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vascoda: Außer Spesen doch was gewesen

Das ankündigte Ende von vascoda erntet hier bei netbib und in vielen Kaffeepausen auf einschlägigen bibliothekarischen Zusammenkünften immer gern negative und mitunter sehr hämische Kommentare. Natürlich ist der Ärger darüber berechtigt, dass das viele Geld, das in die Förderung von vascoda geflossen ist, nicht zu einem nützlichen und nachhaltigen Produkt geführt hat.  Interessanter als Ärger und Häme wäre ein ehrlicher Bericht darüber, warum vascoda gescheitert ist. Aber da Scheitern in Drittmittelprojekten ja offiziell tabu ist, braucht man darauf wohl nicht zu warten.

Grund genug also, einmal zu schauen, ob vascoda trotz des Scheiterns am großen Ziel Fachportal nicht doch was gebracht hat. Dazu fünf Thesen:

  1. Ohne vascoda und die ebenfalls gern geschmähten ViFas wäre es Bibliotheken nicht möglich gewesen, sich innerhalb relativ kurzer Zeit personell zu verjüngen.
  2. Die für vascoda und die ViFas eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wertvolles Wissen über die Gestaltung von Internetdiensten, die Nutzung von neuen Technologien (Suchmaschinen!), Methoden der Benutzerforschung, Digital Rights Management,  die Normierung von Metadaten, den Bedarf an konsistenter Erschließung und das Marketing u.v.a.m.  mitgebracht.
  3. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Regel nicht bibliothekarisch sozialisiert waren, haben den Bibliothekswesen einen Spiegel vorgehalten und das Nachdenken über die Außenwahrnehmung unserer Dienste angeregt.
  4. Der aktuelle Trend zur Weiternutzung von Metadaten aus einschlägigen Katalogen und Datenbanken innerhalb von neuen Suchportalen (zum Beispiel den vielen „Katalog 2.0-Projekten“ )  kann auf wertvolle Erfahrungen des vascoda-Teams zurückgreifen, das dieses Know-How auf dem kleinen Dienstweg gern teilt.
  5. Auf Grundlage der  bei vascoda und den ViFas gemachten negativen Erfahrungen ist die Dringlichkeit neuer Lizenzmodelle für bibiografische Daten und entsprechender Dienste  schon sehr früh deutlich geworden und bildet so eine zusätzliche Argumentationshilfe für die aktuellen Initiativen im Bereich Linked Open Data.

15 Kommentare

  1. Vascoda war eine einzige Steuergeldverschwendung. Dass es einen gewissen Kollateralnutzen gab, mag sein. Das ändert aber nichts daran, dass man die Vergeudung öffentlicher Gelder vielleicht auch strafrechtlich ahnden sollte.

  2. Pingback: Bibliothekarisch.de » Blog Archive » links for 2010-05-24

  3. Vascoda ist ein gescheitertes Projekt. Aber wenn man Scheitern nicht zulässt, ist überhaupt keine Innovation möglich. Aus Vascoda kann man eine ganze Menge lernen. Man hätte es schon früher abbrechen können, klar. Aber selbst das ist eine Lektion, die man daraus ziehen könnte. Wenn die Förderer denn gewillt sind, zu lernen.

  4. Also, es geht mir nicht um Kollegen-Bashing. Ich teile aber die Sicht von Christian, dass Lernen möglich sein sollte. Aber ist das möglich, für die Beteiligten, für die Geldgeber und für die Träger? – Auf Bibliothekartagen und anderen Tagungen werden Projekte und Ansätze vorgestellt, glänzend wie aus einem Prospekt, und ein paar Jahre später soll man nichts mehr davon wissen Wo nicht offen drüber gesprochen werden kann, wo nicht aufgearbeitet wird, dort kommt dann die beschriebene Häme auf. Aber das betrifft doch nicht nur Vascoda, sondern viele, viele andere Projekte.
    Natürlich ist das schwierig: Zum einen braucht es die Antrags-Prosa, um überhaupt von den Trägern die Mittel für das Projekt bewilligt zu bekommen, zum anderen bräuchte es zum Lernen so etwas wie Offenheit und Transparenz. Beides widerspricht sich offenbar. Notwendigkeiten, Loyalitäten, Hierarchien wirken dem Lernen entgegen. Wenn man mit der strafrechtlichen Keule winkt, dann sowieso, dies zum Kommentar hier zwei drüber. – Es müßten doch Mittel und Wege gefunden werden – Beirat, Expertenumfrage, allgemeinere Umfrage -, die Rückmeldungen von Experten und Nutzern wieder in die Projektkonzeption rückbinden.

  5. Es ist doch nicht so, dass das Problem Vascoda neu ist. Schon vor Jahren habe ich über Vascoda abgelästert – es hat sich nichts getan. Man sollte doch nicht so tun, als gäbe es keine Möglichkeiten, aus Feedback rechtzeitig zu lernen. Wenn man aber beratungsresistent ist, sollte man ruhig mit dem Staatsanwalt konfrontiert werden, finde ich. Und da die Mitarbeiter von Vascoda für mich keine Kollegen sind, habe ich nichts dagegen, wenn man da Bashing betreibt, wo es angebracht ist. Allzu oft hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus.

    Natürlich müssen sich auch die Geldgeber fragen lassen, wieso ernsthafte Kritik zu keiner nennenswerten Kursänderung führte. Das ist eine Bunkermentalität von Geldgebern und Projekten, die mich nur anwidert.

  6. Zu den Anmerkungen von jplie:

    Neben Offenheit und Transparenz braucht es auch Vertrauen und Toleranz. Und mehr Sachlichkeit in der öffentlichen Diskussion. Wenn das nicht möglich ist, dann verlagert sich die Diskussion in Zirkeln, in denen dieses Vertrauen existiert, weil man sich kennt. In den es eine Selbstverständlichkeit ist, Kollegen auch bei offensichtlichen Fehlern NICHT bloßzustellen. Ignoriert man diese doch allzu menschlichen Bedürfnisse, dann folgen solche am eigentlichen Problem vorbeigehende Ideen wie „Jakob“ in Kommentar 60 [zum Beitrag „Fachkommunikation“ in infobib, ergänzt J.P.] meint:
    „Die Frage ist, wie wir unsere Kollegen dazu bringen können, mehr miteinander öffentlich zu reden und dazu Kommentarfunktionen, Twitter, Mailinglisten etc. zu benutzen. Ich denke so was lässt sich nur vor Ort mit Schulungen und Übungen machen.“
    Das ist eben NICHT die Lösung. Es geht nicht um die Technik. Es geht um die Motivation, diese „Bibliothekarische Fachkommunikation“ führen zu WOLLEN. Dazu muss eine solche Diskussion SPASS machen und die notwendige Kritik konstruktiv erfolgen.
    Was soll ich denn mit solch einer Einstellung von „optimisc“ anfangen? Zitat (Kommentar 59 bei infobib: „
    Ich glaube, dass nur so wenige Personen es aushalten können, ihre Meinung zu veröffentlichen. Aushalten? Ja, Gegenmeinungen, öffentliches Bloßstellen, Angst vor nicht-Perfektion und in die Perfektionslücke greifende Kritik muss man aushalten können.“

    Ach so? Warum eigentlich? Warum soll ich meine Zeit damit verschwenden, öffentlich bloßgestellt zu werden? Wer befriedigt hier den welche Bedürfnisse? Nur weil einige in Ihrem Leben oder Berufsleben nicht die nötige Bestätigung und Aufmerksamkeit bekommen, soll ich als Watschenmann zur Verfügung stehen?
    Ein Beispiel:
    Da findet eine interessante Diskussion auf „Bibliothekarisch.de“ zum Thema „Benutzerarbeitsplätze“ statt. Da bemühen sich einige Kolleginnen und Kollegen ein heikles Thema anzugehen, und was kommt dabei raus?
    Ich zitiere Frau Dörte Böhner: „Ich habe lange überlegt, ob ich die Kommentare von Herrn Dr. Graf wirklich freischalten sollte und habe dies im Interesse einer Diskussion dann getan. Doch was mich sehr gestört hat, ist die Tatsache, dass Herr Dr. Graf in seinen Beiträgen wieder extrem persönlich geworden ist, d.h. begonnen hat, Autoren und Kommentatoren negativ zu belegen. Selbstsüchtig, kurzsichtig, dümmlich… So etwas verhindert eine Diskussion.“
    Genau so ist es.
    Ach ja: Herr Graf, Sie brauchen wirklich nicht Ihren Senf zu diesen Beitrag beizusteuern:
    Sie sind unfehlbar, Sie machen nie Fehler. Persönlich empfindlich? Sie, nie! Wenn überhaupt jemand vollkommen unschuldig ist, dann Sie.
    Aber manchmal muss ich richtig über Sie lachen. Diese Antwort z.B.:

    „Wer nicht damit leben kann, dass ich POSITIONEN (nicht Autoren) negativ belege, hat jedes Recht verwirkt, Kommentare von mir wiedergeben zu dürfen. Daher ersuche ich darum, meinen Kommentar wieder zu entfernen. Danke.“

    Das klingt überhaupt nicht eingeschnappt. So souverän. Ich danke auch.

  7. Besonders schön ist es, wenn Kritik ad personam von anonymen Ratten geübt wird. Ich stehe für meine Kritik mit meinem Namen ein (und beziehe dafür auch oft genug Prügel, was nichts über ihre Berechtigung sagt).

  8. @Herr Graf Ach ja, ach ja. Reine Notwehr, würde ich sagen.

  9. Notwehr? Die größte Bedrohung für das Bibliothekswesen bin ich nicht, sondern sind Strukturen, die solche Murks-Projekte entstehen lassen und lange am Leben erhalten. Und wer Kritik nicht vertragen kann, sollte nach China ziehen, Herr Plieninger. Die Kumpanei von Ihnen und Ihresgleichen ermöglicht diese Praktiken.

  10. Hey: Damit sind die Fronten ja wieder abgesteckt. „Geh doch ‚rüber!“

  11. Off topic, aber vielleicht für den einen oder anderen ganz interessant:
    Heute im praxisbegleitenden Unterricht habe ich versucht, Praktikanten und Auszubildenden ein paar Beispiele für bibliothekarische Mailinglisten, Weblogs, Anwendungen von Twitter etc. nahezubringen. Netbib war ein Beispiel, und die aktuelle Diskussion um vascoda (vor allem in den Kommentaren, denn der Beitrag von Anne Christensen ist erfreulich sachlich und die Thesen sehr bedenkenswert) hat nicht gerade die eigentlich gewünschte Wirkung gehabt, von Sinn, Nutzen und Notwendigkeit der Lektüre eines bibliothekarischen Weblogs zu überzeugen. Und es ist nur verständlich, dass nicht jeder die Lust hat, sich aus dem Wust von Metadiskussion, reflexartigem Bashing und Befindlichtsprosa das herauszupicken, was dann vielleicht doch einen sachlichen Gehalt hat.

    Es ist natürlich ein performativer Widerspruch, dass ich jetzt selbst einen Beitrag zur Metadiskussion geliefert habe, daher ist dies bis auf weiteres auch gleich schon wieder der letzte dieser Art.

  12. @kg
    Jedem Bürger muss das Recht auf Anonymität garantiert werden, das unserer Verfassung innewohnt.
    Ein Zitat aus dem Parteiprogramm der Piratenpartei zur Bundestagswahl 2009.
    Dr.Klaus Graf Zitat 10.5.2010 auf Archivalia
    http://archiv.twoday.net/stories/6329997/
    „Mit 1,5 Prozent landesweit hat die von mir gewählte Piratenpartei keinen Blumentopf gewonnen (auch wenn es in einzelnen Orten auch bessere Ergebnisse gab: Aachen I 4,2 %). Aber ich empfehle einen Blick auch auf die anderen Punkte des Wahlprogramms, das zeigt, dass sich die Piratenpartei thematisch deutlich breiter aufgestellt hat als früher“.
    Mir persönlich würde es eigentlich reichen, wenn Sie das Parteiprogramm der von Ihnen gewählten Partei verstehen würden.
    Aber ganz offensichtlich haben Sie einen inzwischen bemitleidenswerten Status der Rachsucht erreicht. Vielleicht hilft ja:
    http://www.jolie.de/psychotest/sind-sie-suechtig-nach-aufmerksamkeit-484294.html
    Und ernsthaft, könnte bei einer Selbstdiagnose vielleicht dieser Wikipedia-Eintrag hilfreich sein?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Histrionische_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung

  13. Miese persönliche Angriffe fallen auf die anonymen Ratten zurück, die sie äußern.

  14. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (21. KW) « Lesewolke's Blog

  15. Wer anonymes Kommentieren nicht akzeptiert, muss damit leben, dass recht große Teile der Fachwelt nicht an Diskussionen teilnehmen kann. In etlichen Bibliotheken ist es nun einmal so, dass die Teilnahme an Diskussionen nicht gewünscht, geschweige denn gefördert wird. Dies zu ändern wäre toll, ist aber kurzfristig nicht in Sicht.

    Daher kann ich alle anonymen Diskussionsteilnehmer nur ermuntern: Bitte äußern Sie sich weiterhin, egal wie Sie sich nennen mögen.

    Dazu noch 2 Links:
    Anonym bloggen oder nicht
    Anonyme Kommentare

    Solange es sich um interessante Kommentare handelt, ist es mir egal ob sie von Prof. Dr. XY mit Nennung des Namens, der Adresse, der Schuhgröße und der Blutgruppe oder von „Arno Nym“ kommen. Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist.

    Persönliche Angriffe finde ich übrigens langweilig, egal ob sie anonym oder unter Nennung des eigenen Namens getätigt werden.