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eBooks und Bibliotheken und Verlage

In Großbritannien tobt die Diskussion schon seit einigen Wochen: Dass von Verlagsseite das „Kannibalismus“-Argument bemüht wird, um Bibliotheken das Recht abzusprechen, eBooks zu verleihen [Beleg z.B. hier im zweiten Absatz] Phil Bradley, Präsident des britischen Bibliotheksverbandes CILIP, ist in seinem Blog hier und dann nochmal hier argumentativ darauf eingegangen, dass es eben nicht so ist, dass eine Ausleihe von eBooks gleichzeitig einen Umsatzeinbruch im Buchmarkt bedeutet.
Nun schwappt das offensichtlich herüber, denn im Buchreport gab Verleger und Börsenvereins-Verbandsfunktionär Ulmer ein Interview, in welchem die selben Argumente wie in der britischen Debatte bemüht werden:
– (drittletzter Absatz) die Ausleihe kannibalisiere den Buchmarkt und die lokale Bibliothek mit eBook-Ausleihe hätte nur noch eine Konkurrenz: Eine andere Bibiliothek anderswo mit weniger Jahresgebühren
– (vorletzter Absatz) die Bibliotheken müssten begreifen, dass sie in Konkurrenz mit den Verlagen stünden und beide müßten Geschäftsmodelle entwickeln, die sich ergänzten (ich kann das Wort „win-win-Situation“ schon nicht mehr hören, insbesondere wenn es mit dem „echte“ ergänzt wird)
– (letzter Absatz:) die Bibliotheken sollten bitteschön lediglich die sozial und bildungsmäßig schwachen Schichten bedienen.
Eigentlich komisch, dass es noch Verlage gibt, oder? Denn mit dem Medium Buch hätte ja die selbe Gesetzmäßigkeit greifen müssen, das hängt ja nicht von der Vertriebsform ab. Komisch eigentlich, dass die Leute immer Bücher kauften und noch kaufen. Ob nicht die Bibliotheken das „Schaufenster“ waren, die einen qualitätvollen Blick ins Buch ermöglicht haben? Will meinen: Ist noch zu prüfen, ob diese Panik-These überhaupt stimmt.
Und die Bibliothek als Versorgungsanstalt der sozial Schwachen und bildungspolitisch Bedürftigen – trifft eigentlich ganz gut die Situation mancher ÖBs? Warum das nicht zugeben und gleich die Zielgruppe einschränken? („Bert Brecht-Bibliothek für sozial Schwache“; „Hartmut-von-Hentig-Mediathek für Bildungsbedürftige“) Die Almosen der niedrigen Lizenzgebühren nehmen, die hier von Verlegerseite geboten wird und als Abteilung des Sozialamtes agieren, das wäre es doch? Oder ist das doch eher eine echte Lose-Lose-Situation?