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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Diese ewige Freibiermentalität!

Vielleicht sollte man hier einmal gründlich Selbstkritik betreiben! Einige Kommentatoren haben ja angemahnt, dass man diese „Kostenlos-Kultur“ nicht befördern möge, schließlich wollen die Urheber ja auch die Knete sehen. Fragt man sich nur, warum man hier seit Jahren unentgeltlich schreibt. Ach nein, wir sind ja Parasiten: Leben von frei zugänglichen Zeitungsartikeln und streuen noch ein paar Link- und Tooltipps darunter. Steckt eigentlich nicht viel dahinter, oder?
Spaß beiseite, neben all der Ironie steckt da die Wahrheit dahinter, dass wir immer das Segment beackert haben, beackern konnten, das frei im Netz verfügbar ist. Wenn Zeitungen wegfielen, wurden ganze Regionen nicht mehr bedacht. Oder andere Regionen waren nie im Blickfeld von Netbib, da die Presse hier nur kostenpflichtig online zu lesen war. Jedenfalls: Das Hamburger Abendblatt berichtete immer breit von Bibliotheken. Es gehört zum Springer-Konzern. Und ist ab jetzt Bezahlcontent, wie Stefan Niggemeier berichtet.
Nett ist dann noch die Glosse, die Niggemeier nachschiebt, über Haltung und Argumentation der Springer-Leitung. Und dass das nett sei, dass hier so moralisch argumentiert wird, wo doch in Privatsendern – an denen Springer auch beteiligt ist – andauernd kostenlos Musik gespielt wird. Merke: Wenn Moral hier ausgeschüttet wird, muss sie auch dort gelten.
Na ja, jedenfalls bekommen Sie hier in nächster Zeit wohl wenig über Hamburg und Umgebung zu lesen …

Nachtrag: Ich ging gerade mal über das Netz meiner Uni ins Netz – da waren die Inhalte des Abendblattes nutzbar. Schaltet man den VPN-Client aus, kommen die Euro-Zeichen …

8 Kommentare

  1. Man kann auch einfach die Artikel, die einen interessieren, über Google suchen => dann sind sie kostenlos zu lesen. Also irgendwie ist die Sache nicht ganz durchdacht…

  2. Allein schon die Verwendung des Wortes „Freibiermentalität“ durch M.Iken zeigt, wie wenig tragfähig diese ganze Argumentation für die Einführung von Online-Abos für bisher angeblich „kostenlose“ Zeitungs- oder Zeitschrifteninhalte ist.

    1. Eine „Freibiermentalität“ kann sich nur entwickeln, wenn es Freibier gibt.
    Freibier bedeutet nach allgemeiner Erfahrung NICHT, dass nicht jemand dieses Bier bezahlt. Es ist also mitnichten „kostenlos“, sondern irgendjemand „spendiert“ dieses Freibier für Andere, in dem er die „Kosten“ übernimmt.
    Das regelmäßige Spendieren von Freibier durch den gleichen Spender führt sicherlich zu einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber dem Spender, andererseits auch zu einer gewissen Abhängigkeit und Verpflichtungsgefühl aus Dankbarkeit 😉
    Wenn also in einer Runde immer der Gleiche „Freibier“ spendiert, kann man erwarten, dass er weiß was er tut, oder er ist ein Depp.
    Niemals haben Leser eine Zeitung „gezwungen“ Ihre Inhalte „kostenlos“ anzubieten. Wenn es überhaupt einen Zwang gegeben hat, dann sind es die Zwänge eines Markts und die „Regulierungskraft“ eben dieses Marktes. Marktwirtschaft bedeutet aber auch NICHT, dass einmal erarbeitete „Pfründe“ auf ewig garantiert werden und das es nur Gewinner im Wettbewerb gibt. Wenn nun eine Zeitung meint, dass Sie nur überleben kann, wenn Sie zusätzlich Geld durch Abonnements einnimmt, dann ist das Ihr gutes Recht. Der Markt wird entscheiden, ob das Modell funktioniert. Heuchlerisch ist aber der unterschwellige moralisches Vorwurf an den Leser, eine Art „Schmarotzer“ zu sein.

    2. NICHTS und NIRGENDS ist etwas kostenlos. Zumindest in der Welt der Menschen 😉
    Auch das Internet war und ist noch NIE kostenlos gewesen. Und auch Zeitungen hat noch nie jemand OHNE Kosten produziert. Die Frage war und ist immer, wer über welche Wege die Kosten trägt.
    Letztendlich zahlt natürlich IMMER der Bürger, entweder als Konsument oder als Steuerzahler.
    In der derzeitigen Diskussion geht es vonseiten der Zeitungsverlage und einigen Journalisten, die deren Interessen vertreten (müssen?) auch ganz klar um den Kampf um IHREN bisherigen Anteil am großen Kuchen der Werbeeinnahmen.
    Und es wäre eben die Voraussetzung für einen glaubwürdigen Qualitätsjournalismus, genau diese Eigeninteressen transparent zu „kommunizieren“. Die Bereitschaft des Bürgers, die sogenannte „4.Gewalt“ zu finanzieren, hängt halt auch davon ab, welche Vorteile im diese Finanzierung bringt. Die sogenannte „4.Gewalt“ hat Ihre Daseinsberechtigung immer auch mit der Notwendigkeit einer „kritischer öffentlicher Kontrolle“ der „Mächtigen“ begründet. Und ist es vielleicht inzwischen nicht so,
    dass vor allem im Bereich der Wirtschaft diese Kontrolle entweder mangelnds Kompetenz nicht möglich, oder durch die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Werbungseinnahmen diese Kontrolle schlicht strukturell nicht erwünscht ist?
    Wenn es denn so wäre, warum sollte der Bürger dann dafür bezahlen?
    Mein Eindruck ist, dass diesbezüglichen Aktionen von Frankreichs Präsident und Sprüche von Herrn Naumann nur Eines zeigen: Die „Wirtschaft“ braucht die Zeitung als Werbefläche nicht notwendigerweise und die Kontrolle über Ihr eigenes Gebaren hat Sie gerne selber in der Hand. (PR).
    Und die Politikergeneration, die derzeit an der Macht ist, sieht in der Beibehaltung und Beherrschung des derzeitigen Status quo des Verhältnisses Politik – Presse einfach MEHR Vorteile als in der risikoreichen Auseinandersetzung mit einer geänderten Öffentlichkeit, deren Grundlagen Sie nicht versteht.

  3. doch, gilt laut bericht sogar als „feature“:
    http://www.dwdl.de/story/23950/springers_neue_bezahlschranken_haben_eine_hintertr/

    „Wie ein Springer-Sprecher gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de bestätigte, ist der Zugriff auf einzelne Artikel der Angebote über Suchmaschinen wie zum Beispiel Google ohne jede Barriere möglich. Erst sobald sich der Nutzer innerhalb des Angebots bewegt oder wenn er es direkt ansteuert, greift die Schranke.“

    Kommerzielle Medien müssen nun wirklich nicht frei für alle sein, aber das ist schon ein bisschen albern. haben sie wohl doch Angst, dass sonst gar keiner mehr ihr Blatt liest.

  4. über das iphone kommt man auch ganz normal an die Inhalte, auch über die Adresse http://mobil.abendblatt.de kann man die Inhalte ohne Eurozeichen aufrufen

  5. achja, wenn man auf „mobil“ ein paar mal „STRG +“ drückt ist das „Lesevergnügen“ fast besser als auf der Originalseite 🙂

  6. Die Sperre seitens Springer ist sehr einfach zu umgehen: Wenn Sie den Firefox zum Surfen benutzen dann installieren Sie sich das Add-On „RefControl”. Hier können Sie den Referrer des Browsers händisch manipulieren. Dann müssen Sie für die Seite des Abenblatts nur noch „http://www.google.de/“ als Referrer definieren und schon bekommt man kostenlosen Zugriff auf alle Artikel. Weil das Abendblatt denkt Sie kommen über die Google-Suche.

    Des Weiteren gibt es noch das Add-On „User Agent Switcher“. Hier können Sie einer Seite vorgaukeln Sie wären der GoogleBot. Das ist oftmals sehr hilfreich 😉

  7. Hier ist ein ganz guter Artikel dazu: http://killefit.net/blog/2009/12/19/so-stirbt-das-abendblatt. Dem ein oder anderen, der ohnehin schon den User Agent Switcher für Firefox (https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/59) nutzt, könnte es glatt entgehen, dass das Abendblatt online nun eigentlich kostenpflichtig ist. Das aber auch kein Verantwortlicher mal selber Google genutzt hat und nach „googlebot ip“ gesucht hat…

    Ich bin mal gespannt wie das „Experiment“ verläuft…

  8. Google macht die Schotten dicht! Auch über die Google-Suche wird die kostenlose Nutzung künftig nicht mehr im bekannten Umfang möglich sein. Nach fünf Klicks ist Schluss: http://www.basicthinking.de/blog/2009/12/02/paid-content-google-macht-nach-dem-fuenften-klick-die-schotten-dicht/

    Wer das ganze dennoch gerne umgehen möchte, dem hilft möglicherweise der Beitrag von Spiegel-Online ( http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,665613,00.html#ref=rss ), wie man sich am besten und mit wenigen Schritten vor der Google-Datenspeicherung schützt…