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Rechnet sich ein Dipl. Bibl. für die Gemeindebücherei?

Was bedeutet unter den Rahmenbedingungen eines Nothaushalts die Stelle einer Diplom-Bibliothekarin/eines Diplom-Bibliothekars? „Ein Diplom-Bibliothekar muss sich rechnen“, meint die CDU-Ratsfraktion in Bönen und stellt die mittelfristige Personaleinsparung in Frage. Eventuell hätte das nämlich Konsequenzen hinsichtlich der Bezuschussung des Einstiegs in die „Onleihe“. [via WA.de und via Der Westen]

2 Kommentare

  1. Dieser Satz: “Ein Diplom-Bibliothekar muss sich rechnen” hat einen gewissen Gruselfaktor.

  2. Die interessanteste Formulierung in dem ersten Artikel ist für mich die Formulierung „Service im Interesse Einzelner „. Das ist nämlich ein Leitmotiv der Zuschussdiskussionen. Ein Beamter des (damals) Arbeitsamtes, der mit Weiterbildungsangeboten befasst war, erklärte es mir so: „Bedarf“ sei gesellschaftlich definiert, „Bedürfnis“ individuell. VHS und Bibliotheken „trieben“ auf dem Bildungssektor Bedürfnisbefriedigung, Arbeitsämter Bedarfsbefriedigung. Es gäbe ein Bedürfnis Einzelner nach Liebesromanen aber einen gesellschaftlichen Bedarf nach fähigen Arbeitnehmern. Wir haben uns angewöhnt, Qualität quantitativ zu definieren und übersehen bei den tollen Zahlen gerne das Minenfeld, auf das wir uns bei dieser Umsatzfixierung begeben. Das Angebot der E-Book-Portale zeigt deutlich, dass die überall festzustellende Umsatzkonzentration auf Bedürfnisprodukte in diesem Sinne sich im Online-Markt verstärkt, zumal Sachbücher mit großen Tabellen und Grafiken sich auf dem E-Book-Reader nur schlecht lesen lassen. Was macht also der Diplom-Bibliothekar der kleinen Bücherei? Auf Umsatz schielen, auf die Onleihe? Meine Rechnung: Finanzkrise –> Fiskalkrise –> Game Over für kleine Büchereien und Zweigstellen. An das Wort „Nothaushalt“ wird man sich auch gewöhnen müssen und vielleicht sollte man dann nicht zuviel Bis(s) haben. In diesem Zusammenhang hat mich auch gestört, dass der hier kürzlich zitierte Bibliotheksprofessor „ethisch“ mit „benutzerorientiert“ gleichgesetzt hat. Da landet man nämlich wieder bei der steuerfinanzierten Bedürfnisanstalt des Benutzers, der das mit der Kreditschrumpfung noch nicht begriffen hat und der Schuss geht unter der Maßgabe des bedarfskritischen Nothaushaltes nach hinten los. In den bibliothekarischen „Narrativen“ wird gerne auf den Gemeinde- und Stadträten herumgehackt, wenn sie diese Unterscheidungen thematisieren. Für mich spricht nichts dagegen, die mal Ernst zu nehmen. Obwohl ich ja sonst nicht so viel Ernst nehme … 😉