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Bibliothekarische Fachkommunikation

Es gibt im Moment auf Infobib eine heftige Diskussion um das Thema „bibliothekarische Fachkommunikation„. Ich hatte auf dem BibCamp eine Session mit diesem Thema besucht und dort die Meinung vertreten, dass wir die „offline-KollegInnen“ – von denen es eine ganz Menge gibt – wahrscheinlich besser mit irgend etwas Gedrucktem erreichen. Wenn ich z.B. den ZKBW-Dialog ausdrucke und in den Umlauf gebe, kommen durchaus Reaktionen 😉

Heinz Pampel brachte in dem Zusammenhang das Thema Liquid Journal zur Sprache. Das System sieht ziemlich spannend aus, hat allerdings auch einen entscheidenden Nachteil: jemand muss sich darum kümmern…

The liquid journals provide “interesting” content, in the form of “scientific contributions” that are “related” to a certain paper, topic, or area, and that are posted (on their web site, repositories, traditional journals) by “inspiring” researchers. As such, the liquid journal separates the notion of “publishing” (which can be achieved by just posting content on the Web) from the appearance of contributions into the journals, which are essentially collections of content.

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

13 Kommentare

  1. Man könnte ja vielleicht auch einmal über das ach so ärgerliche „virale Marketing“ nachdenken? Man müsste dann allerdings den Gedanken zulassen, dass nicht alles was die Wirtschaft macht pfui Teufel ist. 🙂
    Jede gute Sache braucht eine gute Werbung – und wem das zu profan erscheint, der sollte zur Kenntnis nehmen, dass Frank Wedekind der erste Werbetexter von Maggi war, um nur ein Beispiel zu nennen. Tue Gutes und rede darüber… Ilona Munique könnte eine Fortbildung dazu anbieten?

  2. möglicherweise findet man auch Hinweise in diesem Buch: http://paperc.de/5950-marketing-9783428109302

  3. Der Zusammenhang zwischen viralem Marketing und funktionierender Fachkommunikation erschließt sich mir gerade nicht.

    Und zur Wirtschaft: Normalerweise wird im Bibliothekswesen doch als Allheilmittel erklärt, was aus der Wirtschaft kommt. Daher haben viele Bibliotheken doch nur noch Kunden vor sich, die bekommen, was sie bezahlen. ;o)

  4. „…Der Zusammenhang zwischen viralem Marketing und funktionierender Fachkommunikation erschließt sich mir gerade nicht…“
    Er drängt sich mir geradezu auf. Ich gehe davon aus, dass zumindest die ÖBs ihre Informationen hauptsächlich von den Fachstellen beziehen. Eine möglicherweise etwas einseitige Form der „Fachkommunikation“. Fachstellen wären innerhalb der Gedankenwelt des viralen Marketing Kommunikatoren. Wenn eine Idee / ein Produkt keine Kommunikatoren hat, dann muss sie / es einen längeren Marsch durch die Institutionen gehen.

  5. „Ah, jetzt, ja!“ (Michael Ende)

    Jetzt habe ich verstanden. Dass sich viele nur beschallen lassen, ist mit Sicherheit eine Hauptursache für schlechte oder nicht stattfindende Fachkommunikation. Diejenigen, die die Position der Berieselten gefällt, kann man IMHO kaum bekehren. Das meine ich damit, wenn ich schreibe, dass ich hartnäckigen Verweigerern nicht alles nachtragen möchte.

    Die Idee, über Fachstellen für erhöhte Aufmerksamkeit zumindest im ÖB-Bereich zu sorgen ist tatsächlich sehr charmant. Das gefällt mir.

    Nur müssten die Fachstellen sich dazu erst einmal bewusst sein, was sie denn viral verbreiten können. Und sie müssen damit einverstanden sein, dass sie Gefahr laufen, ein Informationsmonopol zu verlieren. Im Gegenzug haben sie die Chance, mit mündigeren Bibliothekswesen zu kommunizieren.

    1. Lesen hier gerade FachstellenmitarbeiterInnen mit?
    2. Damit ist leider immer noch nicht geklärt, wie die „offizielle“ Fachkommunikation in Zukunft laufen könnte. In den Infobib-Kommentaren wurden schon ziemlich viele Vorschläge gesammelt. Eine Tendenz erkenne ich aber noch nicht.

  6. Was ist denn offizielle Fachkommunikation? Muss da nicht die Frage vorgeschaltet werden: wer ist die Zielgruppe? ÖBs? WBs? Kleine? Große? Hierarchische? Welche Hierarchieebene? Katalogisierer? Bestandspfleger? Kinderbuch? Jugendbuch? Sachbuch? Und ist dann nicht das Ergebnis, dass es eine offizielle Fachkommunikation garnicht gibt / geben kann?

    “Ah, jetzt, ja!” (Michael Ende) darauf lautet die korrekte schwäbische Erwiderung: „Sodele! Jetzetle!“

  7. Ich meine mit „Fachkommunikation“ meistens die schriftliche Kommunikation über Projekte, Produkte, Ideen. Also Blogs, Zeitschriften, Mailinglisten, etc. Also die Kommunikation auch zwischen Kollegen unterschiedlicher Bibliotheken. Die natürlich je nach Sparte (Katalogisierung oder IT) nicht am selben Ort stattfinden muss. Aber wenn die ein gemeinsames, halbwegs zeitgemäßes Dach bekäme, fänd ich das schon sehr erfreulich.

  8. Schön fände ich es auch und es ist schon ein bisschen verblüffend, dass eine so verhältnismäßig kleine Berufsgruppe das nicht hinbekommt.
    Ich überlege mir manchmal, dass es daran liegen könnte, dass es keine Verpflichtung zur Weiterbildung gibt. Ein Kuriosum, das ich von keinem anderen Dienstleistungsberuf kenne. Man stelle sich einen Steuerberater vor, der sich nicht über die Entwicklungen unterrichtet. Der Haftpflichtfall wäre vorprogrammiert, die Kosten laufen aus dem Ruder und die Mandanten davon…

  9. Lambert Heller hat die Diskussion übersichtlich zusammengefasst. Sieht für mich auf den ersten Blick schlüssig und nach einem guten Konzept aus.

  10. „… keine Verpflichtung zur Weiterbildung“, eine Aussage über die ich schmunzeln musste. Man kommt sogar damit durch, wenn man sich offen weigert, bestimmte Dinge zur Kenntnis zu nehmen. Im September 2008 wird in einem Blog – http://blog.goethe.de/librarian/archives/50-Flagge-zeigen-eine-Frage-der-politischen-Haltung.html – eine Frage gestellt. Sie ist aus hier nicht darstellbaren Gründen immer noch relevant. Und immer noch nicht beantwortet. Vgl. dagegen: Hi, Petra, bin in NY. Hi, Jutta, schön. http://blog.goethe.de/librarian/archives/64-We-need-your-support!-Fundraising-made-in-USA.html#comments Die in dem einen Kommentar angesprochene Veranstaltungsreihe des Diakonischen Werks (migrationspolitisch ein Markstein in HH) wird in gewisser Weise jetzt mit einer wichtigen öffentlichen Vorlesungsreihe an der HAW fortgesetzt. Am HIS gibt es eine über irreguläre Migration. Man zeigt das über die BIB Mailingliste an, in der Hoffnung, es möge doch irgend jemand die kostenlose Möglichkeit der Weiterbildung nutzen. Vergebliche Liebesmüh. Ich teile die Haltung von CH: Wer nicht will, der/die hat schon. Gegen Erkenntnisverweigerung hilft keine gedruckte oder digitale Fachkommunikation.

  11. Pingback: Fachkommunikation im Bibliothekswesen « Lesewolke's Blog

  12. Am 18.5. gab es eine Online-Konferenz zu dem Thema Social Web im Kulturmanagement-Network. Christian Henner-Fehr hat darin einen Consumer Profile Tool vorgestell. Vieles scheint bei den Zielgruppen eine Altersfrage zu sein. Daher wäre es interessant, eine Altersstruktur der Beschäftiten in Bibliotheken zu ermitteln.
    Die Konferenz findet man unter http://bit.ly/c4QEvt – ab ca. 15 min. wird das Thema angesprochen.
    Tool: http://www.forrester.com/groundswell/profile_tool.htm

  13. „…vieles scheint bei den Zielgruppen eine Altersfrage zu sein…“ ist sicher richtig, wie so vieles was man in der Disziplin „Marketing“ in jedem BWL-Fachbereich weltweit erforscht. Eine Diskussion zu diesem Thema macht in meinen Augen erst dann Sinn, wenn man sich mit den Grundlagen der Kommunikation auch unter Marketinggesichtspunkten vertraut gemacht hat. Aber man kann natürlich auch versuchen, das Rad neu zu erfinden…