netbib weblog

Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Alle unsere Services

LinkResolver wie SFX & Co werden irgendwann überflüssig sein. Noch aber brauchen wie sie, damit unsere Hochschulangehörigen auch außerhalb unserer Webseiten von unseren Lizenzen und anderen Angeboten profitieren können. Google Scholar wäre zum Beispiel vielleicht nur halb so interessant, wenn bei den Suchergebnissen der Hinweis auf die individuell verfügbaren Volltexte fehlen würde. Aufsatzdatenbanken wie die Online Contents im GBV verleiten ohne LinkResolver zu sinnlosen Fernleihen, weil nur der Print-Bestand verlinkt ist.

Kann man alles anders lösen, ist aber noch nicht anders.

SFX, die Urmutter aller LinkResolver, trat vor vielen Jahren mit dem Anspruch an, kontextsensitives Linking bereitzustellen. Und – das muss man ExLibris zugestehen – diesen Anspruch versucht SFX immer noch einzulösen. Frühe SFX-Menüs versuchten, alles aber auch wirklich alles, was zu einer bibliographischen Angabe relevant sein könnte, in einem Pop-Up zu versammeln. Dann kam David Walker von Calstate und nahm Anfang 2007 das bestehende SFX-Menü gnadenlos auseinander: Improving the SFX menu.
Ich fand seine Erläuterungen damals bestechend, ExLibris offensichtlich auch, denn einigermaßen bald danach gab es das „Simplified Menu“. Bibliothekarisch gesehen entmündigt es den Nutzer: Es verzichtet auf viele Kästchen und Eingabemöglichkeiten und – noch viel wichtiger – Bibliotheken können Services nach Belieben priorisieren oder unterdrücken. Im besten oder schlimmsten Fall – je nach Sicht der Dinge – taucht das Menü mit den Services einer Bibliothek gar nicht mehr auf, sondern der SFX-Link führte direkt, so vorhanden, auf den Volltext.

Spannend ist, was die Bibliotheken inzwischen daraus machen.

Nehmen wir zum Beispiel: http://dx.doi.org/10.1006/jabr.2001.8928. Dies ist ein Artikel, der in jeder Bibliothek als Nationallizenz im Volltext verfügbar sein sollte. Und dann zum Beispiel die SFX-Menüs von einigen Bibliotheken, die mir regional nahe stehen:

10 Kommentare

  1. Den Hinweis finde ich interessant, aber noch interessanter fände ich, was Sie über die Beispiele denken. Oben schrieben Sie von „Entmündigung“, was die bibliothekarische Aufgabe eigentümlich interpretiert. Meinen Sie nicht, dass einige der Menüs den bibliothekarischen Job besser erledigen als andere?

  2. Touché. Ein Wort wie „Entmündigung“ sollte man nicht unbedacht verwenden.

    Es gibt aber sicher einen Grund dafür, dass viele Bibliotheken verfügbare Services gleichberechtigt in den Menüs anzeigen und dem Kunden die Auswahl überlassen.

    Ich persönlich finde das überfordernd. Für die TU Hamburg habe ich mich daher für die Priorisierung von Diensten entschieden.

  3. Ich vermute, die meisten Formulare sind in der Tat überfordernd. Habt Ihr in Hamburg mal ein paar Nutzer befragt, was die sich wünschen?

    • Nein. Aber die Nutzungszahlen ließen auch nicht vermuten, dass unser altes Menü mit der Zusammenstellung aller Services gut angekommen ist. Und die unrepräsentative Beobachtung zeigte auf vielen Gesichtern zu oft ein großes Fragenzeichen.

      Wir profitieren jetzt bei TUBfind auch sehr von dem direkten Verlinken: Die Online Contents Artikel aus dem Zentralen Index führen ohne Zwischenschritt direkt – so vorhanden – zum Volltext. Das kommt ganz gut an, auch bei den Kollegen.

      Vielleicht am Rande interessant: Google Scholar hat die Anzeige der LinkResolver-Services in die hinterste Ecke verbannt und zeigt nur noch auf den Volltextlink prominent an.

  4. Interessanter Vergleich. Die Screenshots sehen so aus, als ob viele Bibliotheken immer noch das alte, unübersichtliche SFX-Menü, anbieten. Das ist schon erschreckend. Ich frage mich, wie viele User hier entnervt abbrechen oder nicht auf den Volltext-Link klicken, obwohl er vorhanden ist. Die reinen Nutzungszahlen des Menüs sagen darüber ja nichts aus.

    Die TU Hamburg und die Leuphana verlinken wohl direkt auf den Artikel ohne SFX-Menü? Unser aktuelles SFX-Menü ist schon sehr abgespeckt, aber aus unserer Sicht immer noch zu kompliziert. Daher werden wir in unserem neuen Katalog auch die Direktverlinkung – ohne SFX-Zwischenfester – anbieten.

    Den User entmündigt man damit übrigens nicht, denn was nützen ihm Dutzende Infos und Links, die er nicht versteht? Es geht doch hier darum, dem Nutzer direkt und schnell den Zugang zum Volltext zu ermöglichen.

    • Die Beispiele lassen sich auch live ausprobieren: http://www.gbv.de/wikis/cls/ExLibris:_SFX#Lokale_Instanzen. Vielleicht gibt es noch ähnliche Zusammenstellungen an anderen Orten?

      Die Direktverlinkung kann ich nur empfehlen und für den lokalen Katalog / Discovery am besten kombiniert mit dem Image Based Linking.

      Die TU Hamburg verwendet – anders als die Leuphana – inzwischen ein Banner über dem direkt verlinkten Volltext. Dies bietet eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, Zugriffsprobleme zu melden (und diese wird auch genutzt). Außerdem zeigt es die bibliografischen Daten direkt über der Volltext-Seite an. Dass ist bei Seiten ohne Verlinkung oder mit Verlinkungsfehlern auf Artikelebene hilfreich, z.B. für Nationallizenzdaten in GetInfo.

  5. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (6.KW’13) « Lesewolke

  6. Pingback: Wie Discovery-Systeme meine Informationskompetenz-Aktivitäten verändern | Hapke-Weblog

  7. Pingback: Inetbib 2013 – Nutzerwünsche und soziale Aspekte | Lesewolke

  8. Pingback: Infobib » Komplexe oder simple Oberflächen?