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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Machen Sie xxy zum Publikumssieger!!

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es mich abstösst, dieses Buhlen um „Voten Sie für dieses Blog beim x-Award“, „Klicken Sie für unsere Facebook-Seite beim y-Contest“. Mittlerweile findet das auf allen Ebenen statt und alle Mittel sind recht, um Klicks zu bekommen. Ganz egal, ob es Stuttgart 21-Gegner sind, die für Klicks noch in der Umfrage der hinterallerletzten Zeitung werben, Bibliotheken für dies und das oder medizinische Projekte für anderes. Wahrscheinlich gibt es demnächst die erste Studie, die belegt, dass dadurch besonders viel Aufmerksamkeit und Verweilzeit generiert wird, ist mir aber grad egal: In meinen Augen ist das pervertiertes Marketing. Die möchten beim Benutzer nicht mehr durch gute Dienstleistung „landen“ (genau das nämlich ist Marketing im eigentlichen Sinne), sondern rühren die Imagesoße schaumig. Die weitere Perversion, die drinsteckt, ist diejenige des Pushens bei jeder Menge von Umfragen, Awards etc. Eigentlich sollte ein Ranking eine Verhältnismäßigkeit in Bezug auf eine bestimmte Qualität abbilden, dass also jemand spontan sich dafür entscheidet, Rückmeldung zu geben. Hier aber gewinnt die Seite, die penetrant genug ist, möglichst viele von ihren Nutzern zu mobilisieren. Ob das nachhaltig ist? Egal. Ich jedenfalls fühle mich belästigt, wenn ich meine Zeit vergeuden soll, eine dümmliche Medienseite zu beklicken. Noch eine Umfrage? Noch ein Klick? – Ohne mich!

7 Kommentare

  1. Du sprichst mir aus der Seele – Alle wollen nur KLICKS KLICKS KLICKS

  2. Zusammenfassend könnte man natürlich auch sagen, abstossend ist schlechtes, undurchdachtes Möchtegern-Marketing – ganz schlimm finde ich übrigens, wenn dafür auch noch Bäume sterben müssen, um sich in Flyer zu verwandeln

  3. Sicher, mir gefällt das so wie es ist auch nicht, aber die Entwicklung ist ja weder überraschend noch neu. Wer kann sich denn schon koordinierte Strategien für das Marketing leisten? Da bleibt die Klick-Sucht doch die einfachste Variante und sind wir mal ehrlich, bei der Menge an Informationen die uns täglich erreichen, muss die Information entweder zu sehr geschickt daher kommen oder sehr aufdringlich sein um wahrgenommen zu werden. Die aufdringliche produziert sicherlich mehr Unzufriedenheit, ich sehe aber nicht, dass sich an dieser Entwicklung etwas ändern wird…

  4. Auf fb wurde dankenswerter Weise noch ein Link gepostet zu einem längeren, zutreffenden Text zu diesem Phänomen: http://www.mathias-binswanger.ch/buecher/112.html

  5. interessanter Text – vor allem dieser Satz: „Angehende Beamte, die sich jahrelang nur noch darauf konzentrieren, Wörter auswendig zu lernen und in bestimmter Weise zu gruppieren, sind nach Abschluss dieser Ausbildung geistig so erstarrt und gezähmt, dass sie das bestehende System nicht mehr mit neuen Ideen gefährden. “
    Irgendwie erinnert mich das an RAK 🙂

  6. Ich denke eher: kann ich sowieso nicht mitmachen, müsste ich ja da und dort registriert sein … Aber die seltsame Denke, etwas zum besten „wählen“ zu können, erstaunt mich auch oft.

  7. Ja, Du sprichst auch aus meiner Seele. Mich nervt das Problem zunehmend. Es gibt Gruppierungen, hochseriöse Institutionen und Vereine, die ihre Mitglieder intern des öfteren zu Mehrfachklicks auffordern. Da geht es nicht mehr um einen einzigen, wohlwollenden Anerkennungsclick sondern um den Sport, wer schafft es, täglich möglichst mehrmals zu klicken und so die Gewinnchancen für irgendeinen Preis erhöhen. Ich finde es unmoralisch, Menschen dazu aufzufordern, aber ebenso unmoralisch verhalten sich diejenigen, die sich dazu animieren lassen. Man twittert sich auch gern mal zu: Vergiss nicht heute zu klicken. Und der Beklickte verkündet dann auch täglich sein ranking. Bei g+ hatte ich gefragt, was davon zu halten ist: kein comment. Um so mehr schätze ich Deinen Beitrag.