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In den Bücherhallen Hamburg ist Rassismus interkulturell

Im Jahre 2045 brennt die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ein weiteres Mal nieder. Der dann arabische Bürgermeister Weimars entscheidet sich dafür, diese nicht wieder aufzubauen – er hat andere Prioritäten. Dies ist der – satirische – Ausblick im Buch von Sarrazin. Wie immer ist das Schwierige an der Satire, dass sie von der Wirklichkeit (hier: den 300 Seiten vorher) nicht zu scheiden ist. Schwierigkeiten scheint auch eine Institution wie das deutsche Bibliothekswesen zu haben, wenn eine ihrer glänzendsten Einrichtungen von einem Herrn Sarrazin in einen evident verwirrten Zusammenhang gestellt wird und die einzige sichtbare Reaktion der Bibliotheken ist, immer weitere Buchexemplare zu erwerben. (In Hamburg: HÖB: 30 Exe.; HAW: 1 Ex.; HSU: div. Aufl. 11 Exe.; SUB: bald 2 Ex.) Durch die Bibliotheken weht und windet ein Winseln; ein jämmerlich geiles “Bitte, bitte, schlag mich!” kann gar nicht laut genug gekeucht werden. Ein sanftmütiger Mensch hat das deutsche Bibliothekswesen als verrottet bezeichnet. Tempi passati. Der Zustand der Verrottung ist in den des Kretinismus übergegangen. In Hamburg können wir den Wechsel des Aggregatzustandes zeitlich bestimmen: vor drei Wochen wurde in der Zentralbibliothek der Bücherhallen ein fünftes Staffelex. (soeben ein sechstes Staffelex.) von Sarrazin eingestellt. Diese haben die Signatur Efn 4#SARR#Interkulturell; sind mithin dem systematischen Standort entnommen und dem Interessenkreis [IK] ‘Interkulturell’ zugeordnet. Räumlich findet sich der [IK] jetzt auf der neuen dritten Ebene bei den Systemgruppen Sprachen und Pädagogig und umfasst 493 (wegen eines Erschließungsfehlers richtig: 495) Titel. In unmittelbarer Nähe findet sich jetzt auch der weitere [IK] ‚Sprachbildung‘, der 231 Titel umfasst (wegen eines Erschließungsfehlers richtig: 242). Mit Aufnahme in den [IK] erhält der Sarrazin als neue Schlagwörter: ‘Interkulturell’ und ‘Interkulturell [IK/SACH]’. HÖB ist damit eine (die einzige?) Bibliothek, die die importierten Schlagwortketten verändert. Durch eine Ergänzung. Aber eben nicht durch eine Entfernung eines Schlagwortes. Nämlich von ‘Überfremdung‘.

In den WB mag diese Entfernung schwierig zu bewerkstelligen zu sein, ist doch ein Verbunddatensatz zu ändern. Gibt es dazu Bestrebungen? Setzt sich hierfür Frau Beger, die Direktorin einer Bibliothek, die Carl von Ossietzky im Namen trägt, persönlich ein? Spricht in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky eigentlich irgend jemand aus, dass die Katalogisierung eines Titels mit einem Schlagwort ‚Überfremdung‘ in einer Bibliothek, wo die Werke von deren Namensgeber mit dem Ruf „Für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist!“ verbrannt wurden, obszön ist? Die fachliche Kompetenz zur Bewertung dieses Begriffs ist in der DFG-SSG für ‚Politikwissenschaft. Friedensforschung‘ nicht vorhanden? Da mag im konservativen Spektrum der Soziologie eine Verwendung nicht ausgeschlossen werden. Wichtiger erscheint aber die Diskreditierung durch den aktuellen und den historischen Verwendungszusammenhang im NS-Sprachgebrauch.

Kehren wir zu HÖB zurück. Der [IK] wird im Lektorat Sprachen (von Frau Meier-Ehlers, nunmehr Leiterin der Zentralbibliothek) betreut. Der Sprachbezug könnte ein Vorteil sein, etwa bei Kontakten mit Migrantenselbstorganisationen, die an die Sprache eines Herkunftslandes anknüpfen. (Die aktuelle Tendenz geht aber bei den Interessenverbänden in Richtung einer herkunftsübergreifenden Arbeit; dann wird Deutsch lingua franca. Weiterhin gibt es eine herkunftsübergreifende religiöse Reorientierung sicher bei den Aleviten, eine äußerst informative aber umstrittene Studie sieht diese Tendenz auch bei den „Postislamisten“.) Genau eine solche Zusammenarbeit mit Nutzergruppen (seien diese „deutsch“ oder migrantisch) gibt es bei HÖB nun aber überhaupt nicht. Schon gar nicht gibt es einen Bestand im [IK], der aus partizipatorischer Beratung gewachsen ist. Partizipation darf man auch nicht als Ursprung des [IK] annehmen. Vielmehr war dies die potemkinsche Schaufensterpolitik bei HÖB: was man in der Fläche an interkultureller Bibliotheksarbeit nicht hat (das hat schon seine Gründe, dass immer nur auf das eine Beispiel Wilhelmsburg verwiesen wird), kann man als [IK] wunderbar externen Besuchern präsentieren. (Entsprechend wurde ein ganzer Schwung faktischer Reiseführer eingearbeitet. HÖB wird so quantitativ immer interkultureller; das gibt Punkte, um bei Gelegenheit auf das Siegerpodium als Bibliothek des Jahres zu kommen.) Die Titel im [IK] entstammen den geschichts- und gesellschaftswissenschaftlichen und pädagogischen Sachgruppen, werden dort also entnommen, weil sie sich in besonderer Form Fragen der Interkulturalität widmen. Ich bin hinsichtlich dieser Form der Aufstellung etwas konservativer und ziehe die strikte systematische Form vor; aber es ist als Standardprinzip der Bestandspräsentation nicht zu kritisieren. Da kann man über die Auswahl streiten. HÖB hat den Titel von Brubaker, der nicht im [IK] steht, obwohl ein herausragender Beitrag zur Theorie der Interkulturalität und aus gutem Grund im Verlag des HIS erschienen, wo Fragen der Zugehörigkeit Forschungsschwerpunkt sind. (Brubaker und Wimmer, dessen Beiträge zu dem Anregendsten gehören, was ich seit vielen Jahren gelesen habe, lehren an der UCLA. Vorbildlich die Zugänglichkeit zu ihren Publikationen dort.) Auch wichtige Titel aus der Zeit vor Etablierung des [IK] werden nicht umgestellt, da seien nur die Essays von Sen und Maalouf genannt.

Nun, Anlass dieses Beitrags ist nicht Frage, wieso dieser oder jener Titel in den [IK] gehöre; konkret geht es um die Frage, wieso 1. der Sarrazin in den [IK] kommt und wieso 2. ein Schlagwort beibehalten wird.

Die erste Frage ist schnell beantwortet. Auf absehbare Zeit wird der Run auf das Buch nicht nachlassen; ein Dreher im Bestand dieses [IK] fördert auch dessen Buchumsatz. Vielleicht ließe sich hier das Gegenargument anführen, dass man Nutzern einen Weg zu den übrigen Titeln des [IK] weise, die somit ein Gegengewicht gegen den Sarrazinschen Rassismus bilden könnten. In der Tat möglich – wenn der Sarrazin Präsenzex. wäre, ggf. noch ergänzt um ein 2. Ex. der letzten 14. veränderten Aufl. Die Nutzer bekommen von einem [IK] nichts mit. Alle Vormerkungen, die auf lange Zeit nicht abgebaut sein werden, laufen nämlich über Ausleihtheken.

Für die zweite Frage betrachten wir noch einmal den Arbeitsschritt: ein Mitglied der dbv-Kommission Interkulturelle Bibliotheksarbeit nimmt den Titel zur Hand und ergänzt die Schlagwörter ‘Interkulturell’ und ‘Interkulturell [IK/SACH]’, ‚Überfremdung‘ bleibt erhalten. (Nicht erörtere ich hier, dass in den importierten Schlagwortketten eine Reihung Muslim-Misserfolg-Intelligenzstruktur ein Unding eigener Art ist.) Offensichtlich ohne Einschaltung des Gehirns erfolgt automatisch die Kopplung von ‘Interkulturell [IK/SACH]’ (dies ist schlicht durch den Standort bedingt) und ‘Interkulturell’. Allerdings ist ‘Interkulturell’ ein eigenständiges Schlagwort, das mit der Vergabe den Sarrazin weiht. Die Verbindung von Sarrazin und ‘Interkulturell’ ist allerdings so obszön wie die von Ossietzky und ‚Überfremdung‘. Von Interkulturalität findet sich bei Sarrazin nichts.

A. Als Auftragsarbeit der DVA sollte Sarrazin sich über die Sozialpolitik der Bundesrepublik äußern. Dass dies sein Ausgangspunkt ist, kann eine titelaufnehmende Bibliothekskraft, die für gewöhnlich die eingehenden Titel nicht ganz lesen kann, bei Auswertung der üblichen hierzu geeigneten Stellen auch sehen.

B. Weil alle sagen, dass im Sarrazin irgendwas über Ausländer steht, qualifizieren diese herrschenden Meinungen noch lange nicht zur Vergabe eines Schlagworts ‘Interkulturell’ (im Hamburger Verständnis: die Ausländer und Wir). Sarrazin konstruiert eine Gruppe Muslime, die es so nicht gibt. Innermuslimisch nicht wegen der Differenzierung nach den großen „konfessionellen“ Richtungen, nach Rechtsschulen, nach kultischen Praktiken, nach Dissidenz und Häresie. Es gibt auch nicht diese soziale Gruppe: jeder türkische Migrant wird so zum Muslim, aber selbst „die“ vermeintliche Gruppe „Muslime“ ist nach sozialer Lage und Werthaltungen gespalten.

C. Interkulturalität sucht das Denken in kulturelle Kompartimente zu überschreiten: beschreibend als tatsächlich vorfindbare Übernahme kultureller Muster aus Fremdgruppen; normativ als Zielsetzung der Überwindung von Gruppengrenzen. Sarrazin zieht dagegen eine Grenze, die nicht durch menschliches Tun veränderbar ist: Seine Gruppen sind – entgegen aller Kautelen aus der Vorbemerkung zur 14. Aufl. – genetisch bestimmt.

D. Die konstruierte Gruppe wird dann – nur – mit abwertenden Eigenschaften beschrieben.

E. Noch in dem Interview in Lettre International benutzte Sarrazin den Begriff ‚auswachsen‘, der sich nach meiner Erinnerung in dem Buch (Hinweise seiner Berater?) nicht mehr findet. Die von Sarrazin zustimmend zitierten Eugeniker des 19. Jahrhunderts haben den Begriff des Ausmerzens benutzt. Das 20. Jahrhundert kennzeichnet, dass Vorschläge zur Ausmerze von ganz überraschender Seite gemacht (Sarrazin zitiert die Myrdals; hierzu jetzt Etzemüller, ders. allg. zur Bevölkerungspolitik) und in bekannter Form in Deutschland realisiert wurden.

Jede oberflächliche Betrachtung müsste sofort zu dem Schluss kommen, dass das Schlagwort ‚Rassismus‘ einschlägig ist. Wieso ordnet dann ein Mitglied einer vormals als Expertengruppe bezeichneten dbv-Kommission diesen Titel in ‘Interkulturell [IK/SACH]’ ein und stört sich keinesfalls an ‚Überfremdung‘?

Weil diese Leute tatsächlich so denken.

In Hamburg gilt das Integrationsparadigma nach den Geboten von Fräulein Rottenmeier, multikulturelle Bibliothekare, die andernorts ihr Unwesen treiben, werden hier keinen Fuß in die Tür bekommen. Beide Richtungen – diese Aufzählung vernachlässigt natürlich die breite Gruppe von Bibliothekaren, die von gesellschaftlicher Heterogenität überhaupt noch nichts mitbekommen haben – teilen die Auffassung von statischen kulturellen Formationen. Ein passendes Bild dieses Verständnisses ist die barocke höfische Tanzgesellschaft: die Teilnehmer treten sich in festgelegten Schritten gegenüber, verstehe man die Tanzschritte des Gegenübers führe dies zum Verständnis der Gruppen, zum friedlichen Miteinander. Praktisch umgesetzt läuft die Verständnisbildung dann so: Der eine Tanzpartner tritt auf und erläutert wie der kenianische Negerpräsident der USA die Fed anweist, Staatsanleihen zu kaufen. Das ist typisch Negerwirtschaft: Geld zu bekommen, ohne zu arbeiten. Wir, die wir tüchtig (Sarrazin) und klug (Sarrazin) sind, verstehen das und haben nunmehr Verständnis für die Negerwirtschaft. Jetzt treten wir auf das Tanzparkett und erläutern unsere deutsche Wirtschaftsmoral, wo unsere Bundesbankvorstände noch während der Arbeitszeit an einem Buch arbeiten, um über das NegerMuslimproblem aufzuklären. (Multkulturalisten werden meine Zeichnung entschieden zurückweisen. Niemals würde sich der Neger einem höfischen Tanzzeremoniell unterwerfen. Denn der Neger hat Rhythmus im Blut.) Dass schon am Ausgangspunkt der Fragestellung ein grundlegender Fehler ist, kommt nicht in den Blick. Sowie man sich auf das Gruppendenken einlässt, versinkt man in dessen Untiefen. „Why both sides are wrong in the race debate“ lautet der Untertitel eines Buches von Malik, der in der britischen und internationalen Debatte wohl prägnantesten Stimme wider alle Gruppenzwänge. [In dem Schlagwörterpfuhl darf man gar nicht erst herumwühlen. Malik erhält als Schlagwörter: *Rassenbeziehung / Rassische Identität. Man mag das für eine Übersetzung halten. Hätte man dann nur Begriffe aus dem Bereich Ethnizität gewählt. Tragisch ist, dass man das Denken von Malik mit „there is no such thing as race“ zusammenfassen kann.] Interkulturelle Bibliothekare teilen insoweit mit Sarrazin das Denken, dass Gruppen als eine Formation zu beschreiben seien. Begleitet wird dieses Denken durch eine spezifische Politikunfähigkeit, die verhindert, dass man der eigenen Verbreitung der Sarrazinschen Gedanken selbst bei scharfer Ablehnung irgendetwas entgegen setzen kann.

Da ist einmal das Kuscheldenken. Wieso nur will Sarrazin nicht verstehen, dass Muslime doch eigentlich lieb sind? Hier fehlt jedes Verständnis, dass interkulturelle Bibliotheksarbeit nicht mehr sein kann als ein Beitrag, in der Einwanderungsgesellschaft zu erwartende Konflikte zivil zu regeln.

Dann gibt es die übliche Verlogenheit. Bibliotheken werden immer interkultureller – verspricht das Marketing. Was man tatsächlich denkt, zeigt sich bei Gelegenheit. „Die sehen aus wie … wie Migranten“, so die Direktorin der Bücherhallen bei der Geburtstagsfeier am 11.11.10 über die restaurierungsbedürftigen Balkenholfiguren. Man braucht sich aber gar nicht explizit äußern, um die Meinung kund zu tun. In 2010 drängeln sich eine Noch-dbv-Vorsitzende, eine ehemalige BID-Vorsitzende, der BIB, um die Bibliothek des Johanneums zu besuchen. In diesem Jahr zugleich das Zentrum der Aktivitäten, um die Schulreform des schwarz-grünen Senats zu kippen. Das ist die Erfahrungswelt von Migranten: keine Schlägertrupps verhindern das Betreten von Räumen. Die Türen sind ganz einfach in aller Freundlichkeit zu.

Interkulturelle Politikunfähigkeit ist drittens schlichte Unfähigkeit. Nicht einschätzbare Mediengeschenke von Migranten seien zurückzuweisen, so Meier-Ehlers in einem ansonsten bedenkenswerten Fachstellenvortrag. Eigentlich gehe ich in eine Bibliothek, um dort Hilfsmittel für die Einschätzung von Quellen zu finden.

Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, wieso auf den Seiten von www.interkulturellebibliothek.de jegliche Beschreibung des politischen Feldes im Bereich Migration fehlt. Wieso man dort nicht zu einer abgewogenen politischen Stellungnahme zu dem Sarrazinbuch fähig ist. Ausgerechnet dann, wenn Bibliotheken ihre Stärken ausspielen könnten. Nämlich durch Sachaufklärung zur Diskussion beizutragen. Vergleichsweise zügig ließe sich – insbesondere bei kooperativen Zugriffsmöglichkeiten – bibliographisch über die Quellen des Sarrazinschen Denkens aufklären. Für das Bildungskapitel stützt er sich auf The bell curve von Herrnstein und Murray. Die Argumente für und wider deren Thesen wurden breit gewälzt. (Deren Trias von race-class-intelligence bezieht sich auf die farbige amerikanische Bevölkerung. Ein Rätsel wieso das empirische Material hierfür auf deutsche Muslime übertragbar sein soll.) Das Muslimkapitel knüpft an Caldwell an. Ein Machwerk; ich habe mich nur gefragt, wieso ich mir eine solche Lektüre zumute. Mich würde auch interessieren, wie dieses Buch rezipiert wurde. Caldwell hat eine Reihe von Zwillingen, die Muslime und von diesen ausgehende Gefahren wahnhaft (Steyn, Sarrazzin zitiert diesen nicht) bis elegisch (Laqueur) charakterisieren.

Gegenwärtig werden wir den Wunsch nach sichtbarem aktiven Handeln von Bibliotheken im Himmelsreich zu erwarten haben. Auf Erden wird der Sarrazin in Bibliotheken erworben, im schlimmsten Falle gar interkulturell vermarktet und ohne Heben in Bibliotheken vorhandener anderer Schätze immer weiter entliehen. Ich weiß nicht, was unser alter Tarnmuslim Goethe zu der Vergewaltigung Anna Amalias durch die Sarrazinschen Sarrazenen gesagt hätte. Der alte Herr hatte auch von unberechenbaren Zinsen auf das in Bibliotheken eingesetzte Kapital gesprochen. Erstarrt wartet man heute in Bibliotheken darauf, dass die Rassisten auf das in den Sarrazin eingesetzte Kapital von den Opfern den Zinseszins einfordern werden.

4 Kommentare

  1. Nach über zwei Wochen gab es keinerlei Zuspruch oder Ablehnung zu Ihrem doch recht heftigen, aber berechtigten Attacken gegen die interkulturelle Bibliotheksarbeit in Hamburg? Vielleicht würde es mehr Wirkung erzielen, wenn Sie diese doch berechtigten Vorwürfe in bibliotheksfremden Print- und Onlinemedien veröffentlichen, quasi als „Wikileaks“ der Hamburger Bücherhallen. Vermutlich gibt es noch viele andere Bibliotheken, deren Bibliothekspolitik ähnlich pseudo-„interkulturell“ der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Schlagwortvergabe ist ein Skandal und sollte mehr publik gemacht werden, denn sonst wird sich wohl nie etwas ändern. Es dürfte dann hoffentlich zu mehr Transparenz kommen. Falls Sie dazu keine Zeit/Lust haben, werde ich mich in den nächsten Monaten an eine Zetung wenden, die zwar keine vier Buchstaben hat, aber trotzdem von Menschen gelesen wird. Haben Sie vielen Dank für diese Klarstellungen, welche die Verlogenheiten und Widersprüche zutagetreten ließen. Für Frantz Fanon zeigt sich der Rassismus in der Charakterisierung der Schwarzen. Auf diesen Fall bezogen zeigt sich der Rassismus in der Darstellung der Migranten in Form der Schlagworte und der interkulturellen Bibliotheksarbeit. Laut Fanon ist „eine Gesellschaft (…) entweder rassistisch oder nicht“ und da wäre wir schon bei uns selbst angelangt, denn egal wie diese „Sache“ ausgeht, unter Umständen werde ich mich darum kümmern, so Sie nichts Weitgreifenderes unternehmen sollten.

  2. Wie schaut es aus mit durch migrantische Bibliothekare angekauften Schwachsinn in deren Muttersprache ? ist das Thema irgendwo präsent ? aus wien kann ich eine menge Beispiele bringen zum Thema Türkische Bücher, die den Armeniergenozid leugenen und gegen Minderheiten hetzen…

  3. Ich finde diesen Artikel ebenfalls sehr interessant und aufschlussreich. Ich würde sehr begrüßen, wenn das Thema und der Beitrag mehr Resonanz fänden. Auch würde ich diesen Beitrag gerne in bibliothekarischen oder bibliotheksfremden Publikationen sehen, vielleicht regt dies die notwendige Diskussion an. Bitte schreiben Sie kurz ob und in welcher Zeitung man darüber lesen kann.

  4. Danke für den sehr erhellenden Beitrag, Herr Schaper. Ich stimme Herrn Wagner zu, dass solche Dinge wesentlich mehr öffentlicher Aufmerksamkeit bedürfen. Wäre ich nicht durch einen Bibliothekarsstudenten auf diesen Beitrag aufmerksam gemacht worden, hätte ich ihn als Naturwissenschaftler niemals zu Gesicht bekommen.
    Aus meiner Perspektive ist es auffällig, dass es in Deutschland einen akuten Bildungsnotstand in Sachen Alltagsrassismus und Diskriminierung zu geben scheint. Was eigentlich zur Allgemeinbildung gehören sollte, wird tabuisiert. So entwickelt sich keinerlei objektive Diskussionskultur, stattdessen bleibt es bei unsachlichen Sophismen (siehe Beitrag #2).
    Empfehlenswert finde ich als Einstieg in die Interkulturelle Thematik die Arbeiten von Herrn Dr. Auernheimer (http://www.georg-auernheimer.de/). Vielleicht sollte ich mal prüfen, wie viele Exemplare seiner Werke in der HÖB verfügbar sind…