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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Die Leihbüchereien und die Onleihe

Eine nette Glosse im Techniktagebuch über die Barrieren, denen man bei Öffentlichen Bibliotheken so ausgesetzt ist. Die Onleihe ist ja das digitale Abbild dieser Büchereien – letzt sollte ich einer Freundin helfen, die wenigen Schritte nachzuvollziehen, dass sie mit ihrem iPad ein paar Bücher für den Urlaub ausleihen konnte. Immerhin, ich kam einige Schritte weiter als die ortsansässige lizenznehmende Bibliothek, die freilich den strategischen Nachteil hatte, dass bei ihr kein WLAN zur Verfügung stand (doch sicher nicht dauerhaft, denn es ist eine Institution, die mit 4 Sternen am BIX-Himmel strahlt). Wir scheiterten kurz vor Schluss, denn die Adobe ID war irgendwann schon einmal angelegt worden, Adobe schickte aber in der Zeit kein neues Passwort und die Freundin weigerte sich, ein anderes E-Mail-Konto anzulegen. Nun, entweder man kann oder man kann nicht. Wie heißt es so schön im Techniktagebuch:
„Bitte gebt mir doch eine Möglichkeit, auch die Anmeldung dafür online durchzuführen und nehmt endlich mein Geld!“
Letzteres ist Anlass für eine weitere Anekdote: Meine Kinder lesen nicht mehr in der Stadtbücherei. Sie sind Nichtnutzer. Von den letzten Kontobewegungen waren noch Mahngebühren von 10 € übrig geblieben. Man schrieb dem Kind, auf dessen Konto die Bewegungen gewesen waren (das war nicht notwendigerweise für dieses Kind gewesen, es kommt ja immer darauf an, in welchem Falle des Bedarfs welche Karte gerade zur Hand ist), justament kurz vor dem Geburtstag. Ich fand das gut, dass die Stadtbücherei zum Geburtstag schreibt und nochmal zum Lesen animiert – doch es war (immerhin in abgeschwächtem Amtsjargon) die Mahnung, dass da noch etwas offen steht. Das kam nicht soo gut an, weil es justament das Kind betraf, das so etwas persönlich nimmt. Meine Frau meinte, man könne das doch sicher überweisen. Sie recherchierte: Man kann nicht. Das Ende vom Lied war ein 2,5 km-Weg zur nächsten Zweigstelle (die Fahrbücherei in unserem Stadtteil hat pünktlich zu den Ferien ihren Halt eingestellt, aber in unserem Land sind alle professionell geführten Öffentlichen Bibliotheken ja in erreichbarer Nähe, flächendeckende Versorgung nennt man das) und persönliches Bezahlen. Es könnte sein, dass das Image dieser Institution, immerhin einmal „Bibliothek des Jahres“, nicht ganz so gut bei meinen Kindern ist. Sicherlich hilft die nächste Kampagne zur Leseförderung! Frage: einerseits eine 4-Sterne-BIX-Bibliothek und andererseits eine „Bibliothek des Jahres“ (es handelt sich um zwei verschiedene Stadtbibliotheken), das ist doch sicher eine privilegierte geographische Situation? Wie geht es denn den anderen da draußen? Den Nutzern, meine ich. Ach so, das beschreibt ja die Glosse im Techniktagebuch, von der wir ausgegangen sind.

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