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Gelangweilte Bibliothekare als Raubkopierer?

Bibliothekarisch.de macht auf einen Artikel in der WELT aufmerksam, der eine Studie zur Raubpiraterie von Büchern – speziell eBooks – vorstellt. Und da das Blog schon sehr gut den Artikel kommentierte, brauche ich das nicht mehr zu tun, möchte aber dennoch diese Passage des Artikels nochmals zitieren:

Internetspürhund Schaale, der das Netz nun schon seit Jahren scannt und den getarnten Plagiatoren vielleicht so nahe gekommen ist wie kaum ein anderer, hat sich sein eigenes Bild von den Verlagsfeinden da draußen im digitalen Nirwana gemacht: Es gebe die Vermutung, dass es sich um gelangweilte Bibliothekare in Uni-Bibliotheken handele, sagt er. Im besten Fall verfolgten diese das Ziel, der Welt freien Zugang zu Wissen zu vermitteln.

Falls Verlage tatsächlich dieses Bild haben, wundert mich gar nichts mehr…

2 Kommentare

  1. Warum stellt man sich in den Institutionen, den Verlagen, aber auch bei den Autoren nicht einmal grundlegend die Frage nach dem geistigen Eigentum und seiner Bedeutung, warum klebt man hier noch immer am „ICH-habe-das-gemacht“ wie eine Made am Speck. Diese ganzen dahinterliegenden Subjektvorstellungen, diese mehr als nur latente Genieästhetik, all das macht es uns doch nur unendlich viel schwerer. Warum bieten die Autoren und Verlage nicht einen Teil ihrer Literatur oder gleich alles frei kopierbar an? Mehr noch, warum schreiben Autoren noch immer abgeschlossene Werke? Warum keine Remixe wie in der Musik, warum keine offenen, weiterschreibbaren und zum aktiven Verändern einladenden Texte? Das würde sensibilisieren – für Literatur und Bücher an sich – und nicht für die nur allzu oft dahinter stehenden kommerziellen Interessen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin sehr wohl der Meinung, dass man die Leistung eines Autors, Musikers oder Wissenschaftlers schätzen sollte und noch mehr glaube ich, dass wir Bibliotheken brauchen und dass Buchhändler und Buchläden nicht nur eine wichtige, sondern auch eine schöne Sache sind (vor allem die, die sich nicht dem Druck der großen Ketten und ihres Preis- und Angebotsdiktats beugen). Aber warum versuchen wir nicht Kunst und Kultur mal anders zu denken, nein, besser, sie anders zu produzieren, zu vertreiben und zu rezipieren? Ich habe z.B. gerade einen kleinen Prosa-Band gelesen (online). Das Buch heißt „Formenverfuger / Formenverfüger“ und ist – in der gedruckten Version wie in der digitalen – mit einer Creative Comons Lizenz versehen, die das Kopieren nicht nur erlaubt, sondern – unter gewissen Bedingungen – sogar erwünscht.
    http://www.archive.org/details/FormenverfugerFormenverfger.StckeAusProsa
    Überdies gibt es in dem Buch einen Text, den der Autor nur begonnen hat, nach zwei Seiten aber abbricht und sich mit folgenden Worten an den Leser wendet: „Genug gelesen. Schreib’ den Text selber weiter, verändere ihn, bau ihn an anderer Stelle ein, nimm ihn auseinander und montiere ihn neu, zerstöre ihn und lass ihn lebendig werden…“
    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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