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Umfrage: Gute Arbeit in Bibliotheken (2)

Ich hieve diesen Kommentar von „Ausleihe“ (vielen Dank dafür) einfach mal in einen Beitrag, weil er nämlich sonst verschwindet. Er (der Kommentar) bezieht sind auf einen ursprünglichen Beitrag von mir, den er/sie (die/der Kommentarschreiberin) zu Recht kritisiert:

„Manchmal lohnt die Zeit, vor dem Urteil mehr als die Überschrift zu lesen.
Der Titel “Gute Arbeit in Bibliotheken” verweist auf ein statistisches Messinstrument, den Index ‘Gute Arbeit’. Hierbei handelt es sich um standardisiertes Messverfahren, dass die Arbeitssituation aus Sicht der Beschäftigten ermittelt. Ab 80 Index Punkten spricht der DGB von “Guter Arbeit”. Der Titel impliziert daher keine Wertung, sondern verweist auf das Messinstrument (Gute Arbeit-Index) und die Grundgesamtheit (Bibliotheken).
Wird im Übrigen alles in der Einleitung des Fragebogens erklärt.
Darüber hinaus wurden die Daten tatsächlich anonymisiert erhoben und werden auch nicht weiter verwendet. Das hat allein schon damit zu tun, dass die Ergebnisse vom DGB-Gute-Arbeit-Index-Team erhoben wurden und die geben die Daten nicht weiter, auch nicht an ver.di.
Des Weiteren sollten anstatt der Behauptung im vorherigen Artikel nur die ersten beiden zwei Ziffern der PLZ angegeben werden (steht explizit so im Fragebogen), was keine Schlüsse auf einzelne Betriebe zulässt.
Die Ergebnisse sind im Übrigen mittlerweile veröffentlicht – https://biwifo.verdi.de/abd/gute-arbeit
Resultat: Die Arbeitssituation in Bibliotheken beurteilen die Beschäftigten alles andere als “gut”. Sie ist nicht einmal mittelmäßig und noch schlechter als jene im gesamten Durchschnitt der Dienstleistungsbranche. – Soviel zur Imagepflege und PR des Berufsstandes liebe/r jplie. –
Ich bin selber ver.di Mitglied und engagiere mich gewerkschaftlich. Zudem arbeite in einer Bibliothek und bin sehr dankbar, dass ver.di diese Umfrage gemacht hat. Endlich fragt mich mal jemand, wie ich meine Arbeitssituation empfinde. Sonntagsöffnungszeiten, 24h-Bibliotheken und das alles bei anhaltenden Stellenkürzungen – alles für die Nutzer, aber die Beschäftigten fragte bisher keiner. Nun bin ich gespannt, was auf die Umfrage folgt.
Herzliche Grüße von der Ausleihstelle“

Nochmals vielen Dank!

2 Kommentare

  1. Was für eine wunderbare Umfrage, das Ergebnis schreibt die Erkenntnis von 1996 in einem derartigen Maße fort, dass man den Eindruck haben könnte, Scotty sei mit einem Zeitmaschinen-Beamer aktiv gewesen
    Hier der Anknüpfungslink:
    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-9095438.html

  2. Ich denke immer mal wieder über diese Umfrage nach. Sicher ist es interessant, die Sicht der Beschäftigten zu bekommen, die bei anderen Arbeitsplatzstudien vielleicht vor lauter aggregierten Daten unter den Tisch fällt. Gleichwohl bedeutet der obige Satz „Hierbei handelt es sich um standardisiertes Messverfahren, dass die Arbeitssituation aus Sicht der Beschäftigten ermittelt.“ nur so viel, dass die subjektive Sicht eines Berufsstandes mit jener von anderen verglichen wird. Vergleichsweise scheinen (das Wort „scheinen“ verwende ich, weil es keine repräsentative Studie ist) also Bibliothekarinnen/Bibliothekare unzufriedener als Berufstätige anderer Berufssparten zu sein. Woran das liegt, ob an einem schwierigen Geschäftsfeld, das aufgrund fortwährenden Medienwandels unter Druck ist (z.B. neue Aufgaben, Stellenkürzungen), ob an Druck, den man sich selber macht (indem man hierarchisch und nur an die nächste Beförderung denkt und sich kompetitiv gegenüber Kolleginnen und Kollegen verhält), das wird nicht ausgesagt. Oben wird die Nutzerorientierung als Ursache benannt, dass Druck entsteht. Vielleicht sind es aber auch bürokratische Strukturen, bibliothekarische Vorgesetzte oder auch ein unfreundliches Kollegium, die Unzufriedenheit mit der Arbeit verursachen? – Will nur sagen: Der Ursachen sind viele, welche, das wird durch diese Studie nicht entfernt untersucht/beantwortet. Und nicht immer ist es mehr Personalausstattung und mehr Geld, welche die Lösung bringen.