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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

„Wer nur über sich selbst schreibt, langweilt“

Hm, in diesem Artikel „Warum Inhalte immer wichtiger werden“ des Kulturmanagement-Blogs sind viele Anreize gegeben, über den Ansatz von Social Media – wie Soziale Software mittlerweile genannt wird – durch Institutionen nachzudenken. Die Thesen, die aus dem Text gezogen werden können, lauten:

  • wenn alle nur über das eigene schreiben, ist das für die Nutzer langweilig
  • In Folge dessen müssen die Inhalte visualisiert werden, um attraktiver zu werden und
  • man muss Inhalte aggregieren (sammeln) und kuratieren (filtern und aufbereiten), um höherwertige, attraktive Inhalte bieten und die Nutzer fesseln zu können.

Aha. Ich höre schon förmlich die Rädchen in den Hirnen der Kritiker rasseln „wer soll denn das bei der steigenden Personalknappheit alles leisten können?“ Eben! Und – die Frage sei gestattet – was ist, wenn alle schöne Portale mit visualisierten Inhalten geschaffen haben, die sie breit gesammelt und hochwertig kuratiert haben? Sollte man Nutzer / Kunden / Interessenten vielleicht doch gleich überfallen, fesseln und festsetzen, so dass man sie ungestört bespaßen kann?
Nun, das soll kein Plädoyer für öde Inhalte sein, sondern für mehr Vielfalt. Für mehr Kooperation. Es gibt, wenn ich das richtig sehe, im Bereich der Bibliotheken zwei Haltungen. Die eine ist, wenn man so will, minimalistisch und will lediglich die Inhalte, die sonstwo bereits generiert wurden, auch über weitere Kanäle und Plattformen verbreiten. Natürlich entsteht so keine interagierende Community. Ist bloss die Frage, ob meine Nutzer / Kunden das wollen. Oder ob sie gerne schneller, vollständiger, zuverlässiger Neuigkeiten über meine Institution bekommen, als dies in der Zeitung der Fall ist. – Der andere Pol ist aufwändig, nennen wir ihn Kundenbindung oder Community-Building. Besser, schneller, umfassender, interaktiver und deshalb attraktiver als andere lokale und regionale Konkurrenten zu sein. Das geht nur, wenn alle in der Institution das mittragen oder eine/r sich spezialisiert und zu einem bestimmten Grad dafür freigestellt wird.
Einen Weg, den ich noch ganz gut finde, wäre jener der Kooperation: Dass man zusammenarbeitet, beispielsweise in einem lokalen/regionalen Portal die Informationen zusammenträgt, Inhalte zweit- und drittnutzt in anderen Institutionen und dergleichen mehr. Der Aufwand sollte möglichst effektiv sein, d.h. es sollten nicht ähnliche Sammlungen entstehen, bei denen die Arbeit zwei- oder dreimal parallel erledigt wird. Schließlich ist es ja auch technisch möglich, Einträge aus anderen Webseiten oder Portalen ganz oder in (durch Schlagwörter oder Kategorien gefilterte) Teilen bei sich wieder einzubinden. Mischen eben.
„Im Vordergrund sollten die Inhalte stehen (…)“, heißt es im Kulturmanagement-Blog. Sehr schön! Doch es gibt mehrere Möglichkeiten, diese Aufgabe angepaßt umzusetzen!

Update: Ein Gedanke noch, den ich beim Schreiben des Artikels nicht weiterverfolgt hatte: Beim Typ Benutzer, der eine Quelle per RSS abonniert und sie zusammen mit seinen anderen Abonnements strukturiert, ist es weniger relevant, ob man in regelmäßiger, vergleichsweise hoher Anzahl Inputs in hoher Qualität oder multimedial angereichert erstellt, da hier Neuigkeiten überflogen werden. Es macht hier weniger aus, wenn vergleichsweise seltener vergleichsweise wenig attraktive Informationen bietet, da dieser Typ von Benutzer viele Informationen scannt und „Perlen“ dann schon erkennt, wenn sie ihm über den Weg laufen …

Ein Kommentar

  1. Danke für das Aufgreifen meines Blogposts. Die Frage, ob fehlende Ressourcen dazu führen, dass keine attraktiven Inhalte erstellt werden können, taucht des öfteren auf. In meinen Augen ist es wichtig herauszuarbeiten, was denn eigentlich attraktiv in diesem Zusammenhang bedeutet? Meiner Meinung nach ist damit nicht der Weg in Richtung schöner, größer, weiter gemeint, sondern eher der Versuch, für die LeserInnen relevante Inhalte anzubieten. Authentizität in Verbindung mit Relevanz ist eine Verbindung, die nicht unbedingt Geld kostet, wohl aber Zeit. Aber diese relevanten Inhalte erstelle ich ja – hoffentlich – nicht nur für das Blog, sondern für meine tägliche Arbeit. Insofern lohnt sich der Aufwand dann doch wieder, nicht nur für das Blog.