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„Die mobile Bibliothek“ – Flatrate für eBooks

Vielleicht sollte man die Information, die in den Kommentaren schlummern, noch einmal auf die Artikelebene heben: Bertelsmann (via Random House und Arvato) und Holtzbrink – wahrlich keine kleinen Adressen im Verlagsgewerbe – starten laut buchreport einen E-Book-Verleih, eine E-Book-Bibliothek namens „Skoobe“, in der man sich für eine Flatrate elektronische Bücher für mobile Geräte leihen kann. Wie das wohl in Konkurrenz zur „Onleihe“ qualitativ aussieht? Und wie das in Konkurrenz zu Bibliotheken aussieht? Und im Artikel wird auf weitere Angebote dieser Art verwiesen …

4 Kommentare

  1. Ich habe nach einem Hinweis in den besagten Kommentaren Skoobe ausprobiert. Der interessante Einwand bzgl. des Skoobe-Betreibers Arvato kam für mich ein wenig zu spät. Mein Skoobe-Account war schon eingerichtet und erste positive Eindrücke bei dieser kommerziellen Form der E-Book-Ausleihe haben eventuell entstehende Gewissensbisse deutlich in den Hintergrund treten lassen. In Sachen Konsumverhalten habe ich bestimmt so einige Leichen im Keller – und stehe mit Sicherheit nicht alleine da. Da sich Bibliotheken (bzw. der für den ÖB-Bereich tätige „Monopolist“ Divibib) nicht allein auf dem Feld der E-Book-Ausleihe tummeln, ist es wichtig, zu beobachten wie und zu welchen Konditionen kommerzielle Anbieter E-Books ausleihen und diese Dienstleistung weiterentwickeln.

    Die wichtigsten Informationen zu Skoobe sind in dem bereits geposteten Artikel aus dem Buchreport enthalten: http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2012/02/29/skoobe-gestartet.htm

    Bevor jetzt in Stichworten meine ersten Eindrücke folgen, noch ein Hinweis: ich bin mit der Onleihe mittlerweile einigermaßen zufrieden, auch wenn es in den nächsten Zeilen nicht immer so rüberkommen wird.

    *die Anmeldung verlief problemlos, das Laden der Skoobe-App auf dem ipad sowieso und nach dem Bezahlen von 9,99 Euro per Kreditkarte konnte sofort das erste E-Book („Patriotismus : ein linkes Plädoyer“ von Robert Habeck – ausgeliehen für meine Frau – die war begeistert) heruntergeladen werden.

    *im Gegensatz zur Onleihe wird nur eine App für das Ausleihen und Lesen der Bücher benötigt. Es ist keine umständliche Registrierung über Adobe nötig, um die DRM geschützen E-Books überhaupt lesen zu können.

    *der in der Skoobe-App integrierte Reader bietet einen ähnlichen Komfort wie die App „ibooks“ von Apple. Das Schriftbild kann vergrößert werden, ohne dass der Schriftsatz aus den Fugen gerät.

    *als zweites Buch habe ich einen Cartoon-Band aus der Serie „Simon’s cat“ ausgeliehen. Auch die farbigen Zeichnungen wurden gut abgebildet.

    *im Online-Modus gibt es eine Art Timeline, mit der man in Echtzeit erkennen kann, was gerade über Skoobe von anderen (anonymen) Nutzer ausgeliehen, kommentiert oder bewertet wurde. Es war allerdings gestern abend um 19.30 Uhr nicht viel los bei Skoobe.

    *eine Hitliste zeigt die Ausleihrenner und dabei wird dann auch der wichtigste Unterschied zur Onleihe deutlich:

    *man muss bei ausgeliehenen Titeln nicht auf die Rückgabe des E-Books durch den anderen Nutzer warten, sondern kann aus dem kompletten Sortiment E-Books sofort ausleihen.

    *zum Titelangebot: gestern habe ich in meiner Lieblingsbuchhandlung den neuen Roman „K“ von Tom McCarthy (ID-Besprechung noch nicht vorhanden, es gibt bisher nicht ‚mal einen Eintrag in der ekz-Datenbank) entdeckt, aber noch nicht gekauft. Abends habe ich das Buch als meine dritte Skoobe-Ausleihe auf mein ipad geladen.

    *bei Skoobe werden viele aktuelle Titel angeboten. Da Skoobe ein Projekt von Bertelsmann mit Random House sowie der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist, ist die Auswahl auf Titel dieser Verlagsgruppen beschränkt. Nach dem ersten Eindruck ist für mich persönlich die Trefferquote höher als bei der (immer besser werdenden) Onleihe.

    *offline kann man „nur“ die ausgeliehen Titel lesen, eine Recherche im Skoobe-Katalog oder Zugriffe auf Merklisten, Listen mit Lieblingsbüchern, bereits zurückgebenen Büchern usw. sind offline natürlich nicht möglich.

    *eine Leihfrist scheint es nicht zu geben, allerdings ist der Platz auf dem „Ausleihregal“ auf 5 Titel beschränkt, so dass man für neue Ausleihen Platz schaffen und ein oder mehrere E-Books zurückgeben muss. Die Rückgabe ist jederzeit möglich!

    *Erstes Fazit: gute Auswahl, gute Performance, aus meiner Sicht deutlich besser als die Onleihe – kostet aber auch für den einzelnen Nutzer 120 Euro „Jahresgebühr“. Das oben erwähnte Geschäftsmodell wird Vielleser nicht unbedingt befriedigen.

    Oke Simons, 01.03.2012

  2. Random House macht sich in den Staaten gerade beliebt, indem es für Bibliotheken die Preise von ebooks verdoppelt und mehr, vgl. librarianchat.

  3. Yes, we want: „We want to provide this service…“ Das ist die knallharte Verhandlungsposition eines theoretischen Kundenkartells. „We don’t want“ scheint keine Option zu sein, denn wenn Bibliotheken nicht mehr für konjunkturunabhängigen Cashflow sorgten, entfiele ihre Existenzberechtigung aus Sicht der Lieferantenmonopole. Doesn’t it? Und dann hätten sie die Bibliotheken nicht mehr lieb.

  4. Großer Nachteil: Nur iPad/Phone. Auf den Dingern jeden Monat bis zu 5 Bücher zu lesen, kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Ich habe mir letztens aus Jux ein kostenloses Kindle-Buch auf mein iPhone geladen, um das mal auszutesten, und obwohl die Bedienung und Menüführung wirklich gut und die Schrift auch alles andere als zu klein ist, selbst auf dem kleinen Bildschirm, kann ich nicht lange am Stück lesen, ohne meinen Augen mal eine Pause gönnen zu müssen.