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Claim: Informationskompetenz ist Aufgabe der DGI

Beim Ansehen eines Filmes über die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Informationswissenschaft auf einer Tagung der DGI stolpere ich an der Stelle 1:25:53 über die Aussage von Dr. Luzian Weisel, Vizepräsident der DGI: „Bibliothekare fördern keine Informationskompetenz, sie vermitteln Bibliothekskompetenz“. Und er fährt fort:

„Die Informationswissenschaft gibt bisher keine Antworten, was ist Informationskompetenz in Schule und Unterricht. Das ist nicht, eine Bibliotheksführung zu machen, vor Ort, sondern in den Unterricht zu gehen, vor Ort zu sein, die Module zu erstellen, die Bildungsstandards zu verändern und so weiter. Das ist Politik, eigentlich eine Aufgabe der DGI und weiterer Kreise.“

Diese Frontstellung könnte man jetzt achselzuckend oder verärgert abtun, man kann sich aber fragen, warum unsere Profession (komisch, eigentlich hätte ich die Informationswissenschaftler dazu gezählt. So schnell geht das mit dem Auseinanderdividieren …) eventuell zu dieser Sichtweise verleitet bzw. berechtigt. Die Präsenzen informationskompetenz.de und informationskompetenz.ch sind voll von Zeugnissen, wie intensiv sich von bibliothekarischer Seite inhaltlich und didaktisch um dieses Thema gekümmert wird. Ebenso Lotse. Oder das LIK. – Aber zugegebenermaßen gibt es in unserer Profession viele ungedeckte Schecks, in Wissenschaftlichen Bibliotheken beispielsweise, wenn „Informationskompetenz“ bedeutet, dass 2-3 lizensierte Datenbanken geschult werden und nicht mehr. Oder in Öffentlichen Bibliotheken, wenn in der Tat Bibliotheksführungen für Schulklassen adjektivreich bereits als Informationskompetenz verkauft werden.
Ungedeckte Schecks, Claims – eigentlich ist das Feld „Informationskompetenz vermitteln“ so umfangreich, dass nicht nur Informationswissenschaftler/innen und Bibliothekarinnen/Bibliothekare, sondern auch Lehrerinnen/Lehrer und Wissenschaftler/innen mehr als genug zu tun hätten, bevor man auch nur an Konkurrenz denken muss/kann. Je mehr Verbände – die von mir aus dabei gerne mit verschiedenen Stimmen sprechen dürfen (ch kann dieses „Wir-müssen-fusionieren-um-mit-einer-Stimme-sprechen-zu-können-damit-man-uns-auch-ernst-nimmt“-Argument schon nicht mehr hören) – sich hier tummeln, dies politisch und praktisch befördern, desto besser. Und je mehr Initiativen wie z.B. INFOKOS arbeiten, noch besser. Herr Weisel hat das „vor Ort“ betont. Sehr gut: Wir sind alle gefragt, an unseren Arbeitsstellen!

4 Kommentare

  1. Drüben im fakebook-Account von netbib kommentiert Uwe Nüstedt: „Höre ich fast jeden Tag – dass Bibliotheksführungen wortreich als „Informationskompetenzvermittlungschulungen“ ausgegeben werden.“

  2. Übrigens scheint es mir beim Zitat im Artikel von der Aussage her ziemlich wahrscheinlich zu sein, dass statt „Informationswissenschaft“ die „Bibliothekswissenschaft“ gemeint war. Dann würde sich hier die Aussage decken mit der Diskussion im Bereich der Schulbibliothek, dass „Schulbibliothek“ mehr sein müsse als ordentlich beklebte und in Reihen gestellte Bücher.

  3. Der Link zu „Lotse“ müsste aber doch zu http://lotse.uni-muenster.de/ führen, oder nicht? Der aktuelle Link sieht für mich eher nach Werbung aus. Das nur mein bescheidener Beitrag zur Informationskompetenz. 😉

  4. Danke! Ist berichtigt. 🙂