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Leseförderung in der Schule wichtig – Schulbibliotheken eher nicht so

Aus Anlass des morgigen Tages des Kinderbuches hat der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion schon heute einige Worte verlautbaren lassen. Wolfgang Börnsen betont, wie wichtig das Lesen generell für Kinder und Jugendliche sei, ja, dass man als Regierung ja auch ganz, ganz viel für Förderung tue.

Ach ja, die Schulen, die sind auch sehr wichtig:

Auch die Kindergärten und Schulen haben einen besonderen Auftrag, denn über 40% der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland lesen nicht aus Vergnügen. Hier bedarf es des weiteren Ausbaus der Kooperation mit Bibliotheken und der Stiftung „Lesen“ als nationaler Leseförderungseinrichtung.

Schulbibliotheken kommen natürlich nicht vor, schon klar, die Politik fördert auch lieber die Stiftung Lesen und nimmt die Eltern in die Pflicht als Geld für Schulbibliotheken aufzulegen. Du glückliches Finnland, du glückliches Schweden…

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Ein Kommentar

  1. Dies ist eine Sprachregelung, an der die Strategen des Deutschen Bibliotheksverbandes dbv nicht ganz unschuldig sind: „Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule“ heißt deren Devise, nicht etwa „…von Bibliothek und Schulbibliothek“. 12 Bundesländer fahren schon darauf ab: http://www.bibliotheksverband.de/dbv/vereinbarungen-und-vertraege/bibliothekschule-kooperationsvereinbarungen.html

    In den Kooperationsverträgen des dbv mit diesen Landesregierungen kommen Schulbibliotheken nicht oder nicht wesentlich vor. In den Bibliotheksgesetzen sieht es nicht anders aus.Im Musterentwurf des dbv standen sie gar nicht drin. In Thüringen und jetzt in Hessen hat die CDU sie eingefügt. In Hessen allerdings so, dass man sich wünscht, sie hätten es nicht getan. In Brandenburg gibt es eine Prokollnotiz zwischen Landesfachstelle und Bildungsministerium, nicht mehr in Schulbibliotheken zu investieren. Sie ist glücklicherweise nicht sehr bekannt. In NRW hat ein dbv-Vertreter Kommunalpolitikern auf einer Tagung empfohlen, dort keine Schulbibliotheken zu bauen, wo es Stadtbibliotheken gäbe.

    Politik und Bildungsverwaltung greifen diese Steilvorlage dankbar auf: Ministerpräsident Platzeck empfahl Schülern in die Stadtbibliothek zu gehen, als er nach Schulbibliotheken in seinem Land gefragt wurde.In Hessen verweist ein Kultusbeamter vor 400 stirnrunzelnden Teilnehmern des 19. Schulbibliothekstages nicht etwa auf Entwicklungschancen für das Schulbibliothekswesen, sondern auf den Kooperationsvertrag über die „Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule“.

    Während anderswo in der Welt über Schulbibliotheken im 21. Jahrhundert nachgedacht wird, werden in Deutschland harmlose Verträge zwischen staatlichen Schulen und kommunalen Bibliotheken über Bibliotheksführungen, -rallyes oder Blockausleihe von der Rechtsabteilung des Rathauses geblockt, weil ihre Kommune nicht für das Schulwesen zuständig sei.
    Da war Johann Bernhard Basedow 1764 weiter.