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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Bibliothekar verschanzt sich mit seinen Büchern …

… und draußen wartet das Polizeikommando.

„Er kämpft einen ebenso heroischen wie wahrscheinlich aussichtslosen Kampf zur Rettung der europäischen Kultur“

Keine Sorge! Eine Kunstfigur eines Kabarettisten! Oder doch Grund zur Sorge?! Seit wann sind wir – über das pure Shhhht! hinaus – denn Gegenstand von Kabarettisten? Shhht! [via Osnabrücker Zeitung]

3 Kommentare

  1. „WIR?“ – Oh doch, schon lange. In den Neunzigern wurde ich von einer befreundeten Bildungseinrichtung zum Jubiläumsfest eingeladen. Abends das unvermeidliche Kulturprogramm: Der Höhepunkt war ein Kabarettist, der einen Bibliothekskunden spielte. Der Kunde hatte sich einen Stepptanz-Ratgeber entliehen, hielt sich mit einer Hand an der Stuhllehne fest und umklammerte in der anderen das Buch mit der Tanzanleitung. Während er laut den Text aus dem Ratgeber vorlas, steppte er in Zeitlupe drauflos.

    Kabarettistisch war es aber schon vorher, als der Chef einer anderen befreundeten Bildungseinrichtung die Jubiläums-Laudatio hielt. Dieses Mal nicht auf Präambel-Niveau: Eigentlich sei er – der Laudator – fehl am Platz, denn seine Einrichtung habe eine völlig andere Vorstellung von Bildung. Die mit öffentlichen Mitteln subventionierte Jubiläums-Bildungseinrichtung arbeite nachfrageorientiert und käme den Bedürfnissen der Endkunden nach. Seine „eigene“ Bildungseinrichtung mache Arbeitnehmer fit für den Arbeitsmarkt und befriedige damit einen gesellschaftlichen Bedarf unhabhängig von individuellen Bedürfnissen, die möchten sein wie sie wollten. Es habe ja jeder so seine Bedürfnisse, doch das ginge den Staat nichts an. Deshalb sei seine Einrichtung eine Bedarfsanstalt und die Jubiläums-Einrichtung eine – alle Gäste hielten den Atem an – Bedürfnis… einrichtung. Puh, Glück gehabt. Der Laudator war vom Arbeitsamt.

  2. Mal abgesehen, dass ich zu einem anderen WIR gehöre, aber Eugene, the Librarian, sehe ich mir bei „Britains got talent“ immer wieder gerne an 🙂
    share my passion on youtube: http://www.youtube.com/watch?v=X2sG6S4dwxk

  3. Auch in diesem Beispiel scheinen die Übergänge fließend, s. Kommentar: „It’s an act you retard, he’s not really a nerd.“ Erinnerte mich an mein erstes Kunden-Kompliment: „Du kleines Arschloch mit der runden Brille wählst doch bestimmt die Kommunisten.“ Er war sauer, weil ich ihn aufforderte, seine Kommentare über das Gesäß meiner Kollegin zu unterlassen. Mein zweit-liebstes aus dem beruflichen Poesiealbum von einer Mutter, deren Kind eine Seite nach der anderen aus dem Bibliotheks-Buch riss, während die Mutter seelenruhig zuschaute, worauf ich – kabarettreif beherrscht – sagte: „Würden Sie bitte dafür sorgen, dass ihr Kind nicht öffentliches Eigentum zerstört?“ Darauf die Mutter: „Sie haben doch nur Bücher im Kopf und bestimmt keine Kinder! Außerdem ist das ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass Kinder hier nichts zerstören können. Die Regalböden sind zu niedrig.“ Ich vermisse das leider eingestellte aci-Weblog einer Buchhändlerin zum Thema Kundenwahnsinn. Bürger, Kunden! Stellt euch der ausgleichenden Gerechtigkeit!