur“ begrüßen daran denken, dass es dann irgendwann keine wesentlichen Bücher mehr geben wird. Oder es wird Bücher und Online-Dokumente nur noch für die geben, die bereit sind horrende Preise dafür zu zahlen. Tja und die Studenten, die mit Copy und Paste ihre Abschlüsse machen – wie werden sie es mit der Kostenlos-Kultur halten, wenn sie etwas veröffentlichen, für das sie viel Zeit und Geld inverstiert haben? Sie wollen dann Kohle sehen!

    Die neuen Techniken verlangen selbstverständlich neue Regelungen, und die Bibliotheken müssen sich anpassen und verändern. Doch sollte man es sich nicht zu einfach machen. Wir, die wir im Öffentlichen Dienst sitzen oder in anderen sicheren finanziellen Verhältnissen leben, sollten nicht der grenzenlosen Kostenlos-Kultur das Wort reden.

  5. Die Bibliotheken müssen sich an die veränderten Umweltbedingungen anpassen, anstatt der Kostenlos-Kultur und damit faktisch einer ständigen Subventionierung das Wort zu reden. Nur nach Hilfe zu rufen, ohne sich selbst anpassen und fortentwickeln zu wollen ist rückwärtsgewandt. Wer sich nicht verändert bleibt zurück und das ist auch gut so!

  6. Wenn es einen Akteur der „Kostenlos-Kultur“ geben sollte, so sind das Bibliotheken, aus Gründen des freien Zugangs zur Information und der Bildungsgerechtigkeit. Das klappte bisher mit diesen Informationsmitteln zwischen zwei Pappdeckeln und sollte auch bei elektronischen Techniken funktionieren. Wenn ich das nur für Gebühren darf, die sich dem Buchhandel annähern, kann ich gleich eine Buchhandlung aufmachen!
    Und – Verzeihung! – die so genannten „sicheren“ finanziellen Verhältnisse (und die damit stillschweigend vorausgesetzten wagemutigen Biographien von Verlegern) sind doch über weite Strecken als prekäre Arbeitsverhältnisse zu bewerten: zunehmend befristete Verträge, Teilzeit, Streichung von Stellen, Verschlechterung der Tarifbedingungen. Soo dankbar muss man da ja wohl nicht sein!

    Darf ich noch eine Anekdote zu den Autoren, die „auch Kohle sehen wollen“ zum Besten geben? Ich habe eine Bibliographie erstellt, die seit Jahren im Netz frei verfügbar ist. Nun wurde sie als Beitrag für ein Sammelwerk angefragt. Für dessen Beiträge bekommen weder die Autoren noch ich etwas bezahlt. Bemerkenswert deshalb: Es kam vom Verlag postwendend ein „Vertrag“, mit dem ich sämtliche Veröffentlichungsrechte, national und international, Papier- oder Netzveröffentlichung hätte abtreten sollen. Ich hätte die Bibliographie also aus dem Netz nehmen müssen, wenn ich unterschrieben hätte. Ein Grund, warum ich seither Verlage eher als Wegelager denn als Hüter sehe …

  7. Das Beispiel ist in der Tat heftig: kein Honorar zahlen, aber sich im Gegenzug alle Rechte krallen zu wollen!

    Mit den „Informationsmitteln zwischen zwei Pappdeckeln“ hat das deshalb funktioniert, weil Bibliotheken diese gekauft haben (von Ausnahmen wie Pflichtexemplaren u.a. einmal abgesehen). Das hat wenig mit Kostenlos-Kultur zu tun, das ist eher eine Übertragung der Kosten vom Einzelnen auf die Allgemeinheit; denn tatsächlich werden die Rechnungen aus Steuergeldern bezahlt. Es hat aber vor allem funktioniert, weil Bücher physische Einheiten sind, auf die nicht beliebig zugegriffen werden kann, sondern die in einem Regal stehen und von dort ausgeliehen werden müssen – soll das nicht nur einmal möglich sein, müssen auch mehrere Exemplare käuflich erworben werden.
    Auf digitale Medien kann dagegen vielfach zugegriffen werden, weshalb die Verlage in ihre Verträge Zugriffsbeschränkungen einschreiben. Das ergibt eine ganz andere Situation. Bibliotheken müssen nämlich danach den Zugriff auf Datenbanken, E-Zeitschriften u.a. beschränken. Das Rigideste, was ich in dieser Beziehung erlebt habe, ist, dass ein Datenbankanbieter per Vertrag sogar den Zugriff mittels VPN und WLAN untersagt, was bedeutet, dass auf seine Datenbank(en) wirklich nur von den PCs in der Uni aus zugegriffen werden kann.
    Das führt gewiss zu unbefriedigenden Situationen. Diese jedoch einseitig den Bibliotheken anzulasten, die mit Mittelkürzungen und politischem Druck einerseits und steigenden Forderungen der Verlage andererseits zurecht kommen müssen, wird der Situation in diesem unseren Lande nicht gerecht. Man denke nur an die Stadtbüchereien und -bibliotheken, denen Stadträte das Erheben von Gebühren verpflichtend vorschreiben.