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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

„So geht Innovation“ vs. „Oasen in der hektischen Welt“


„Das ist mit den Büchern auch so“ … ein typischer „Dueck“. – Die Vorsitzende des dbv sieht bei diesen Trends aber Chancen, die Bibliothek habe ihre beste Zukunft noch vor sich! Ein Bedarf an Beratung sei gegeben und die Bibliothek könne ein attraktiver Ort in vielerlei Hinsicht sein. Gelesen in der Frankfurter Rundschau.

8 Kommentare

  1. Von Nassim Taleb stammt sinngemäß das Beispiel, dass wir den Innovator Columbus deshalb so bewundern, weil die anderen Innovatoren beim Absaufen keine Aufzeichnungen hinterlassen haben. Heute saufen Innovatoren nicht mehr ab. Das Absaufen ist in innovativen Firmen ein kontrollierter Prozess: Bei großen Playern kontrolliert durch hohe Margen, bei kleinen Start-Ups kontrolliert durch das Insolvenzrecht. Einer kam durch. Das verbraucht naturgemäß enorme Ressourcen. Von den gescheiterten Innovatoren redet Dück nicht. Darin besteht sein Framing. Natürlich gibt es auch den genialen Bastler, der mit einer Garagenmonatsmiete die Welt verändert, doch der dürfte eine Ausnahme sein. In Bibliotheken waren Innovatoren früher diejenigen, die bei der Budgetzuteilung den Kürzeren gezogen hatten. Heute gibt es NUR noch Innovatoren, glaubt man den Selbstdarstellungen. Beim Riskokapital „Steuergelder“ allerdings herrschen noch die alten Gesetze. Innovation kommt also von außen: DA sind die Ressourcen. Im Fall der Bibliotheken besteht die Innovation vielleicht darin, dass die Bibliotheken verschwinden werden. Das IST dann die Innovation.

  2. Verehrter Herr Stilzchen,
    Sie wissen ja garnicht, wie ungern ich Ihnen widerspreche. Dück spricht sehr wohl von Scheitern (auch mit eigenen Ideen), denn er spricht über die Grenze, bei der aus Ideen Innovationen werden – und was man tun muss, um diese Grenze zu überwinden. Man muss es nämlich für die „ja, abers“ akzeptabel machen, das heißt die „ja, abers“ müssen erkennen, dass die Umsetzung der Idee unterm Strick für sie vorteilhaft ist.
    Er sagt, man muss sich die Argumente anschauen, die die „ja, abers“ ins Spiel bringen.

    Er sagt aber auch, die Argumente der „nein, weil, weils“ könne man getrost ignorieren, denn die würde man dann einfach überrollen. Übersetzen Sie überrollen mit schließen. Das nennt man aber vermutlich nicht Innovation sondern Darwinismus – aber das ist ja kein Widerspruch.

    Bitte schmelzen Sie nicht bei diesen Temperaturen im Rheintal
    Die Ihre

    • Liebe Frau Drauz,

      die von Ihnen ins Spiel gebrachte Grenze („ja, aber“) ist eine psychologische Grenze auf Seiten des Innovations-Empfängers. Die wird vom Innovator mittels Trial and Error geknackt. Wo die Grenze genau liegt, weiß der Innovator nicht. Er hat Ressourcen, es auszuprobieren und ein Innovationsempfänger wie Dück geht davon aus, dass es irgendwie (!) klappen wird – seine Frau is not convinced. Sind Bibliotheken nun Innovatoren oder Innovationsnehmer? Welches Risiko ist Frau Dück eingegangen und welche Ressourcen hat sie verbraucht? Herr Dück hat alles schon vorher gewußt. Bibliotheken probieren noch: Second Life – Ressource: Zeit, Facebook – Ressource Zeit, Onleihe – Ressourcen: Zeit und Geld. Auch Dück hat nichts innoviert, er hat spekulierend investiert. Also: Innovator oder Innovations-Empfänger? Oder Spekulierer (nicht Spekulant)? Oder Laborratte für innovative Experimente? Eine nette Laborratte, weil sie ihr Fressen selbst mitbringt …

      Herzliche Grüße mit kühlem Wickel

      Tremotino

  3. @Outroupistache Ja, in der Tat ein ganz altes Thema, auch literarisch durchaus bearbeitet:

    Denn die einen sind im Dunkeln
    Und die andern sind im Licht.
    Und man siehet die im Lichte
    Die im Dunkeln sieht man nicht.

    Das ist mir beim Lesen von Biographien aufgegangen, es gibt da so dicke Bücher über Krupp oder auch Bosch, dass die nicht nur Unternehmergeist hatten, sondern an bestimmten Scheidewegen durchaus auch einfach Glück. Ist wahrscheinlich überall so: Wäre Bayreuth heute etwas, wenn Wagner keinen Kinni gefunden hätte, der bereit war, das zu finanzieren?

    Aber Bibliotheken zu schließen („bibliothekssterben“) als Innovation bezeichnen? Attraktive Mehrzweckhallen, bespielt von Bibliothekarinnen/Bibliothekaren, das soll doch unsere Zukunft sein! (s.o., dbv)

  4. Oh, Herr Dück ist durchaus auch Innovator (gewesen – jetzt Ruhestand). Data-Warehouse, Cloud Computing – natürlich alles unter der großen blauen IBM Flagge, aber seine Babies. Aber Frau Dück ist eine Dipl.Bibl., eine echte Herausforderung, finde ich 🙂

    Ein anderes Problem ist natürlich die Sache mit dem Haushaltsrecht und ob probieren diesen Grundsätzen entsprechen kann. Vorallem wenn man die Situation von Anfang an so definiert, dass probieren „alternativlos“ ist. Wir wären ja gerne Prophet, aber der blöde Berg kommt einfach nicht (ersetze Berg durch neues Urheberrecht o.ä.)

    Aber heute ist trotzdem mein Glückstag – ein Kommentar mit Bertold Brecht und dem ollen wagelaweia Wagner gemeinsam – das ich das noch erleben darf…

    Zurück zum Thema: Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!

    Wochenendgrüße
    Jenny