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eBook-Piraterie

Der neue Gutenberg – Ebook-Piracy Report ist gerade erschienen. Wer nicht weiß, was das ist: Manuel Bonik und Dr. Andreas Schaale berichten in unregelmäßigen Abständen über die aktuelle Lage beim Thema eBook-Verkäufe und eBook-Piraterie (und versuchen auch illegale Angebote zu schließen, bzw. schließen zu lassen).

Es ist natürlich beeindruckend, wenn man liest, welche Mengen von eBooks an den Ladentischen vorbei gehen:

Aktuell liefert B***x.to im Monat ca. 2 Millionen Bücher aus (bzw. 1,5 Million nach der Umstellung). Hochgerechnet dürfte diese Menge die Gesamtzahl der legal verkauften Bücher in Deutschland von 12,3 Mio. Exemplaren im Jahre 2012 deutlich übersteigen. Das heißt, diese einzige Aktivität bringt aktuell mehr Ebooks in Deutschland in Umlauf, als Amazon, Apple und Co. in Summe im gesamten letzten Jahr.

Mein Mitleid mit den Verlagen hält sich in Grenzen. Wenn man sich ansieht, wie problematisch/aufwendig es ist, sich eBooks zu kaufen/installieren, oder auch über die Onleihe auszuleihen, wundert man sich nicht, warum viele Nutzer auf illegalen Seiten herumsuchen. Die dort angebotenen Titel sind dann auch nicht mit DRM verseucht, wie es bei den legalen Angeboten meist der Fall ist.

Ich hatt schon mehrfach Probleme mit ganz normal gekauften Medien, sowohl bei iTunes als auch bei meinem eBook-Reader.. Da wurde das Buch zwar in meinem Acoount angezeigt, aber ich sollte eine neue Version von ADE (Adobe Digital Editions) installieren, um es zu lesen. Die Datenbank von Adobe wurde jüngst gehackt

Im Oktober 2013 erfolgte ein Hackerangriff auf Benutzerdatenbanken von Adobe, bei dem unter anderem Identifikationsdaten von Digital-Edition-Kunden entwendet wurden. Betroffene Email-Adressen und deren Kennwörter wurden im Internet veröffentlicht

Auch mein Account war betroffen. Ich habe den Account dort nur gebraucht, um eBooks der Onleihe lesen zu können, danke Adobe, danke Onleihe….

Autor: Edlef Stabenau

Ich bin Bibliothekar

3 Kommentare

  1. Hier passt auch der Beitrag bei heise.de, bei dem auf die Probleme der Anwender bei der Nutzung von elektronischen Büchern hingewiesen wird, insbesondere auf die Nutzungs-Blockier-Funktionen (DRM):

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/E-Book-Shops-mehr-Lesestoff-gleiche-Preise-DRM-Wirrwarr-2060444.html

  2. Zum Glück gibt es inzwischen auch positive Beispiele wie die des SciFi-Verlags Tor Books (z.B. mit Robert Jordans Wheel of Time Serie), der seit mehr als einem Jahr komplett auf DRM verzichtet ohne Verkaufseinbußen durch Piraterie zu verzeichnen:

    http://arstechnica.com/business/2013/05/tor-books-says-cutting-drm-out-of-its-e-books-hasnt-hurt-business/

    Damit fallen dann auch automatisch die allseits beklagten „Walled Gardens“ von Amazon, Apple usw., weil man dann das E-Book auch woanders kaufen und in das jeweilig benötigte Format z.B. mit Calibre selbst umwandeln kann. Bei mir ging das problemlos mit einem Buch, das ich bei KoboBooks DRM-frei als epub gekauft, mit Calibre nach mobi umgewandelt und dann auf meinen Kindle geladen habe.

    Ansonsten bleibt mir als Linux-Nutzer ohne ein dafür verfügbares Adobe Digital Editions (ADE) und den damit verbundenen „Spaß“ ohnehin nur die Kindle-Plattform übrig um online wie offline meinen Reader zu befüllen. Amazon macht es seinen Kunden wirklich sehr einfach mit DRM zu leben. Wenn ich demgegenüber andere Kaufplattformen betrachte, die einem ADE (und Windows) zwangsverordnen und einem dann auch noch lediglich 3 Downloads ermöglichen, dann fällt die Wahl der Plattform mit Amazon relativ leicht.

    Wenn schon DRM, dann sollten sich die deutlich geringeren Nutzungsmöglichkeiten (kein weiter-verkaufen, -verleihen, -verschenken, -vererben) gegenüber der papiernen „Vollversion“ auch in einem deutlich niedrigeren Preis niederschlagen. Das ist speziell bei deutschen Büchern – egal von welcher Plattform – leider nicht der Fall. Insofern habe ich bisher auch ausschliesslich englische Bücher gekauft (so 40-50) aber noch nicht ein einziges deutsches.

    Eines der eklatantesten Beispiele ist und bleiben die 5 Bände von den Songs of ice and fire (Game of Thrones):

    Deutsche Version (jeder Band in zwei Bände aufgeteilt):
    Paperback: 10 Bände a 15 EUR = 150 EUR
    E-Book: 10 Bände a 12 EUR = 120 EUR

    Englische Version;
    Gebunden: 5 Bände zusammen ca. 120 EUR
    Paperback: 5 Bände zusammen ca. 25 EUR
    E-Book: 5 Bände zusammen ca. 20-25 EUR

    Das Problem liegt neben DRM also auch in der Preisgestaltung deutscher E-Books. Und das hat nichts mit der Buchpreisbindung zu tun, die ja nur dafür sorgt, dass die Bücher überall gleich kosten. Den hohen Preise setzen nun einmal die Verlage selbst fest.

    Statt öffentlich-rechtlich gefördertes Amazon-Bashing zu betreiben sollten Verlage und andere Plattformen sich vielleicht einmal an ihre eigene Nase packen und diese beiden Punkte – DRM und Preisgestaltung – überdenken. Erst dann kann ein richtiger Wettbewerb in Gang kommen…

  3. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung – Plattformen wie boox verleiten natürlich dazu, einfach mal alles interessante herunterzuladen. Gerade da Boox ja auch mittlerweile eine Gebühr nimmt, ist die Versuchung groß, einen Monat zu zahlen und dann alles interessante herunterzuladen. Ob das dann wirklich gelesen wird, ist fraglich. Eine ähnliche Debatte hatten wir ja schon bei Musik, Spielen und Filmen, da laden die Nutzer auch fleißig nach Interesse herunter, hätten die entsprechenden Medien aber meistens nicht gekauft.