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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Endkundenorientierung der ekz

Wir hatten ja vor zwei Jahren schon einmal darauf hingewiesen, dass die ekz nicht nur Bibliotheken, sondern auch Endnutzer als Kunden in den Blick fasst. Im neuesten ekz-Report (S. 2) oder auch auf der Webseite der ekz gibt es den Hinweis auf das Portal „Sofortwelten.de“, welches für „anspruchsvolle Kunden“ eine „qualitätvolle Alternative zu Amazon & Co.“ bieten soll. Ein Mehrwert, der diesen Kunden geboten wird, steht ihnen nach Einloggen zur Verfügung: Die „unabhängigen Rezensionen und Leserannotationen“ der Lektoratskooperation, freilich mit Zeitverzögerung. Dies erscheint in zweierlei Hinsicht problematisch:
– die Annotationen sind in Richtung Bestandsaufbau geschrieben. Zum Teil enthalten sie direkte Hinweise darauf, zum anderen wird der Vergleich zu ähnlichen Titeln betont, weniger das Inhaltsreferat. Es könnte sein, dass die Bedürfnisse von Endkunden hier anders ausfallen als jene von Lektorinnen/Lektoren.
– neben ekz-Mitarbeiterinnnen und -mitarbeitern und bezahlten Rezensentinnen und Rezensenten arbeiten auch „Instituts“-Lektorinnen und -Lektoren mit. Diese erhalten außer den Büchern keine weitere Vergütung und rechtlich ist es wohl so, dass die Bücher in den Bestand der jeweiligen Bibliothek gehen sollen.
Ein „G’schmäckle“ – bleiben wir bei der Wortwahl im Schwäbischen – hat das wohl, denn die letzte Gruppe sieht ihre Dienstleistungen, erbracht und bezahlt durch den jeweiligen Arbeitgeber, nun auch in einem privaten Buchportal, nämlich http://www.sofortwelten.de der ekz-Gruppe, ohne dass dies explizit vorher thematisiert wurde.
Vielleicht ist die Tatsache, dass öffentlich finanziertes Wissen privatwirtschaftlich verwendet wird, auch nicht schlimm. Wenn man einmal den wissenschaftlichen Bereich ansieht, dann ist das dort gang und gäbe – man denke an das Beispiel Elsevier. Hier ist es aber ein ausgehandelter Prozess, dass das Wissen quasi die Seite wechselt. Bisher dienten die Annotationen dem Bestandsaufbau in Bibliotheken. Jetzt auch, um eine Gegenposition zu den Kundenrezensionen von Amazon aufzubauen.

Ein Kommentar

  1. Was ist die Meldung? Dass niemand so recht zu wissen scheint, in welchem Umfang die Rezensenten auf ihr geistiges Eigentum verzichten? Dafür gibt es ja wohl einen Vertrag, der das regelt. Dass die ekz GmbH nicht nur ein Bibliotheksgnadenspender ist? Oder dass Endkunden andere Infos wollen als Bibliothekare? Wow, das wäre doch mal eine Erkenntnis auf die Bibliothekskunden schon lange hoffen 😉