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Dreistigkeit siegt?

Anatol Stefanowitsch klärt im Sprachblog auf:

Deutschland wird im Forschungsausschuss des Europaparlaments durch eine überführte wissenschaftliche Betrügerin repräsentiert.

Es ist höchste Zeit, dass die Mitglieder dieser unappetitlichen Splitterpartei abtreten….

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

7 Kommentare

  1. Ich habe viel Verständnis für Aug‘ um Aug‘ – es bedarf gewisser Größe, das Recht einen Schädiger zu strafen, auf einen Dritten zu übertragen. Mein Verständnis für Befürworter des Prangers hält sich dagegen in Grenzen. Selbstgerechtigkeit halte ich auch nicht für eine erstrebenswerte Charaktereigenschaft und die trieft nach meinem Empfinden aus jeden Satz des Beitrages von Herrn Stefanowitsch.

    Charakter und Rückgrat ist keine Eigenschaft, die ich gemeinhin bei Politikern vermuten würde, insofern unterscheidet sich die Dame wohl allenfalls marginal von den anderen Mitgliedern des Forschungsausschusses. Otto Graf Lambsdorff habe ich immer für ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft gehalten – unabhängig von der Splitterpartei und unabhängig von seiner Vorstrafe. Der meineidige Zimmermann war ein running gag meiner Jugend. Ich habe auch Wolfgang Schäubles eingestandenen Beitrag zur CDU Spendenaffäre nicht vergessen.

    So what? Wenn wir mit den den „wissenschaftlich Unlauteren“ durch sind, dann machen wir mit den Ehebrechern weiter?

  2. @Susanne Drauz: Mit Verlaub, aber Anatol Stefanowitsch Selbstgerechtigkeit vorzuwerfen, weil er dankenswerterweise die Dreistigkeit von Koch-Mehrin anklagt, ist ein Vorwurf, den sich der sauber argumentierende Wissenschaftler nicht gefallen lassen muss.

  3. Er ist doch kein Moraltheologe, Ethiker, Philosoph oder sonst etwas in diese Richtung. Warum maßt er sich an, Maßstäbe für Zugangsvoraussetzungen zu Ausschüssen von Parlamenten anzulegen? Nach meinem Kenntnisstand bedarf es noch nicht einmal der allgemeinen Hochschulreife, um dort Mitglied sein zu dürfen. Frau Koch-Mehrin könnte auch rechtskräftig wegen Betruges verurteilt sein, solange sie ein gewähltes Mitglied dieses Parlamentes ist, darf sie in jeden Ausschuß in den sie gewählt wird.
    Diese verurteilungswürdige Praxis nennt sich Demokratie, für die Änderung dieser unwürdigen Zustände sind die Wähler zuständig und nicht die moralinsaure pseudo-elitäre Vorstellungswelt eines Sprachwissenschaftlers. So ein Mist erinnert mich an die Herbert Frahm Kampagne

    • Muss man Moraltheologe sein um etwas als Dreistigkeit zu bewerten? Er ist Bürger und somit in der Position, sich dies „anmaßen“ zu dürfen. Das hat nichts mit „moralinsaurem Pseudo-Elitarismus“ zu tun. Das ist schlicht und ergreifend demokratische Teilhabe. Die muss sich nicht auf die Stimmabgabe beschränken.

      Hinter dem Vergleich mit der Frahm-Kampagne fehlt der Ironie-Smiley. Das kann nicht ernst gemeint sein.

  4. Nunmehr ist das Pamphlet auch in meinen Augen mit einem demokratischen Anspruch bemäntelt, denn jetzt ist an den Artikel eine Petition geknüpft.

    Das letzte Stück Muff unter den Talaren, das 1968 übersehen wurde, ist die Ausbeutung der wissenschaftlichen Mitarbeiter durch die Lehrstuhlinhaber. Zum Dank wird dann oft genug die Diss. „durchgewunken“. Das ist der Teil der Diskussion, der merkwürdigerweise vermieden wird, der den Universitäten selbstreinigend allerdings gut zu Gesicht stünde.

    Der alberne Titelwalzer interessiert mich weniger, dazu kenne ich zuviele Dissertationen knapp unter der Albernheitsgrenze – ein Quell der Freude sind natürlich die Mediziner, schön auch die Dünnbrettbohrer-Sammlung von Achim Schwarze aus den 90ern, der sich aufs Bücher schreiben verlegt hat, nachdem er als Dissertations-Ghostwriter aufgeflogen war.

  5. Zu der Thematik gibt es auch ein schönes Tagesschau-Schlusslicht

    • Ein wunderbarer Beitrag, wenn man davon absieht, dass ich nicht glaube, dass Zumwinkel eine bessere Besetzung ist als Schäuble. Ich schätze seinen Erfolg nach der Spendenaffäre höher ein als das Zumwinkel’sche Debakel nach der mickrigen Steuerhinterziehung. 🙂
      Worüber ich mich bei dem Stefanowitsch-Artikel echauffiere ist dieser Ansatz, den ich nicht nur als unerträglich humorlos, sondern auch als totalitär empfinde: „…gefährliche Ermüdungserscheinung im öffentlichen Diskurs ab: Mit dem Titelentzug legt sich die Empörung, zumindest die, die über Unmutsäußerungen oder sarkastische Kommentare hinausgeht. …“