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Das von Haller und Niggeschmidt herausgegebene Buch “Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz : von Galton zu Sarrazin ; die Denkmuster und Denkfehler der Eugenik” ist ein Buch, das in seinem Kern – einer Bibliographie der Quellen von Sarrazin – im September 2010 zu erstellen Pflicht und Schuldigkeit von Bibliothekaren gewesen wäre. Anknüpfend an meinen Beitrag in netbib „Bitte nicht“ will ich bibliothekarische Pflichtverletzung und Schuld darstellen. Die These ist, dass sich hier ein konstitutives und systematisches Problem bibliothekarischer Behandlung des Themenfelds Migration zeigt. Da das Buch von Haller/Niggeschmidt der Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist, belege ich meine These nur schlaglichtartig. Beleuchtet werden für das rassistische Elend Schlamp von Basedow1764; sowie das Hamburger Elend. Ich wollte auch das multikulturelle Elend am Beispiel von Kaiser darstellen, habe das aber gestrichen. Gehe jeder dem selber nach, ob meine Situationsschilderung und seine Handlungsempfehlungen (im migazin und bei Böll Migration – Integration – Diversity) kompatibel sind. Der Artikel wurde am 17.04.12 erstellt und nur an offensichtlichen Stellen aktualisiert.
1. Recht weit vorne in dem Sarrazinbuch findet sich eine Stelle, ab der man nur noch den Wunsch hat, dieses zuzuklappen. Sarrazin zitiert dort MacDonald, einen Erforscher “evolutionsbiologischer Strategien des Judentums”, der in dem Prozess Irving v. Lipstadt von Irving als Gutachter benannt wurde. Mitte Januar 2012 suchte ich nochmals etwas zu MacDonald. Bei google fand sich unter den ersten Suchergebnissen das weblog von Fjordman, einem antiislamischen Hassblogger. Nach dem Massaker von Utøya nahm man kurzzeitig eine Identität von Fjordman und Breivik an. Das Schweifen durch diese Wahnwelt musste ich wegen physischer Unerträglichkeit abbrechen. Bei einem neuerlichen Versuch, diese Seite anzusehen, war diese nicht mehr vorhanden. Zufällig hatte ich die Seite gerade in dem Moment ihrer Umstellung besucht. As der Schwerter, einer der Übersetzer von Fjordman, hat seit dem 17.01.12 einen eigenen Blog. Neben Islamkritik gibt es Judaismuskritik: “Wir sind rechts und judaismuskritisch, und das ist auch gut so!”. MacDonald ist häufiger Gast, zuletzt Mai 2012. Postings erhalten die Schlagwörter/tags: ‘Judaismuskritik’, ‘Judentum’, ‘Organisiertes Judentum’. Die Frage, ob Juden als Feinde im Rassenkampf anzusehen sind, spaltet gegenwärtig die antiislamischen Hassblogger – in Europa wie den USA. Als Faustregel gilt, dass diejenigen, die sich auf MacDonald beziehen, auch eine Lösung der Judenfrage wollen.
Eine gepflegtere Form des antiislamischen Blogs ist “Die Achse des Guten”. Es ist für Leute, die die Schwelle zur Ermordung von 77 Menschen in Handarbeit nicht überschreiten und lieber auf der heiteren Seite des Massenmords bleiben wollen. Wie etwa Schlamp von Basedow1764. Sein posting vom 11.09.10 “Das Uckermark-Gen” hat einen update vom 22.02.12; ich weise hier ausdrücklich darauf hin, damit die Quellen von Schlamp bekannt sind. Schlamp verlinkt dort auf einen Beitrag von Schertz zur Intelligenzforschung. Dem gleichen Thema widmet sich bei “Die Achse des Guten” in drei Teilen im März 2011 Kulke (früher linksradikal, heute auch Intelligenzforscher). Kulke führt zustimmend die Arbeiten von Volkmar Weiss, der 2005/06 für die NPD im Landtag von Sachsen Mitglied der Enquete-Kommission “Demografische Entwicklung” war, an. Schlamp verweist auf Weiss ohne namentliche Nennung in einem Update 17.10.10 zu einem Beitrag vom 01.12.09: “Die SED hat daher zum Ende ihrer Herrschaft nach Einflussfaktoren für Intelligenz gesucht. (Wovon sich Sarrazin hat inspirieren lassen!)” Weiss wird in dem Buch von Haller/Niggeschmidt eingehend im Beitrag von Kemper dargestellt. Ich gehe hier auf das in antiislamischen Blogs derzeit stark diskutierte Thema der Vererbung von Intelligenz nicht weiter ein. Eines muss klar sein: die politisch-strategische Bedeutung des Redens über Intelligenz und Genetik, Sarrazins Hauptthema, liegt darin, eine Gruppe “Muslime” biologisch konstituieren zu können, ohne das Wort Rasse zu benutzen. Das Wort Rasse stand bei Sarrazin ursprünglich sehr wohl: “Irgendwann in einer Spätphase meinte der Verlag, ich sollte doch überall das Wort „Rasse“ durch „Ethnie“ ersetzen. Das habe ich dann auch gemacht.” (Interview mit Broder, TAZ 07.12.10)

2. Vor fast zwanzig Jahren fragte Gilman konsterniert, welche Kraft die Untoten, die Kadaver aus der rassistischen Gedankenwelt immer wieder zum Leben erwecke; mögen sie auch noch und noch widerlegt sein. Kulke a.a.O., Sarrazin vorher behaupten, dass es Intelligenztests in der NS-Zeit nicht gegeben habe. Kaum noch überschaubar sind heute die Studien, die sich z. B. lokalhistorisch der Anwendung des nationalsozialistischen Erbgesundheitsgesetzes widmen; vielfach abgedruckt die IQ-Tests, die für die Betroffenen im Rahmen der Euthanasie Folgen von der Zwangssterilisierung bis zur Tötung durch Ersticken hatten. Für mich erschreckend ist, dass im Verlaufe der Sarrazindebatte nicht nur delirierende Außenseiter von Muslimen aber auch von Juden reden wollen. Man sollte das – hier nur anekdotisch angeführt – ernst nehmen.

a. Sarrazins Bezugnahme auf den Judenforscher MacDonald hatte ich schon genannt.
Anfang 2011 erschien ein Buch von Löffler „Integration in Deutschland : zwischen Assimilation und Multikulturalismus“, die ihm bekannte Sarrazindebatte konnte er in das Buch nicht mehr einarbeiten. Löffler verfolgt die These, dass Integration von Einwanderern (nur die betrachtet er) nicht nur als System- und Sozialintegration erfolge, sondern diese erst dann vollständig sei, wenn die Einwanderer das Wertesystem der Gesellschaft übernommen hätten. Die These wird geschwätzig ausgebreitet. Als ein Beispiel, dass sich die Einwandererkultur in einem assimilatorischen Prozess auf die deutsche Kultur zuzubewegen habe, führt er die Juden an (S. 86). Immerhin billigt er Juden ein Assimilationsstreben seit dem 19. Jahrhundert zu – nach 1000 Jahren verstockter Anwesenheit bei uns Deutschen. Obwohl die Juden nun unser Wertesystem übernommen haben und integriert sein müssten, verzichtet er auf eine Erklärung, wieso es zu dem Ereignis Auschwitz kommen konnte. (Empirische Grundlage für Löffler ist ein Beitrag von Korn: Das Dilemma der jüdischen Kultur in Deutschland, FAZ 01.10.09. Eine Rede anlässlich des Neubaus der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien; Korn geht es um die kulturelle Neubelebung der jüdischen Religionsgemeinschaft durch jüdische Studien an Hochschulen, durch Bibliotheken.) Recht lustig ist eine Lücke bei Löffler: den klügsten Kopf einer systemtheoretisch argumentierenden Soziologie, Nassehi, sucht man in seinem Literaturverzeichnis vergeblich, trotz dessen einschlägiger Arbeiten. Nassehi hat einen Bezug zur Sarrazindebatte: auf einer Veranstaltung im Literaturhaus München bei einer ersten Präsentation des Sarrazinbuchs wurde er von einem bürgerlichen Mob nieder geschrien (SZ 30.09.10). Nassehi hat sich später (SZ 29.11.11) nochmals geäußert: “Letztlich lebt die liberale Gesellschaft von Unsichtbarkeit. Nicht in dem Sinne, dass man die Pluralität nicht sieht; entscheidend ist vielmehr, dass das fremde, das unvertraute, das andere Milieu nicht weiter auffällt, weil der Alltag eben nicht auf kulturelle Integration angewiesen ist.” Ich habe diesen mir sympathischen Gedanken in netbib schon früher anlässlich eines Artikels von Nassehi im Februar 2010 aufgegriffen. (Ein weiterer Artikel von Nassehi zu Sarrazin aus der FAZ vom 18.10.10 findet sich jetzt in dem Sammelband ‚Gesellschaft verstehen‚.)

b. Nur kurz möchte ich einen Satz eines exponierten Verteidigers von Sarrazin, Dohnanyi, zitieren. ”Also bitte keine Feigheit mehr vor Worten wie Rasse, Juden, Muslime. Es gibt sie. Man darf über sie nachdenken, man darf sie benutzen. Nicht gedankenfeige sein! Aber nie rassistisch!” (SZ 06.09.10). Die Frage sei erlaubt: aus welchem Anlass sollte man eigentlich in der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2010 über Juden reden?

3. Das von Dohnanyi geforderte Reden über Rassen und Juden wie auch das über Intelligenz kann in Deutschland auf eine Tradition zurückblicken. Dieser Tradition geht das in der Einleitung angezeigte Buch von Haller/Niggeschmidt nach. (Zum Inhalt: http://www.von-galton-zu-sarrazin.de/ ) Eng an das Buch von Sarrazin angelehnt, werden von zu dem jeweiligen Bereich international ausgewiesenen Autoren dessen Quellen diskutiert. Nur eine Textgattung kann sich dem Sarrazinbuch stärker nähern: das wäre die doch recht eigentlich bibliothekarische Gattung der Bibliographie. Ich habe im November 2010 die Erstellung des bei Sarrazin fehlenden Literaturverzeichnisses angeregt. Eine systematische Darstellung der Primärquellen und deren Einordnung durch eine überreiche Sekundärliteratur ist erhellend – Bibliotheken würden noch nicht einmal ein “Neutralitätsgebot” verletzen. Auf MacDonald geht der Beitrag von Gilman ein. Einer der Herausgeber des Buches hat mir gesagt, dass ihm die Diskussion in netbib völlig unbekannt war. Hätte Gilman bei Kenntnis von “Bitte nicht” in netbib seinem Beitrag eine Widmung vorangestellt? “Für Dr. Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek Duisburg, Kämpfer für die Freiheit eines Buches, dessen Auflagezahlen denen der Starautoren des Eher Verlages nahe kommen”?

4. Springen wir von dem typischen bibliothekarischen Funktionär, für den die Bestsellerliste das bibliothekarische Ethos ausdrückt, zu einem, der die Wertfrage als eine rassistische, als eine der Bewertung menschlicher Gruppen stellt. Man könnte – wollte man es sich einfach machen – nur die direkten Äußerungen Schlamps zu Sarrazin analysieren. Jobmann hat sich dem kritisch in den Kommentarspalten von Basedow1764 gewidmet, er steht da – fast – alleine auf weiter Flur. Im bibliothekarischen Raum (in weblogs wie der Fachpresse) gibt es keine weitere Diskussion von Schlamps Ansichten; Basedow1764-Leser scheint eine rassistische Bewertung der Menschen, für die Schulbibliotheken eingerichtet werden, nicht weiter zu stören. Nähern wir uns Schlamp von den Rändern. Nicht von offensichtlichen Kontroversthemen (Sarrazin), sondern von scheinbar neutralen. Die Frage der Intelligenz hatte ich schon erwähnt. Sie ermöglicht Gruppen nach ihrer genetischen Disposition zu bilden. Dem korrespondiert die höhnische Zurückweisung von sozialen Herkunftsfragen als Determinante für Bildungserfolge. Zu den Dummen und den Armen kommt eine dritte feststehende Gruppe, die mal religiös (Muslime) , mal national (Türken/Araber) bestimmt wird. Die sozialwissenschaftliche Willkür dieser Gruppenbildung ist offensichtlich (indonesische Muslime=koptische Araber=sephardische Türken?). Die Form, wie Individuen in die Gefängnisse der Gene, der Schicht, der Religion in geradezu ostzonaler Form interniert werden, erschreckt. Werfen wir einen kurzen Blick in ein solches Internierungslager. Schlamp stellt am 04.10.11 eine Studie von Toprak für die KAS zu muslimischen Kindern und Jugendlichen in Deutschland vor. Ein brauchbarer Überblick; den Ansatz Topraks, soziale Phänomene aus kulturellen Eigenschaften von Gruppen zu erklären, teile ich nicht. (Das Problem zeigt sich bei seinem aktuellen Buch: „Unsere Ehre ist uns heilig“. Wie immer auf der schmalen Grundlage extern nicht überprüfbarer qualitativer Interviews bildet er vier Typen muslimischer Familien in Deutschland. Der Buchtitel hebt dramatisierend auf nur eine dieser Gruppen ab; Toprak hat es nicht für nötig befunden, dem Verlag zu erklären, dass bestimmte türkische Namen und Begriffe Sonderzeichen erfordern.) Schlamp scheint sowohl die allgemeine Literatur aus erziehungswissenschaftlicher, soziologischer, kriminologischer, ethnologischer Sicht unbekannt zu sein (schon eine grobe Suche im GBV zu ‘türkischen Jugendlichen’ liefert viele hundert Treffer), als auch die seit einem Jahrzehnt von Toprak selbst vorgelegten Beiträge. (An anderer Stelle in seinem Blog klagt Schlamp darüber, dass diese Unkenntnis von dem Verschweigen durch Linke, Gutmenschen herrühre.) Entscheidend ist, wie Schlamp die Toprakstudie liest: sie liefert ihm eine Erklärung der fundamentalen Unterschiede (zu uns, muss wohl ergänzt werden). Stellt Toprak heraus, dass er eine klar umgrenzte Teilgruppe beschreibt, so freut sich Schlamp, endlich “schlechte Leistungen und Disziplinschwierigkeiten muslimischer Kinder” aus muslimischen/türkisch-arabischen Erziehungsstilen erklären zu können. Diesen muslimisch/türkisch-arabisch internierten Kindern stehen “deutsche Lehrer” gegenüber, die pädagogische Situation stellt sich Schlamp nur noch als Schauplatz des Bürgerkriegs Deutscher gegen Türken und Araber dar. Stück für Stück baut Schlamp uns seine völkische Ostzone. Die Ausbürgerung haben wir schon: die sogenannten Türken unter den Schülern dürften mehrheitlich deutsche Staatsbürger sein. Der Schießbefehl fehlt noch. Wie der aussieht, empfehle ich, sich beim unter 1. genannten schwertasblog anzusehen.

5. Ich hatte in früheren Beiträgen auf Probleme der Beschlagwortung des Sarrazinbuches verwiesen. Vor weiteren Ausführungen zu diesem Thema muss man die Frage stellen, ob die bibliothekarische Tätigkeit der Beschlagwortung überhaupt ernst zu nehmen ist. Da ich seit September 2010 etwas ausgedehnter “Kataloge lese”, kann ich mir über die Schlampigkeit der Katalogisierung nur die Augen reiben. (Die Titeldatenübernahme bei kooperativer Katalogisierung durch Bibliothekare im gehobenen Dienst beschränkt sich offensichtlich auf das Setzen eines Indikators für Bestand Ja/Nein.) Hier nur aus den Nachweisen für das Sarrazinbuch im GBV: Für die 13. Aufl. entsteht eine Dublette; die ZBW hatte die nicht dumme Idee, die Schlagwörter ändern zu wollen. Sie fügt „*Wirtschaftslage ; Bevölkerungsentwicklung ; Muslime ; Soziale Integration ; Multikulturelle Gesellschaft ; Deutschland“ den Daten der DNB hinzu, dies führt zur Doppelung. Redundant sind aber auch die Schlagwörter, etwa ‘Muslim’ (so SWD) aus der DNB-Schlagwortkette und ‘Muslime’ (so der Deskriptor im STW). Das Geographikum steht übrigens am Ende der ZBW-Schlagwortkette. Alle deutschen Bibliotheken, die den Sarrazin von der Onleihe aufgeschwatzt bekommen haben, haben in den Titeldaten scheinbar die DNB-Daten übernommen. Nicht ganz: aus der ‘Unterschicht’ ist nämlich ‘Unterricht’ geworden. So schnell werden wir Deutschen überfremdet, wenn wir nicht aufpassen!

6. Was lesen wir denn in den DNB-Daten – wenn wir sie lesen? Wir lesen ‘Fundamentalismus’; dies ist kein “wesentlicher Inhalt” bei Sarrazin, eine Schlagwortvergabe ist nicht nachvollziehbar. Wir lesen nicht ‘Eugenik’; dies ist ein “wesentlicher Inhalt” bei Sarrazin, ein Schlagwort wird nicht vergeben. Sehr wohl aber lesen wir ‘Überfremdung’, ein auf der Benennungsebene (politischer Sprachgebrauch) und auf der begrifflichen Ebene (ausgedrückter Sachverhalt der sozialen Wirklichkeit) problematisches Wort. Anderthalb Jahre nach der Erstveröffentlichung erscheint 2012 die Paperbackausgabe, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky ist erstbesitzende Bibliothek im GBV. Die Schlagwörter sind unverändert. Es sind Schlagwörter, die bei verständiger Betrachtung offensichtlich fehlerhaft sind. Nach den Maßstäben wissenschaftlicher Kommunikation wären bei evidentem Verstoß gegen die Richtigkeit einer Aussage Änderungen zu erwarten. Diese Maßstäbe wissenschaftlicher Kommunikation sieht die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky anscheinend nicht als die ihren an. Schlagwörter sind Ergebnis der Setzung aus einer Machtposition, nicht der Geltung je falsifizierbarer Aussagen. Im März 2012 hatte ich das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften angeschrieben. Dessen Bibliothek hatte für die 2011 erworbene 19. Aufl. gleichfalls die DNB-Daten. Dort und im GBV wurde jetzt ‘Überfremdung’ für die 19. Aufl. gestrichen. Das Beharren der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky tritt hier unangenehm hervor: zu erwarten wäre eigentlich, dass begriffliche Kontrolle bei der Beschlagwortung in Annäherung an den wissenschaftlichen Sprachgebrauch von der zuständigen deutschen poltikwissenschaftlichen Fachbibliothek geleistet wird, oder? Unangenehm ist aber auch, dass der Begriff der Überfremdung von einer den Namen Carl von Ossietzky tragenden Bibliothek verwandt wird. Seine Bücher wurden 1933 auf dem Opernplatz als wider den Volksgeist verbrannt. Volksgeist bezeichnet in Anschluss an Herder den soziale Gruppen, „Völker“, „Ethnien“ angeblich kennzeichnenden einheitlichen Geist; eine der wichtigsten sozialwissenschaftlichen Richtungen ringt darum, diesen „Herderian approach“ (Wimmer) zu überwinden. Wenn nun der Volksgeist der Wind ist, der durch das Volk weht, wie heißt dann der Gegenwind? Der Gegenbegriff ist doch wohl Überfremdung? Ohne Mühe finden sich Belege für eine nationalsozialistische Verwendung von Überfremdung. Ich plädiere immer für eine Arbeit konkret am Material. Die Autoren der aktuellen Ausstellung zu NS-Raubgut verweisen auf den Direktor Wahl und dessen Mitgliedschaft im Verein/Volksbund für das Deutschtum im Ausland und mindestens zwei Ausstellungen nach 1933 zum Thema. (Leider enthält das Handbuch der völkischen Wissenschaften keinen eigenen Artikel zum VDA, dort aber grundlegend zum historischen Kontext.) Wieviele Belege finden sich in den Akten der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky zum Wortfeld Überfremdung, Entartung, Zersetzung?

7. Wie bereits gesagt, knüpft das Buch von Haller/Niggeschmidt in der Kritik eng an das Buch von Sarrazin an. Erhellt werden Sarrazins Quellen; die behandelten Sachverhalte bleiben dieselben. Entsprechend müssten die für die beiden Titel vergebenen Schlagwörter sachlich gleich sein. Wie sehen diese aus? Im GBV ist erstaufnehmende Bibliothek die der TU Braunschweig, Schlagwörter vergibt zuerst die Teilbibliothek Diakonie, Gesundheit und Soziales der Hochschule Hannover. Da die DNB-Daten noch nicht vorliegen, werden die Schlagwörter “Eugenik ; Rassismus ; Leistungsgesellschaft” vergeben. Da werken straight antirassistische Sozialpädagogen. Leistungsgesellschaft hat zwar nichts mit dem Buch von Haller/Niggeschmidt zu tun, aber man erinnerte sich wohl an den Titel “Rassismus in der Leistungsgesellschaft”. Dann werden aus der DNB die tadellosen Schlagwörter “*Sarrazin, Thilo / Eugenik / Kritik / Aufsatzsammlung” zusätzlich eingespielt. Ende März werden aus dem BVB die Schlagwörter “*Dysgenik ; Gegenauslese ; Paperback / softback ; Rassismus ; Ungleichwertigkeit ; Unintelligenz” eingespielt. (Nicht von Halle, Erfurt, der TIB, die erst im April/Mai katalogisieren.) Kurz danach werden die Hannoveraner Schlagwörter im GBV und dann auch lokal gelöscht. Wir können hier eine problemlose Wandelbarkeit der Schlagwörter konstatieren; das Beharren auf den Schlagwörtern zu Sarrazin tritt noch eklatanter hervor. Sehen wir die Schlagwörter aus dem BVB genauer an. Als ich diese dort erstmals sah (in der Kategorie “Weitere Inhaltsbeschreibung”; jetzt sind die DNB-Daten als Schlagwörter eingespielt), hatte ich verzweifelt nach der Kategorie Schlagwörter gesucht. Ich wollte nicht glauben, dass dies Schlagwörter sein sollten. Man wird sie nur mit Nachsicht einer natürlichen Sprache zuordnen können (“Unintelligenz”); das gilt auch für “Dysgenik”, das sich bei Sarrazin adjektivisch benutzt findet. Als englisches Wort gibt es “dysgenics”. Aktuell ist dieser Begriff dem britischen Psychologen Lynn zuzuordnen; zu Lynn insbesondere der Beitrag von Sesín in dem Buch von Haller/Niggeschmidt. Er ist Autor des Buches “Dysgenics : genetic deterioration in modern populations”, das zwei Jahre nach der “Bell curve” von Herrnstein/Murray erschien. Die Library of Congress und die British Library vergeben zu Lynns Buch die Schlagwörter ‘Human [population] genetics’, in den Library of Congress Authorities findet sich kein Eintrag ‘dysgenics’. (Von dem Buch gibt es eine mir unbekannte 2. Aufl., diese „[…]updates the first edition and contains two new chapters; one on the decline of the world’s IQ, and the other on the dysgenics of immigration“, so der Hinweis auf Lynn’s Ulster Institute for Social Research.)
Das blog „Menschenrechte statt Eugenik“, hier die schöne URL: http://guttmensch.blogspot.de widmet sich seit Februar 2011 den eugenischen Quellen von Sarrazin. Dort finden sich historische Nachweise für eine Nutzung von Gegenauslese bis zur NS-Rassenhygiene. Gemäß diesem Autor übersetzt Gegenauslese Dysgenik; als bibliothekarische Schlagwörter in einer Kette wären sie redundant. Eine frühe Verwendung von „Contraselection“, wenn auch nicht Gegenauslese, findet sich bei Ploetz: Die Tüchtigkeit unserer Rasse und der Schutz der Schwachen von 1895. Er sieht den „Rassenprocess“ durch Auslese der Starken und Ausjäten (seltener: Ausmerzen) der Schwachen bestimmt. „Das Überleben der Tüchtigsten bedeutet in Wirklichkeit die Vernichtung der Untüchtigen. (S. 219) U. a. durch wohlfahrtsstaatliche Eingriffe funktioniere aber das „Ausjätesystem“ nicht mehr. „[…] Contraselection wächst in höchst bedrohlichem Maasse.“ (S. 194) Interessant ist der Artikel und die Diskussion (!) http://de.wikipedia.org/wiki/Dysgenik (weniger ergiebig der englische Artikel; umfangreicher talk). Die diskutierte Schlagwortkette wurde von den Seiten des Springer-VS Verlags übernommen; dort mögen die keywords ‘Dysgenik’ und ‘Gegenauslese’ mit der abenteuerlichen Strategie der Herausgeber korrespondieren, Personen, die apologetische Literatur zu Dysgenik suchen, auf kritische Beiträge zu lenken. Kann man dies auch als Absicht derjenigen vermuten, die diese Schlagwörter in den GBV (vorher BVB) übernommen haben? Wieso dann die Vermischung mit offensichtlich unsinnigen Wörtern wie Unintelligenz? Wieso die Verwendung von ‘Gegenauslese’ – ein Schlagwort, das in der SWD synonym mit dem präferierten Schlagwort ‘adverse Selektion’ ist, einem versicherungswirtschaftlichen Fachbegriff? Oder dürfen wir eine völlige bibliothekarische Unkenntnis als Grund einer Übernahme von Begriffen aus der Schule eines Hauptvertreters des scientific racism annehmen? (Sarrazin gehört gleichfalls zur Lynn-Schule.)

8. Gehen wir nochmals auf die Schlagwörter zu Sarrazin ein. ‘Überfremdung’ als Begriff impliziert eine Perspektive. Eine soziale Gruppe wird durch extern induzierte Ereignisse tatsächlichen oder vermeintlichen Änderungen ausgesetzt. (Bibliothekare scheinen das Schlagwort für nötig zu halten. Es ist ein Schlagwort der SWD; nach dem Beitrag “Bitte nicht” in netbib wurde es aktualisiert und mit einer Erläuterung versehen.) In der Schlagwortkette bei Sarrazin taucht es so auf: “Deutschland Bevölkerung Überfremdung”. Als soziale Gruppe, die externen Einflüssen ausgesetzt wird, darf man die Deutschen annehmen. In der folgenden Kette werden die Muslime genannt, offensichtlich die Akteure des Überfremdungsvorgangs. In dieser Kette gibt es auch den Begriff ‘Migrationshintergrund’. Die Bevölkerung Deutschlands hatte 2010 einen Anteil mit Migrationshintergrund von 19,3 %, der Ausländeranteil lag bei 8,8 %; die Gruppe mit Migrationshintergrund besteht also mehrheitlich aus deutschen Staatsbürgern. Das Gebräu der Schlagwörter zu Sarrazin ist mehrfach unhinnehmbar: die Deutschen werden durch Muslime überfremdet; sie werden aber auch durch eine Gruppe überfremdet, die mehrheitlich aus deutschen Staatsbürgern besteht. Den Vorwurf, dass der Schlagwortgeber die Perspektive derer teilt, die durch migrationshintergründige Muslime überfremdet werden, kann ich nur erheben. Zu belegen ist er bei alleiniger Betrachtung der Schlagwörter nicht. (Das Schlagwort ‘Migrationshintergrund’ ist in der bibliothekarischen Verwendung sehr problematisch. Es wird bibliothekarisch als eine Eigenschaft der Person aufgefasst; die Verwendung zur Benennung einer Personengruppe “Migrationshintergrund” ist abwegig. Völlig unbeachtet bleibt, dass dieser Begriff aus der bundesdeutschen Bevölkerungsstatistik stammt und nur dort Sinn macht. Unzulänglich ist auch die Erläuterung in der SWD; die bibliothekarische Qualitätsquelle ist Wikipedia. Ohne Nennung eines Zugriffsdatums, obwohl die Versionsgeschichte des Artikels von 2006 bis April 2012 reicht.) Die Frage der geteilten Perspektive lässt sich sehr wohl belegen, wenn man einen anderen Teil der Titelaufnahme hinzuzieht. Es handelt sich um die Annotation; DonBib hatte hierauf erstmals hingewiesen. Eine Vielzahl von deutschen Bibliotheken haben den Klappentext des Sarrazinbuchs in die Annotation kopiert; im GBV findet sich diese als “Inhalt” für das ciando e-book. Der letzte Satz lautet: “Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, davon handelt dieses Buch.” Sieht man Schlagwörter und Annotation als Einheit, dann scheint mir der Vorwurf einer geteilten Perspektive (Bibliothekare rechnen sich dem “man”, dem “wir” der Deutschen, das überfremdet wird, zu) zwingend. Der letzte Satz der Annotation lässt schaudern. “Was man dagegen tun kann” – was immer das heißen mag; historisch gehört zu den verwirklichten Maßnahmen der vollzogene Mord, in ferner Vergangenheit als NS-Rassenhygiene, in naher Vergangenheit als Morde des NSU. Bahners hat sein Buch “Die Panikmacher” mit der Frage abgeschlossen: “Was wollen sie [die “Islamkritiker”]?“ (Es war die Frage Mommsens an Treitschke im Berliner Antisemitismusstreit.) Ich stelle die Frage an deutsche Bibliotheken: Was wollen sie?

9. Eine besondere Form der Ergänzung der Schlagwörter zu Sarrazin hatten die Bücherhallen Hamburg gefunden. Sie fügten ein Schlagwort ‘interkulturell’ hinzu; das Buch wurde in den gleichnamigen Interessenkreis aufgenommen und mit dem Aufkleber ‘interkulturell’ für den IK versehen. Als hierauf in netbib im November 2010 hingewiesen wurde, fand sich das Buch in der Zentralbibliothek an drei Orten: im Erdgeschoss (dort stand die Gruppe Efn 4), im 1. Stock (dort stehen die Spiegel Bestseller), im 2. Stock (dort steht der IK interkulturell). Zu dem Zeitpunkt gab es den Sarrazin mit einem Aufkleber interkulturell nur in der Zentralbibliothek; jetzt hat sich die Zahl vervielfacht. Ich empfehle den Bestandsnachweis für Sarrazin im Katalog der Bücherhallen anzusehen – und wie das aussieht, wenn den Nutzern dieses Buch als interkulturelles Qualitätsmedium empfohlen wird. Bei den Bibliotheksbesichtigungen zum Bibliothekartag kann man sich das auch physisch ansehen: in der Zentralbibliothek ist Rassismus interkulturell, in Neuallermöhe ist Rassismus interkulturell, in Billstedt ist Rassismus interkulturell. Um das Elend interkultureller Bibliotheksarbeit zu erfassen, lohnte sich eine Detailanalyse des Bestands des IK interkulturell. Hierhin geht man, wenn man etwas über Zombies wissen will: Ermordete Frauen, entführte Kinder, Machomännchen. So sind sie, die Kulturen, die uns hier vorgestellt werden. Die beim Aufbau des IK wohl doch etwas zu peinlich hervortretende Ausrichtung wird seit Ende 2011 nicht mehr so impertinent sichtbar. Die Gruppe Fam 1 (unsere ausländischen Mitbürger) wurde bis auf einen nicht nachvollziehbaren Restbestand aufgelöst und dem IK eingegliedert. (Die Gruppe Fag 1 jedoch, Rassismus, blieb unverändert.) Das Schlagwort interkulturell wurde gelöscht (nur ein Titel hat das große Schlagwortmassaker überstanden), es gibt jetzt nur noch ‚interkulturell IK/SACH‘ als Suchergebnis, nicht mehr in der Kategorie Schlagwörter. Die neu eingefügten Bestände des IK sind für Außenstehende über eine Analyse der Katalogdaten nicht mehr zu erkennen. Konkret am Material hätte sich hier nachweisen lassen, dass Interkulturalität als Thema erst spät wahrgenommen und als Modetrend ausgestaltet wurde. Es ist eine Mode der etwas roheren Art. Seit März 2012 findet sich der Sarrazin interkulturell vertont in 12 Audio-CDs im IK viermal, sowie in Wandsbek und Bergedorf. Was immer auf dieser CD zu hören sein mag: ich erinnere daran, dass sich das ganze Ausmaß des Sarrazinschen Rassismus aus der in den Anmerkungen genannten und nicht gesondert verzeichneten Literatur ergibt. Kann ein vertontes Sachbuch in einer auch nur minimalen Form zu einer kritischen Durchdringung der Quellen führen? Ist die Tonlage der Kritik überhaupt die des Liedes, das die Bücherhallen anstimmen wollen? Neben dem Sarrazin findet sich im IK interkulturell ein Titel aus 2011, erworben wohl erst 2012. Es ist die Studie „Ein Jahr nach Sarrazin. Eine Debatte und ihre Folgen„. Die Studie wird herausgegeben vom IfS, dem Institut für Staatspolitik, einer Organisation, die der emeritierte Professor der Bundeswehruniverstät Gessenharter als eine der Organisationen mit Scharnierfunktion zwischen bürgerlicher und extremer Rechter analysiert hat. Das Thema der Broschüre ist, ob der Schwung der Islamkritik nach Sarrazin zur Gründung einer rechtskonservativen Partei hinreicht. Die Bücherhallen Hamburg bezeichnen das als interkulturell. Auf den Seiten des IfS und seiner Zeitschrift Sezession schreibt am 17.04.12 auch Weiss: Ist Intelligenz erblich? – Eine Klarstellung. Die Startseite des IfS weist auf das Buch ihrer neuen Reihe der „Berliner Schriften zur Ideologienkunde“: „Sozialbiologie. Geschichte und Ergebnisse“ von Andreas Vonderach, besprochen am 01.03.12 in der Sezession, hin. Man lese Vonderach original z. B. in http://www.klartextjetzt.net Er ist aber auch Autor von“Anthropologie Europas„. Das Buch ist tatsächlich im Bestand der Bücherhallen. In einem mit Büchern umgehenden Beruf ist der Ares-Verlag bekannt? Denkt man da an klassische Mythologie oder Kampf ums Dasein und extreme Rechte? Zuckt niemand bei dem Titelbild zusammen? Den gezeigten Typus der Frau nennt die Rassenkunde heller (blonder) Langschädel. Denkt sich jemand etwas bei einer Literaturangabe Mühlmann: Rassen- und Völkerkunde. Lebensprobleme der Rassen, Gesellschaften und Völker. Braunschweig 1936? (Die Literaturangaben in den Anmerkungen sind noch weit umfangreicher als die des Literaturverzeichnisses.) Die dort genannten Autoren von Eickstedt und Schwidetzky sind bekannt? Wenn nicht, lese man einführend die Einträge zu ihnen im o.g. Handbuch der völkischen Wissenschaften. Sie gehören zur Breslauer später Mainzer Schule der typologisch argumentierenden Rassenkunde. (Vonderach vermischt typologische und – von ihm bevorzugt –  genetische Rassenkunde.) Es gibt einen Bezug zu Hamburg, weil das hiesige Institut für Humanbiolgie 1996 ff. sehr stark wegen seines Bezugs auf die von Eickstedt-Schwidetzky-Rassenkunde kritisiert wurde. Lassen wir weitere Ausführungen. Es geht um die Bücherhallen. In den Bücherhallen ist Rassimus interkulturell. Und sie verbreiten Rassismus.

10. Dem aktuellen Verwendungszusammenhang des Wortes Überfremdung kann man auf der nationalsozialistischen website http://mein-hh.info/nachrichten2012/ueberfremdungsnetzwerk.htm nachgehen. Dort werden die in Hamburg in der Migrationsarbeit tätigen Personen – durchaus kenntnisreich – als Teil eines Überfremdungsnetzwerks dargestellt. Die Aufführung des Integrationsbeirats überrascht – wie auch an anderer Stelle gilt, dass jemand, der den Integrationsbeirat als relevant ansieht, sicher nicht aus der migrationspolitischen Szene kommt. Alle genannten Personen sind mir aus politischer Zusammenarbeit persönlich bekannt. Die frühere SPD Bundestagsabgeordnete Akgün hat irgendwo gesagt, dass sie leider nicht die Unkenntnis allseits verbreiteter Rassismen habe, sondern in deren Kenntnis handele. Das Gleiche gilt für mich. Eine Bibliothek,  in deren Katalog Wörter benutzt werden, mit denen man im Internet zum Freiwild erklärt wird, verursacht mir Übelkeit.

11. Das schwertasblog beschlagwortet seine Beiträge; eines der Schlagwörter lautet ‘Rasserealismus’. Rasserealismus verhält sich zu Rassismus wie Überfremdungsangst zu Überfremdung.

12. Der Bibliothekartag 2012 in Hamburg hat die Möglichkeit, sich aus aktuellem Anlass zu Überfremdung zu äußern. Am 2.Juni 2012 wird es in Hamburg einen „Tag der deutschen Zukunft“ geben. Veranstalter ist die Initiative Zukunft statt Überfremdung. Das Motto ist: “Unser Signal gegen Überfremdung – Gemeinsam für eine deutsche Zukunft!” Der Bibliothekartag kann sich in die Gegner der Überfremdung oder in die Gegner der Gegner der Überfremdung einreihen.

13. Oder einfach mal schweigen. Ich schlage vor, den ganzen Volkstumsschrott aus dem IK interkulturell der Hamburger Zentralbibliothek für die Woche des Bibliothekartags aus den Regalen zu räumen und zu magazinieren. (Bevor Plagiatsvorwürfe kommen: ja, es ist Ullmans Denkmal von unten nach oben gekehrt.) In die leeren Regale stelle man einzig das Buch “Schluss mit der Deutschenfeindlichkeit! : Geschichten aus der Heimat”. Für die Beschriftung der Regale reicht ein kleiner post-it Zettel (wir wollen ja keine Weihestätte) mit der Aufschrift mea culpa.

PS: Ich möchte diesen Beitrag einem armen Schwein widmen, einem Penner, dem klassifizierenden Blick als dysgenisches Material erkennbar, der am 11.05.12 um 16 Uhr durch zwei Polizeibeamte unter Anwendung unmittelbaren Zwangs, also Ziehen, Schubsen, Nachwerfen des Rucksacks, von dem fast menschenleeren, zugigen Platz vor der Zentralbibliothek der Bücherhallen (gemäß meiner Nachfrage bei der Polizei auf deren Veranlassung) verwiesen wurde. Sie können: Rassismus. Und sie können: Ausleseförderung.

Handbuch der völkischen Wissenschaften