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Schulbibliotheken wieder „auf Normalförderung“ zurückgeführt

Das Modellprojekt der fachlichen Betreuung von neun Schulbibliotheken in Hamburg endet Juli 2012. Nach Regierungswechsel geht das Projekt nur so lange, als Haushaltsmittel dafür in den Etat eingestellt wurden. Laut dem Hamburger Abendblatt sollten die geförderten Schulbibliotheken durch mehr Beratung und erweiterte Öffnungszeiten Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachem Umfeld Zugang zu Literatur ermöglichen.

 

6 Kommentare

  1. Irgendwann muss ich mal die Zeit finden und einen eigenen Beitrag mit allen Fakten zusammentragen. Das Projekt hatte natürlich einen noch etwas größeren Anspruch (der bei durch Evaluation gestützte Ergebnisse auf alle Schulen ausgeweitet werden sollte), den ich zum Teil hier zusammengefasst habe: http://goethe-hamburg.de/bibliotheksartikel/projektziele-und-leitbild.

    Nachdem ich vor ca. drei Wochen Herrn Rabe (Bildungssenator) live in einer Schule zum Bürgergespräch getroffen habe – wo übrigens sehr viele an diesem Projekt beteiligte anwesend waren – musste ich mit bedauern feststellen, dass er vom Hintergrund des Projektes (fast) nichts weiß. Sätze wie „Andere Schulen schaffen das auch aus eigenen Mittel“ (man nenne mir ein paar, die mehr als Pausenausleihen an einigen Tagen mit ggf. mittelmäßig aktuellem Bestand schaffen) oder „Pilotprojekte müssen in der Realität landen“ (ja, die wäre, dass die Ergebnisse für das weitere Vorgehen berücksichtigt werden) und dass es nicht ginge „nur neun Schulen ein Geschenk zu machen“ (sehr richtig, die neun sind ja auch nur der Pilot!) zeigen das recht deutlich. Dabei kam mir der Mann insgesamt nicht unbesonnen vor, aber eigentlich gehört dazu auch, dass man eine Idee nachvollzogen hat, bevor man sie beurteilt.

    Soweit ein kurzer nächtlicher Kommentar.

    • „…(man nenne mir ein paar, die mehr als Pausenausleihen an einigen Tagen mit ggf. mittelmäßig aktuellem Bestand schaffen)…“ – wie lange hätten Sie die Liste denn gerne? http://schweich.iopac.de – um nur mal „meine“ Schulbibliothek zu nennen.

      Und was ist mit diesem Projekt in Hamburg – aus eigenen Mitteln: http://www.zeit.de/2011/39/C-Grundschule-Forschung

      • Um nicht missverstanden zu werden, es ist mir klar, dass ein (erfolgreiches) Projekt in den Regelbetrieb übergehen muss und dass das dann auch von der Schule finanziert werden muss. So war es bei diesem Projekt auch immer gedacht, allerdings auf Basis der Einbeziehung von Evaluationsergebnissen und mit der Absicht – wiederum bei positiven Befunden – das Modell auch zur Regel bei anderen Schulen zu machen.

        Wenn ich Herr Rabes Worte anführe, dann deswegen, weil der Grundtenor (um fair zu sein, in meinen Ohren) war „So eine Bücherverwahrstelle mit Verwalter ist doch keine besondere Sache, mehr(wert) ist da doch nicht bei“, aber dies entspricht nicht dem Grundgedanken des Projekts, der den Bibliotheken eine viel aktivere Rolle als Unterstützung zuordnet. Leider gerät dieser Gedanke auch bei der Diskussion um die Projektschulbibliotheken HH etwas aus dem Fokus geraten und es geht viel zu stark um die vorhanden Stellen, nicht aber so sehr um die (ursprüngliche) Perspektive.

        Für alle Projektbibliotheken gilt, dass die Schulen die Bibliothek sehr gerne weiterführen wollen (das umfasst Schulleitungen, Kollegium, Eltern und Schüler), eine Einstellung, die man zu Beginn nicht unbedingt vorgefunden hat; die ging damals tendenziell eher in Richtung Mitnahmeeffekt (etwas pauschalisierend ausgedrückt). Allerdings ist es für Schulen nicht einfach solche Stellen zu schaffen, so wie es mir vermittelt wurde, schon haushaltsrechtlich nicht. Etwas mehr zur Schau getragener guter Wille für das zu erleichtern, wäre eben erbaulicher, als ein „wo ist das Problem?“.

        Ich hoffe, das differenziert meinen nächtlichen Kommentar ein wenig aus. 🙂

  2. Prinzipiell ist die Idee großartig. Prinzipiell sollte es eigentlich Normalität sein, an Schulen Schulbibliotheken zu haben. Prinzipiell sollten die Öffentlichen Bibliotheken nicht gegen Schulbibliotheken arbeiten (was immernoch zu oft stattfindet, z.B. in Potsdam). Ein einziger Punkt hat mich aber immer verwirrt bei diesem Modellprojekt. Grundsätzlich müsste eine in der Schulbibliothek beschäftigte Fachkraft sehr gute pädagogische Fähigkeiten vorweisen können. Wie dieser Ansatz mit FaMIs geschafft werden sollte (ich habe diesen Beruf vor meinem Studium auch gelernt) ist mir nur nicht ganz klar. Bzw. an dieser Stelle kollidieren aus meiner Sicht Anspruch und Wirklichkeit. Andererseits ist mir völlig klar, dass das Projekt mit studierten statt gelernten wahrscheinlich völlig unbezahlbar gewesen wäre.

    • „Ein einziger Punkt hat mich aber immer verwirrt bei diesem Modellprojekt. Grundsätzlich müsste eine in der Schulbibliothek beschäftigte Fachkraft sehr gute pädagogische Fähigkeiten vorweisen können. “

      Kurz vorweg: Einige der neun Stellen sind mit Dipl. Bibliothekaren besetzt, die übrigens – mich eingeschlossen – die „Wertigkeit“ der Stelle nicht als Hindernis sehen, das weiter zu machen. Natürlich haben Bibliothekare per se keinen pädagogischen Hintergrund (außer vielleicht einen Crashkurs in Seminaren wie „Teaching Library“). Das Lehrerstudium hat wohl (in der Vergangenheit) aber Pädagogik und Didaktik auch nicht immer den größten Raum eingeräumt. 😉

      Die ganz kurze Antwort ist, dass es nie vorgesehen war, dass die Bibliotheken alleine und in völliger Eigenregie Unterricht geben. Angedacht war immer eine enge Zusammenarbeit mit den Lehrer-KollegInnen, die eben auf diesem Feld ihre Kernkompetenz (neben der fachbezogenen Kompetenz) haben. Das Feld der Zusammenarbeit bezieht sich dabei vor allem auf den in die Lehrrahmenplänen (keinem Fach einzeln zugeordneten) Medienkompetenz und die Informationskompetenz (ich hoffe, ich darf dieses Buzzword nutzen, ohne weiter auszuführen), sowie die Leseförderung.

      Und noch etwas mehr ins Detail: In der Praxis sieht das natürlich etwas anders aus. Da werden Kurse oder Schüler alleine vorbei geschickt, die inhaltlichen Absprachen sind vage und die Vorstellungen von Zusammenarbeit und den jeweiligen Kompetenzbereichen des anderen liegen ggf. weit auseinander. Schüler sollen in „das Internet“ gehen und „Recherchieren“ und versuchen sich dann hilflos an Google, Wikipedia und… naja, viel weiter gehts ohne Anleitung kaum. Weiter geht es per „try & error“ mit Textverarbeitungs- und Präsentationssoftware, weil die Lehrer sie eben für „Digital Natives“ hält, die das eben von zu Hause mitbringen und weil die Rahmenpläne ja „Multimedia“ und „Internet“ fordern, während man selber froh ist, wenn man eine E-Mail versendet bekommt. Der Bibliothekar steht hingegen hiflos vor einer Meute, die zehn Fragen gleichzeitig stellt und sofort was zu Nero, den Badehäusern und Hannibal haben will oder fachliche Fragen mal schnell geklärt haben muss. Das ist jetzt natürlich ziemlich überspitzt.

      So oder so, mit der Zeit bewegt man sich aber aufeinander zu und merkt, das man (Lehrer und Bibliothekar) sich jeweils gut ergänzen können, wenn gemeinsam geplant und gearbeitet wird. Vielleicht wird sogar über ein gemeinsames Curriculum nachgedacht. Aus meiner bisherigen Erfahrung ist das ein langwieriger Prozess, der aber einen gewissen Punkt exponentiell gut Fahrt aufnimmt.

      Und noch eine ganz persönliche Ergänzung: Ich habe das Glück, dass an unserer Schule (trotz des Projektkriteriums „Sozialer Brennpunkt“) eine gefühlt sehr gute Atmosphäre und ein guter Umgang herrscht. Möglicherweise würde mein Mangel an pädagogischem Fachwissen sonst tatsächlich schwerer ins Gewicht fallen.

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