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Das Unbehagen der Hauptstadtjournalisten…

Man kann ein solches kommunikatives Medium nutzen…“ zu diesem Fazit kommt der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans über die Kritik der „Hauptstadtjournalisten“ am twitternden Regierungssprecher Steffen Seibert.

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Sponline hat einen Artikel Twitter-Eklat auf Bundespressekonferenz: Netz spottet über Hauptstadtjournalisten zum Thema, noch viel beeindruckender der Mitschnitt der Pressekonferenz, nachlesen kann man es hier. Die erschreckende Demonstration der „Medienkompetenz“ der Journalisten verführt durchaus dazu, den Kopf auf die Tischplatte zu knallen…
Aber Hilfe naht: Piratenpartei bietet Journalisten Unterstützung an

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

7 Kommentare

  1. Ich kann mich daran ehrlich gesagt weder belustigen, noch möchte ich meine Stirn auf meinen Schreibtsisch niederschlagen. Eine Frage bleibt doch tatsächlich offen, weswegen ich zumindest Teilweise die vielen Nachfragen verstehen kann: der Fall zu Guttenberg hat es gezeigt: da wird mal eben neben der Bundespressekonferenz ein kleines Haufen von Kameraleuten zu Aufnehmen einer Stellungnahme gebeten – selbstverständlich ohne Möglichkeit der Fragen. Wenn nun der Herr Seibert Twitter nutzen möchte um Termine, Fakten etc. zu veröffentlichen ist das in Ordnung. Nur hätte man dies der Bundespressekonferenz vorher mitteilen können. Was eben nicht passieren darf ist, dass zukünftig der Regierungssprecher zu einer Mitteilungsmaschine verkommt. Der Kern der Demokratie ist eben auch, das eine inhaltlich qualifizierte Menge an Journalisten zu bestimmten Ankündigungen etc. Nachfragen stellen kann etc. Das war der Hintergrund meiner Meinung nach. Deswegen kann ich den Vorgang nur am Rande lustig finden. Das gleiche gilt im Übrigen für die selbsternannte „Mitmach-Partei“ (was sind die anderen Parteien dann eigentlich) der Piraten.

  2. Ich bezweifle, dass sich die Behauptung, dass „das Fragerecht einer inhaltlich qualifizierte Menge von Journalisten“ den Kern der Demokratie ausmacht, sich verifizieren lässt. Ich gehe vielmehr davon aus, dass das BVerfG in der Leipziger Volkszeitung Entscheidung von 1969 etwas ganz anderes für schützenswert gehalten hat. Aber ich neige nicht zur Obrigkeitsgläubigkeit und noch ist die Bundespressekonferenz einfach ein eingetragener Verein und nicht der Flaschenhals der Informationen aus der Regierung. Merkwürdiges Demokratieverständnis

  3. gut – drehen wir die Frage um – ich will der Bundespressekonferenz auch nicht zu viel Wichtigkeit zubilligen, aber gäbe es denn eine auf Ankündigungen der Regierung nachfragende Menge an Menschen ohne die Bundespressekonferenz? Ich bin eben nicht Obrigkeitsgläubig, ich habe auch nix gegen einen twitternden Seibert, wenn er auch als Person sehr fragwürdig ist, man sollte sich nur gründlich überlegen wie Mitteilungen aus der Politik weitergetragen werden – Ironie ist da fehl am Platze.

    P.S. offensichtlich muss da gleich ein Demokratieverständnisvorwurf kommen – geht auch ohne…

  4. „Der Kern der Demokratie ist eben auch [sic!]“ – soviel zum P.S. und dem Glashaus und den ersten geworfenen Steinen – ich habe diesen Geist nicht gerufen.

    Aber ich will und muss mir nicht überlegen, wie Mitteilungen aus der Politik weitergetragen werden, das wäre zuviel der Ehre für die (Partei-)Politik, die heute (auch) ein (Macht-)Geschäft ist – ganz wie die (Verlags-)Presse. Und das hat nichts mit Ironie zu tun, es ist vielmehr bitterer, realistischer Zynismus; spätestens seit Kohl kennen wir die strikten Auswahlverfahren, wer im Kanzlerflieger mitfliegen darf – der unbedeutende Spiegel jedenfalls nie.
    Und ich habe darüber hinaus die Vermutung, dass die Einheitspresse verflixt viel mit dem Einheitsgraujournalismus der bräsigen Bundespressekonferenzteilnehmer zu tun hat – einer wahre „Stütze der Gesellschaft“ im besten Ibsen’schen Sinne.
    Da passt die Anti-Twitter-Empörung der gestättigten akkreditierten Hofberichterstatter gut ins Bild.

  5. Ich denke, das Ganze hat sich an der Twitter-Mitteilung über den bestätigten US-Reise-Termin der Kanzlerin entzündet, dieser Termin wurde anscheinend in der BPK nicht wiederholt und es wurde, wie iche schon richtig schreibt, in der BPK nicht darauf hingewiesen, daß nun auch über Twitter etwas bekannt gegeben wird und nicht nur über die bisher gewohnten Verteiler. Es wäre schlicht guter Stil des Regierungssprechers gewesen, wenn er dies getan hätte. So ist das Ganze m.E. eine Stilfrage und die Diskussion um Demokratieverständnis usw. eine Stellvertreterdiskussion, die auch nicht weiterführt.

  6. @owl – Stilfrage trifft es wohl, aber dadurch wird die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht erschüttert und die Artikel 5 Abs.1 GG Keule kann auch in der Halterung bleiben.
    Selbstverständlich darf auch die „Generation Fax“ nicht zurückgelassen werden – so nennt man das pädagogisch wertvoll an anderen Orten 😉
    http://nzl.lernnetz.de/content/index.php