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Autoritäre Netzwerke

Das sind schöne Überlegungen (keine Ironie!) Überlegungen, die Jürgen Fenn in seinem Blog „Schneeschmelze“ da anstellt:

  • die eigentlich mittlerweile als antiquiert angesehenen Kommunikationsform der Mailinglisten waren/sind Öffentlichkeit im eigentlichen Sinne, da alle mithören und potentiell mitdiskutieren können, wohingegen
  • die neuen sozialen Netzwerke so gestrickt sind, dass man in Form seiner Daten und seiner Kommunikation löhnen muss, ohne mit allen verbunden zu sein (wie bei einer Mailingliste), ja, auch das Risiko trägt, dass er/sie nach unliebsamen Einträgen einfach abgeschaltet wird.

Am Ende seines Posts fasst er zusammen:

„Die alten virtuellen Räume dagegen waren dezentral, und sie waren gerade so entworfen worden, damit autoritäre Kontrolle und Zensur keine Chance haben sollten. Das gibt, angesichts des massenhaften Zuspruchs, den solche Strukturen heute finden, zu denken. Man sage nicht, die Benutzer hätten es nicht gewußt und sich dieser Plattformen trotzdem bedient. Wohl eher gerade deswegen.“

Ein Kommentar

  1. Das Wort „Verfall“ taucht in dem Beitrag öfter auf. Es gehört dem gleichen Wortfeld an wie „Perversion“. Das Wort „Gegenbewegung“ lässt Absicht vermuten. Der Abwehrspieler macht eine Gegenbewegung. Irre ich mich oder klingt das gekränkt? Macht das Wasser im Fluss eine Gegenbewegung? Ja – aber absichtlich? Was hat er erwartet? Kommune 2.0, herrschaftsfrei? Die behauptete Offenheit der bürgerlichen Gesellschaft kann ich in der Realität nicht erkennen – so oft sie auch postuliert worden sein mag. Wo kommen wir hin, wenn jedes Rumpelstilzchen seinen Senf dazu geben kann ;-)) ? Die sozialen Netzwerke widerlegen Karl Valentin:
    „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

    Facebook und Co. scheinen ein Problem lösen zu können, an dem die alte „Contentindustrie“ – auch die Bibliotheken – sich mit abnehmendem Erfolg versucht: Der künstlichen Verknappung von etwas, das unbegrenzt vorhanden ist. Die Fähigkeit, einem Ertrinkenden ein Glas Wasser anzudrehen. Der Content ist unbegrenzt, die In-Groups setzen die Grenzen. Ganz wie in der bürgerlichen Gesellschaft, nicht im Gegensatz dazu. Das unterscheidet Content-Exklusion von Gruppen-Exklusion à la Facebook. Bürgerlicher geht’s doch nicht.

    Gegenvorschlag: Nicht Autoritarismus, sondern Offenheit als Voraussetzung für den Netzwerkerfolg:
    http://www.neunetz.com/2010/04/02/zweiseitige-maerkte-die-grundlagen/