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BIX 2011: 236 Bibliotheken im Vergleich

Zum zwölften Mal veröffentlicht der Deutsche Bibliotheksverband die Ergebnisse des Bibliotheksindex BIX, eines bundesweiten Kennzahlenvergleichs für Bibliotheken:

„Bei den Stadtbibliotheken erreichten die obersten Plätze – nach Größenklassen – die Bibliotheken in Dresden (Sachsen), Herten (Nordrhein-Westfalen), Biberach/Riß, Freiberg am Neckar und Abtsgmünd (alle Baden-Württemberg). Im Hochschulbereich führen die Bibliotheken der Universität Konstanz, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz (ebenfalls Baden-Württemberg).“

[via Pressemeldung des dbv]

15 Kommentare

  1. Mensch, da ist man fünf Tage mal nicht online und schon verpasst man die Ankündigung der alljährlichen Unsinnsveranstaltung mit dem Namen „Bibliotheksindex“. Ich frage mich wann ich vom dbv mal eine inhaltlich wertvolle Pressemitteilung lesen darf. Der Bibliotheksindex bleibt doch eine sehr zweifelhafte Angelegenheit und eigentlich bin ich ganz froh, dass so viele Bibliotheken sich nicht daran beteiligen.

  2. Sehr netter Kommentar zum Pressemeldungsgenerator BIX im VÖBBLOG

  3. Rankings haben ihre Tücken und werden sie behalten. Gleichwohl ist es verständlich, wenn Bibliotheken teilnehmen, um zu sehen, wo sie wohl im Vergleich stehen. Und wenn man gut steht, möchte man das auch öffentlich kommunizieren. Dass das für Blogger zu dem in VÖBBLOG ausgedrückten Stoßseufzer führt, muss nicht bedeuten, dass man diese Art von Presse- und Erfolgsmeldung lassen soll. Schließlich soll man ja mit seinem Pfund wuchern!

    Andere nehmen bewusst nicht teil, weil sie den Aufwand meiden wollen, weil das Ranking in die falsche Richtung geht (die Bertelsmann-Stiftung hat nun einmal eine bestimmte Richtung, bei den CHE-Hochschulrankings gibt es auch eine Absetzbewegung, vgl. LearningLab) und weil Rankings an sich gefährlich sind (ein Kollege sagte einmal: „Schlecht, wenn man gut ist. Dann kann die Leitung ohne Reue kürzen.“)

    Rankings eben. Aber mit irgend etwas sollte man sichtbar werden …

  4. Das Problem an diesen Rankings ist, dass die Vergleichbarkeit eben doch sehr zweifelhaft ist. Städte habe verschiedene Strukturen und Grundvoraussetzungen, wo ist da eine Vergleichbarkeit gegeben? Zahlen sind eben nur bedingt ein Vergleichsinstrument. Bibliotheken haben genug Inhalte um für sich zu werben – der BIX sollte das letzte Mittel sein wenn man nichts mehr hat sonst – bzw. lieber keine Meldung als den BIX, aber das ist sicherlich eine sehr idealistische Sicht der Dinge…

  5. Aus einer frühen BIX-Bibliothek:
    Politiker, als die Bibliothek den 2. Platz belegte: „Schönes Ergebnis. Und was kostet die Bibliothek weniger, wenn wir nur den 15. Platz belegen würden?“
    Politiker, als die Bibliothek den ca. 17. Platz belegte: „Das Angebot der Bibliothek wird zunehmend schlechter, das finanzielle Engagement der Kommune ist nicht gerechtfertigt.“
    Bevor dies kam
    Politiker, als die Bibliothek einen der letzten Plätze belegte: „Die Bibliothek kann geschlossen werden und damit einen Konsolidierungsbeitrag zugunsten der städtischen externen Gutachten leisten.“
    stieg die Bibliothek aus dem Vergleich aus.

  6. Ein weiteres Grundproblem mit Rankings ist, dass man sich manchmal im Ranking verbessern kann bei gleichzeitiger Verschlechterung der tatsächlichen Leistung für die Nutzer. Wer zum Beispiel die Zahl der maximal erlaubten Verlängerungen verringert, hat dadurch eine höhere Zahl an Ausleihen.

    Zu Rankings generell gibt es noch ein schönes Zitat von Preisendörfer.

  7. Pingback: Infobib » BIX 2011

  8. Nicht-Statistiker neigen offensichtlich dazu, Statistiken, Daten und Zahlen zu fetischieren: Muss man wirklich noch darauf hinweisen, dass Zahlen und Daten nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit abbilden, dass sie komplexe Sachverhalte stark vereinfachen, von Rahmenbedingungen abstrahieren und inhaltlich weite Interpretationsspielräume bieten? Dazu sind sie doch da!

    Zumindest langjährige BIX-Teilnehmer haben das mittlerweile meinem Eindruck nach ganz gut verstanden. Viele haben nämlich erfahren, dass man jedes Ergebnis eines Rankings zwar gegen sie verwenden kann (Beispiel siehe oben), aber dass sie selbst genauso gut die Ergebnisse als Argumentationsmittel für ihre Zwecke nutzen können. Vielleicht ist das ein wichtiges Argument für die Teilnahme am BIX: er kann zu einer souveräneren Kommunikation mit Daten und Zahlen führen. Da Zahlen das Hauptkommunikationsmedium der Träger sind, ist dieser Gewinn nicht zu unterschätzen.

    Im Kern geht es aber immer auch darum, aus dem Zahlenvergleich „Erkenntnis zu gewinnen“: über die eigene Position, über die Entwicklung des Hauses, über Schwächen und Stärken. Die statistischen Ergebnisse können dabei eine Hilfe sein , über die eigene, subjektive Wahrnehmung hinauszugehen und Hinweise zu finden, wo man genauer hinschauen und nachforschen muss – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    • „Nicht-Statistiker neigen offensichtlich dazu, Statistiken, Daten und Zahlen zu fetischieren“

      Stimmt. Solche und solche echten Statistiker haben das Ranking-Potential erkannt.

      „Da Zahlen das Hauptkommunikationsmedium der Träger sind…“

      Sind Träger Statistiker oder Nicht-Statistiker, Fetischisten oder Nicht-Fetischisten? Und sind Zahlen Kommunikationsmedien?
      Basteln wir uns eine Reduktions-Logik um „weite Interpretationsspielräume“ zu erzeugen?

      Ich habe nichts gegen Ranking als Instrument der Selbstvermarktung und Mittel des Storytelling. Problematisch wird es, wenn Bibliothekare selbst sich in eine Logik zwingen lassen, die ihnen von außen vorgegeben wird und nicht in der Lage sind, den Definitionsbereich ihrer Zahlen in Frage zu stellen, nur zu sehen, was ausgedrückt wird und nicht zu beachten, was nicht berücksichtigt wurde. Es dürfte wohl auch nicht mehr viele Träger geben, die das Manipulationspotential des Rankings nicht durchschauen.

      Träger auf der einen Seite und Bibliotheken auf der anderen Seite – das ist auch so eine Reduktion, die nicht trägt. Es könnte ja auch Dritte geben, die ein Interesse am Ranking haben. So könnte das Ranking die strukturelle Vorbereitung für das Franchising der Bibliothekslandschaft sein. Honi soit qui mal y pense?

  9. @DetlevHoffmeier, wie meist nicke ich strahlend bei der Lektüre Ihrer Beiträge, aber ist Franchising die richtige Überlegung? Geht es nicht eher um PPP oder von mir aus auch schlichtes Outsourcing? Und würde das in manchen Fällen nicht vielleicht sogar zu einer Qualitäts-Verbesserung führen?

    • Liebe Frau Drauz,

      es ist erstaunlich, zu welchem Gebell ein Dackel fähig ist, wenn man sein Fell streichelt und den Knochen Richtung Birnbaum wirft… ;-)) Waren Sie nicht gerade erst in Teckelburg?

      Ich stimme Ihren „Einwänden“ zu. Im wissenschaftlichen Bereich haben die Hochschulgesetze der siebziger Jahre gezeigt, dass guter Wille nicht zu Standardisierung und Effizienz führt, da die Fachaufsicht ein Papiertiger ist, wenn kein Direktionsrecht damit verbunden ist. Erst der Anpassungszwang durch die EDV-Systeme hat in Bibliotheken Fakten geschaffen, wo Wille nichts bewirkt hat. Im Bereich der öffentlichen Bibliotheken wissen die Fachstellen ein Lied von guten Absichten zu singen. Ohne Direktionsrecht und das Zückerle der Drittmittel ist Bibliotheksentwicklung ein mühsames Geschäft. Ich störe mich aber an binären Alternativ-Vorgaben des Typs „Make or Buy“. Möchten Sie Ketchup oder Mayonnaise auf die Pommes? Wir basteln uns eine Ranking-Skala, die zunächst den weiten Raum der „individuellen Lösungen“ dokumentiert und eröffnen uns eine Möglichkeit für später, auf der großen Skala eine kleine Maßzahl festzulegen, die über Hop oder Top entscheidet, drüber oder drunter, Statistiker oder Nicht-Statistiker, Experte oder Laie, Ketchup oder Mayonnaise. So können wir heute über vieles reden und haben morgen einen binären Code als Leitdifferenz, der eine dritte Antwort nicht mehr vorsieht. Ich finde das einseitig, auch wenn mir der Charme dieser Methode angesichts der oben beschriebenen Entwicklungsschwierigkeiten bewusst ist. Es ist aber kein Abbild von Wirklichkeit, sondern in letzter Konsequenz eine Entscheidungszwang-Methode. So sind bei Kostenentscheidungen Stückkostenvergleiche als Leitdifferenz zwar auf den ersten Blick sehr überzeugend, aber sie funktionieren in der Praxis nicht immer, wenn sie an Mindestumsätze gekoppelt sind. Sie funktionieren in der Praxis nicht, wenn die Leitdifferenz des Trägers eine Maßzahl im absoluten Bereich ist (Gesamt-Zuschuss). Sie funktionieren auch nicht immer unter dem Gesichtspunkt des kapazitätsorientierten Arbeitszeitmanagements, doch werden solche Betrachtungen nicht angestellt.

      Warum nicht?

      Glaubt noch jemand an Kreditexpansion im öffentlichen Sektor? Nein? Dann sollten wir uns AUCH auf andere Maßzahlen einstellen und AUCH die Möglichkeit bedenken, dass bedürfnisorientierte Kennzahlen gegen bedarfsorientierte Argumente „kommunizieren“ müssen. Viersen übt schon mal.

      In diesem Sinne: Weiterhin schöne Mittagspause. Möge sich niemand den Magen verrenken, weder mit Ketchup noch mit Mayonnaise.

  10. Danke für die Wünsche für eine schöne Mittagspause! Statt über einer Antwort zu brüten, die ich wegen Zeitknappheit leider verschieben muss, hätte ich auch Artikel über Kommentatoren lesen können…

  11. Hm, unser ganzes modernes Leben ist auf Rechnen, Berechnung und damit auch Statistik gegründet und wir Bibliothekare sollen nun ganz idealistisch die Werte unserer Einrichtungen preisen, ohne Möglichkeit des fundierten Vergleichs, ohne einigermaßen begründete Planungsgrundlagen? Nur weil Statistik auch mißbraucht wird und weil Träger und andere Interessierte die Zahlen zur Begründung von Kürzungen verwenden können? Sind Statistiken wirklich nur Spielmaterial des „Storytelling“, der PR? Kann sein, ich denke das aber – wie Frau Wimmer – nicht! Wer die Diskussion um Kennzahlen und um Nutzendarstellung vor ein paar Jahren verfolgt hat, wird im Kern zur Kenntnis genommen haben, dass alle Träger auf Zahlen stehen und dass diese Zahlen erhoben, aufbereitet und gegeben werden müssen, da man sonst gleich verloren ist. Oft sind es auch die falschen Zahlen, die erhoben werden, im Bereich der Spezialbibliotheken gibt es da schöne Geschichten, wenn externe Beratungsunternehmen die Performanz der Institution erheben und die Bibliothek sich gegenüber vordergründig-betriebswirtschaftlichem Denken behaupten soll. Dennoch: Wenn man eine Chance haben will, in den Augen von Trägern (vor allem das Management) und Stakeholdern (z.B. Aktionären, Öffentlichkeit) wahrgenommen werden zu wollen, sollte man deren Sprache spreche, sprich: Zahlen richtig erheben, präsentieren und verkaufen. Zahlen, Zahlen, Zahlen … Oder steht etwa in einem Autotest: „Der Porces Mayenne ist der große SUV mit Verwöhnfaktor, der Sie in gediegenem Polster von A nach B bringen und Ihre soziale Anerkennung um den Fakor 10 an Arbeitsstelle und Wohnort steigern wird.“ Steht das da? Ja, das tut es, in der Einleitung, danach geht es aber um alle möglichen Werte, anhand derer man vergleichen kann – selbst wenn es später im Stau wenig interessiert, welche Beschleunigung aus dem Auto herauszuholen ist.
    Zahlen – zumindest für die betriebliche Planung sind sie notwendig! Ich denke da noch immer gern an die Lektüre des Buches „Balanced Scorecard“ von Ceynowa/Coners zurück, das ein schönes Konzept innerbetrieblicher Evaluation bietet, das auch im Vergleich eingesetzt werden kann, aber nicht muss. Es ist übrigens auch für kleine Bibliotheken geeignet, dem Buch lag überdies eine CD-ROM mit einer Software anbei. Vorangestellt war als Motto ein Zitat aus der Nikomachischen Ethik von Aristoteles:

    „… ohne Austausch gäbe es keine Gemeinschaft,
    ohne Gleichheit keinen Austausch
    und ohne Messbarkeit keine Gleichheit.“

    • Herr Plieninger, danke für die ausführliche Antwort. Ich stimme Ihnen in jedem Punkt zu und nehme trotzdem nichts zurück. Jetzt mache ich hier aber mal Schluss mit meinen Kommentaren, sonst gibt es eine Statler-und-Waldorf-Diskussion. Das muss ja nicht sein. Schönes Wochenende.

  12. Da dies scheinbar eine Baden-Württemberg-lastige Diskussion ist, rege ich an, Statler und Waldorf zu überdenken, das fände ich mir gegenüber uncharmant B-)
    Das ganze Ranking ist doch für die Katz, wenn man nicht für sich selbst etwas daraus lernt. Es könnte so einfach sein. Biberach mit seiner überschaubaren Größe bietet sich da an. Man geht auf die Homepage und schaut was die anders machen. Nur mal so als ersten Schritt. Und findet:
    1. Einen Jahresbericht (Druckkosten 250 Euro) mit dem der Träger sich bunt schmücken kann: http://www.biberach-riss.de/media/custom/1516_1719_1.PDF?1296567613
    2. Hier werden eBook Reader mit Büchern ausgeliehen http://www.biberach-riss.de/media/custom/1516_807_1.PDF?1271377209
    3. In den Sommerferien gibt es eine „Filiale“ im Schwimmbad (ich habe die Hoffnung für 2011 noch nicht auf gegeben 🙂 )
    http://www.biberach-riss.de/index.phtml?&NavID=1515.28&sNavID=1515.28&La=1&object=tx|1515.10&FID=1516.2143.1&ModID=7
    …den Rest kann man ja selbst herausfinden, wenn man wissen möchte, was man vielleicht selbst tun kann, um auf einem vorderen Platz zu landen. Der Griff an die eigene Nase schadet nie.