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Schwierigkeiten mit DRM

Die Schwierigkeiten mit Digital Rights Management, kurz: DRM, wurden hier ja schon öfter thematisiert, vor allem im Zusammenhang mit der Onleihe, die immer mehr um sich greift. Gleichwohl ist auch immer wieder Kritisches – gerade hinsichtlich der Einschränkungen durch DRM – zu hören, beispielsweise letzthin von der Fachstellenkonferenz in Dortmund. Jedenfalls: DRM. Hier gab es in den letzten Tagen zwei interessante Postings von herausragenden US-amerikanischen Kolleginnen und Kollegen. Die eine ist die „Librarian in Black„, Sarah Houghton-Jan, welche als Digital Futures Manager für die San José Public Library arbeitet. Sie ist technisch absolut versiert, hat letzt ein Buch über Technology Training in Libraries verfaßt – und schreibt: „I am a frustrated eBook (non) user„. Sie beschreibt ihre Schwierigkeiten und Niederlagen, die erforderlichen Schritte durchzuführen und fragt sich, was wohl ein Benutzer/eine Benutzerin in der selben Lage macht, die nicht so versiert wie sie sind. Sie stellt dann die Forderung auf:

It’s high time that a group of librarians banded together, really hard and really fast, and demanded from the publishers that they recognize our right to treat an eBook title like a print book title. We should be able to loan it out to as many users, one after another, as we want. Those users should be able to read any of our books, no matter their preferences for reading environments (in this case, devices). And those users should be able to print a page if they need to, or excerpt an audio clip for a report they’re giving. But of course not–most eBooks and eAudioBooks do not allow these meager things. They’re locked down and locked up.

eBooks sollten also nach dem Kauf durch die Bibliothek so frei zu behandeln sein wie die Papierexemplare und nicht gebunden sein an proprietäre Vorgaben.

Am Tag darauf schrieb David Lee King, auch so ein „Leuchtturm“ mit großer technischer Kompetenz, dass er ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie die Librarian in Black. Wenn man dann noch die Kommentare zu den beiden Weblog-Einträgen durchsieht, merkt man, dass das keine singuläre Erfahrung ist, sondern durchaus verbreitet. Ein Kollege hat sogar eine Grafik darüber erstellt, wie schnell man zu seinem Audiobuch kommt (nur 22 Schritte …).

Nun könnte man sagen, na ja, die beiden wollten die eBooks ja auch auf ihren Handhelds lesen. Aber darum geht es ja gerade: Es gibt so viele Geräte und Betriebssysteme, dass man die eBooks möglichst in Formaten anbieten sollte, die auf vieles, wenn nicht alles passen. Denn das ist ja die neue Medienwelt: Dass die Vielfalt an Systemen und Formaten bedient werden muss, undzwar am besten ohne viel Beratung, Aufwand und Frust.

Vielleicht – ich bitte um Entschuldigung, wenn ich das hier auch noch hineinpacke – liegt es aber daran, dass wir alle ganz infantil sind, wenn wir uns Medien wünschen, die möglichst barrierefrei sind, denn Fachleute sagen voraus – wenn man dies hier aus dem Blog zum Publishing-Business ernst nehmen mag -, dass 2020 das Netz sowieso „erwachsen“ sein wird, „der Browser verschwindet im trüben Ozean des Desinteresses“ und es gibt nur noch kostenpflichtige Apps mit hochwertigen Inhalten. Dass aus dieser (Verlags-/Geschäfts-)Sicht das alles etwas „Graswurzeliges“ hat, das möchte ich gern glauben! Aber vielleicht sollte man das „Graswurzelige“ übersetzen in: allgemein zugänglich. Und das sollten Bibliotheken ja sein: Agenten der allgemeinen Zugänglichmachung von Bildung! Und – um jetzt den Bogen zurück zum anfang zu schlagen – Sarah Houghton-Jan und David Lee King stellen ihre Forderungen ja nicht, weil es ihnen technisch so gefällt, sondern vor dem Hintergrund der Benutzerorientierung. Und deshalb fordern sie auch, dass die American Library Association (ALA) sich in Verhandlungen mit den Verlegern und Großhändlern darum kümmern möge, dass da eine Änderung geschieht.

Ein Kommentar

  1. Nach meinem Kenntnisstand gilt hier in D die übliche „strategische Allianz“, oder? Die Geister, die ich rief…