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eBooks on Demand für urheberrechtsfreie Literatur

eBooks on Demand ist ein kostenpflichtiger Dokumentlieferdienst, der die Bestellung vollständiger elektronischer Kopien von urheberrechtsfreien Büchern aus dem Zeitraum vom 17. Jahrhundert bis 1914 ermöglicht.“

steht auf der Seite von Alexandria zu lesen, dem Online-Katalog (OPAC) des Bibliotheksverbunds der Bundesverwaltung der Schweiz. Aufmerksam wurde ich auf diese „Dienstleistung“ durch einen Artikel auf news.admin.ch, der diese Praxis für eine der beteiligten Bibliotheken schildert. Warum nicht Open Access, fragt man sich, wenn die betreffenden Bücher urheberrechtsfrei sind?

2 Kommentare

  1. Nicht open acces, um vielleicht die (Prozeß-)Kosten zu decken? Finde ich aber auch problematisch. Ein Mittelweg für gemeinfreie Werke ist ja Digitalisierung on demand, wo der erste Nutzer zahlt, danach das Digitalisat allgemein zur Verfügung gestellt wird. Mein Wunschtraum wäre allerdings eine vernetzte Dienstleistung von Bibliotheken zur Digitalisierung on demand, die auch für den Auftraggeber kostenfrei wäre. Dabei könnte man den Auftraggeber den Nachweis der Gemeinfreiheit führen lassen (gerade für den Zeitraum nach der sicheren Grenze bei 1845 wäre das hilfreich); das wäre für die digitalisierenden Einrichtungen eine erhebliche Erleichterung und für den Auftraggeber zumutbar, oft auch ohne besonderen Aufwand möglich (als Philologe oder Historiker jedenfalls weiß man oft etwas über die Autoren, deren Werke man dringend benötigt). Und eine solche Struktur wäre eine willkommene, stärker bedarfsbezogene Ergänzung zur Massendigitalisierung. Gewisse Massen würden im Lauf der Zeit auch dabei herauskommen. Voraussetzung ist natürlich ein funktionierender zentraler Nachweis, um Doppelungen zu vermeiden.
    Doppelungen mit in den USA gescannten Werken werden sich jedoch nicht vermeiden lassen. Selbst die ausdrückliche Mitteilung, daß Moritz Heimann bereits 1925 gestorben ist, beeindruckte die Kollegen von Hathitrust nicht – man teilte mit, daß außerhalb der USA erschienene Werke in den USA nur digitalisiert zugänglich gemacht werden, wenn sie vor 1909 erschienen sind, für Nutzer außerhalb der USA nur, wenn sie vor 1869 erschienen sind. Individuelle Feststellung des urheberrechtlichen Status sei nicht möglich, und wie die Antwort auf meine Anfrage zeigt, werden solche Informationen selbst dann nicht berücksichtigt, wenn man sie frei Haus liefert.

  2. Plieninger zeigt sich wie häufig schlecht informiert. Tatsache ist, dass dieses Problem für das EOD der Schweizerischen Nationalbibliothek von Peter Suber und in Archivalia mehrfach thematisiert wurde:

    http://archiv.twoday.net/stories/34621318/

    In INETBIB thematisierte ich das Thema schon 2003.

    Überteuerte Digitalisate, bei denen Nachnutzer null zahlen, weil das Stück frei im Netz steht, sind nicht fair. Unsinnig ist es, daraus die Konsequenz zu ziehen, das Stück nicht ins Netz zu stellen. Für normale Gebrauchsdigitalisate sollte die Abgabe gegen eine geringe Schutzgebühr (die 30 Euro Flatrate der Darmstädter Bibliothek ist da eher die Obergrenze) oder besser noch unentgeltlich die Regel werden.

    HathiTrust: Hier könnte der europäische Partner in Madrid einen gewissen Hebel darstellen, aber aus Sprachgründen bestehen eher keine Kontakte deutscher Bibliothekare zu den Kollegen von der Complutense. Ich berufe mich dabei aus eine Auskunft von HathiTrust. Definitiv vor 1923 erschienene Bände werden auf Zuruf von HathiTrust für US-Bürger geöffnet, man muss dann mit dem Python-Script HathiHelper die einzelnen PDFs herunterladen und zu einem Gesamt-PDF zusammenfügen und kann sie dann ins Internet Archive tun (damit sie auch ohne Kenntnis der Benutzung eines Proxies zur Verfügung stehen). Für die Zeit nach 1922 ist sicher das letzte Wort noch nicht gesprochen, aber da heißt es wohl Geduld zu haben und vielleicht auf den weiteren Beitritt europäischer Bibliotheken zu HathiTrust zu warten.