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Verlegerbande

In Die Berliner Erklärung der Verleger – ein Angriff auf die Demokratie beschreibt Thomas Knüwer das unsittliche Verhalten der

Branche mit der Moral Heizdecken verkaufender Kaffeefahrtenveranstalter

aka deutsche Verleger. Schon Mario Sixtus hatte sich letztes Jahr mit seinem viel beachteten Artikel die berechtigte Frage gestellt Verleger: geht’s noch?

Offensichtlich sind die meisten Verleger/Verlage nicht in der Lage, ihre veralteten Geschäftsmodelle an die technischen Veränderungen anzupassen und wollen nun gesetzlich garantierte Schutz für ihre „Leistungen“…

Wie Sixtus schreibt:

Ihr wollt eine Art Steuer kassieren für all die Arbeit, die es bereitet, Texte online zu publizieren. Das ist die Leistung, die geschützt und bezahlt werden soll. Nicht etwa die Texte selbst sind es, für die ihr honoriert werden wollt, sondern das Zusammentragen und online stellen. Richtig? Warum fordert ihr eigentlich nicht gleich eine staatlich garantierte Honorierung für euer tägliches Auf-dem-Stuhl-Sitzen?

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

6 Kommentare

  1. Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden! Und Demokratie ohne Freiheit ist Diktatur. Es wäre schön, wenn auch die Bibliothekare nicht immer nur von Demokratie reden, sondern diese auch leben und gegenteilige Meinungen wie hier der Verleger akzeptieren!

    Wir leben nicht im Kommunismus und auch nicht im Schlaraffenland solange es das weiterhin nicht gibt, kostet Literatur nun mal! Der Zwang auf Unternehmer alles kostenfrei anzubieten ist nicht mehr als Diktatur aber vielleicht ist das ja dann die bibliothekarische Demokratie…

  2. Die Unternehmer (Verlage) werden von niemanden gezwungen, ihre Qualitätserzeugnisse kostenlos bzw. überhaupt ins Internet zu stellen. Wenn sie es tun, sollten sie allerdings nicht danach schreien, dafür auch noch vom Steuerzahler, Suchmaschinenbetreiber usw. bezahlt zu werden sondern evtl das Geschäftsmodell überdenken..

  3. @Frank
    Die „Freiheit der Andersdenkenden“ bei einer Kritik auszupacken, zeugt nicht gerade von Souveränität. Außerdem heißt Freiheit der Andersdenkenden nicht Gutfinden der Andersdenkenden. Denn hier handelt es sich nur um eine gegenteilige Meinung, deren Akzeptanz hier gerade eingefordert wurde.

    Zum Thema:
    Der Hinweis mit dem Kommunismus ist übrigens besonders lustig. Ich bezeichne die oben kritisierten Verleger inzwischen gerne als Webkommunisten. Denn es geht ihnen ja um nichts anderes als die Verstaatlichung jeglichen unternehmerischen Risikos. Ein Haufen von Jammerlappen und Heulsusen ist das.

  4. @CH
    Ich bitte um Argumente statt Polemik! Kein Verleger fordert das unternehmerische Risiko zu verstaatlichen, sondern lediglich seine Rechte als Verleger und Unternehmer – nebenbei elementarer Grundsatz eines Rechtsstaats. Wahrung von Urheberrechten, sprich Wahrung der Geschäftsgrundlage nicht mehr und nciht weniger fordern die Verleger oder würden Sie einen Stromanbieter zwingen den Strom kostenfrei abtugeben, so als Dienst an der Gesellschaft oder weil er staatliche Subventionen bekommen hat und somit steuerfinanzierte Leistungen anbietet, die nach der einfachen Argumentation einiger Ihrer Kollegen dann auch kostenfrei abzugeben wären??

    Es wäre schön, wenn die Bibliotheken sich mehr ums eigene Fundraising kümmern würden anstaat immer nur Schuldige zu suchen – sorry aber es ist schlicht ein Armutszeugnis sich immer nur als Opfer zu sehen!

    Zum Thema Webkommunisten kleiner Tip: Marx lesen nicht interpretieren – der Unterschied sollte gerade Biblliothekaren bekannt sein 😉

    @Edlef Stabenau
    Richtig, noch werden die Verleger nicht gezwungen. Ein kritischer Blick auf die einfache Arugmentation der Bibliotheken insbesondere bei Netbib zeigt aber, wohin die Reise gehen soll – nämlich genau den Zwang! Kein Steuerzahler finanziert Verleger, dieser krude Unsinn wird nicht dadurch wahrer, das er ständig wiederholt wird.

    Oder würden Sie vom besagten Stromanbieter fordern, seine Leistungen kostenfrei anzubieten nur weil er einmal staatliche Subventionen erhielt??

    Statt Wunschträumen besser Fundraising – Museen und selbst Archive machen es vor. Also nicht nur fordern, sondern selbst leisten!

  5. @Frank: Wenn Sie selbst keine Polemik wollen, warum bieten Sie selbst welche und Allgemeinplätze und Behauptungen statt Argumente?
    Fundraising wird in Bibliotheken schon so lange getrieben wie in Museen und Archiven – Kurse und Texte dafür gibt es schon ewig. Braucht man uns also nicht vorzuwerfen.
    Das Märchen von den urheberrechtwahrenden Verlegern kann ich schon nicht mehr hören, fragen Sie mal die Übersetzer oder Autoren, die mit oft mit Brosamen oder nichts abgespeist werden.

  6. @Frank
    Ich glaube nicht, dass hier Bibliotheken argumentieren. Eher handelt es sich um Individuen, die zufällig BibliothekarInnen sind. Zumindest handelt es sich bei mir um keine Bibliothek.

    Und da sie vom Schutz der Urheberinteressen reden: was hat das mit Verlagen zu tun? Die Verleger sind keine Urheber. Es geht auch gar nicht um die Rechte der Urheber, sondern ausschließlich um Verwertungsrechte.

    Der Begriff „Webkommunist“ bedarf anscheinend einer Erläuterung. Es handelt sich dabei AFAIK um eine Begriffsschöpfung von Döpfner, siehe z.B. dieser SPON-Artikel. Und Springer, also Döpfners Arbeitgeber, ist federführend bei den massiven Lobbying-Versuchen für ein Leistungsschutzrecht, das unternehmerisches Risiko eben doch durch staatlich verordnete Gebührenzahlungen abfedern möchte.

    Dass das kruder Unsinn wäre, wie Sie schreiben, stimmt natürlich. Da Sie das offensichtlich unmöglich finden, könnten Sie sich bei Interesse bei der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL) informieren und/oder engagieren.

    EOD von meiner Seite.