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Das Kerngeschäft ist woanders

Also, diese Wortmeldung von Jochen Dudeck möchte ich denn doch gerne aus der Mailingliste Forum-OeB „heben“. Jochen ist völlig unverdächtig, nicht digital unterwegs zu sein – wenn man hier in netbib nach seinem Namen sucht, wird man seine Umsetzungen von Web 2.0-Diensten in der Stadtbücherei Nordenham immer wieder über die Jahre hinweg erwähnt finden. Von seinem Aufsatz im Handbuch Bibliothek 2.0 ganz zu schweigen… – Ganz egal, ob seine Zahl von 5 % der Nutzer stimmt, die sich für digitale Dienstleistungen interessieren, – seine These ist, dass das Kerngeschäft vielmehr die Veranstaltungen beispielsweise zur Sprach- und Leseförderung. Ich bin gespannt, wie die Diskussion auf Forum-OeB weitergeht!

4 Kommentare

  1. 95%tige Zustimmung. Jochen Dudeck legt den Finger in die Wunde. Damit der aus meiner Sicht wichtigste Satz nicht untergeht, wiederhole ich ihn hier noch einmal: „Tablets können zwar schöne Bilder produzieren, aber sie lächeln einen nicht an und genau darauf kommt es an.“

    Wenn die Sprachentwicklung der Kinder und Jugendlichen im Kontext von Schriftsprache / dekontextualisierter Sprache nicht gelingt, können noch so viele Informationen leicht und kostenlos verfügbar sein. Sie würden ins Leere fallen. Neuerdings wird das im Bereich Gaming sehr gerne übersehen. Schriftsprachliche Sozialisation gelingt paradoxerweise vor allem durch personale „Shared Attention“ und nicht durch Social Media Sharing. Entscheidend ist sind Person und Beziehung und nicht Produkte und Service. Ich bin auch nicht gegen digitale Angebote – nicht einmal gegen „Gaming“ – aber wir müssen aufpassen, dass wir uns unsere zukünftigen „Zielgruppen“ (Entschuldigung…) nicht selbst kaputt machen, indem wir uns an die Monetarisierungswellen Dritter anhängen, weil sich darauf leichter surfen lässt. Erst kommt das Fundament, dann kommt der Rest.

    Tut mir leid, dass ich das hier kommentiere und nicht bei Forum-OEB. Das ist eine Frage der Mail-Hygiene.

  2. Erst einmal Dank für die „Hebung“! Eine kurze Erläuterung, um was es mir geht. Ich bin der Überzeugung, dass wir – und da schließe ich natürlich mich ein – nur sehr begrenzt verstehen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Es gilt daher möglichst viele Stimmen, auch „einseitige“, zu sammeln, um in einem Dialogprozess die sprichwörtliche „Gestalt des Elefanten“ zu ertasten. Wir müssen glaube ich multiperspektivisch-vielstimmig vorgehen, um die Konsequenzen der Medienentwicklung zu begreifen. Gegenwärtig herrscht aber nur eine Stimme vor, die der – ich bin jetzt mal gemein – „Managementkaste“, die kaum Kontakt zur den Kunden hat, die sich inhaltlich in den herrschenden politischen Formeldiskursen bewegt – was ja ihr Job ist! Leider sind viele der weit gebrauchten „Formeln“ zu undiffererenziert, wenn nicht falsch. Beispiel wäre hier die Rede von der „digitalen Kluft/Spaltung“. Nach der neuesten ARD/ZDF-Onlinestudie sind aber 79% der Deutschen online. Wo ist also die Kluft? Oder meint man Medienkompetenz (was ist das inhaltlich?)? Es gäbe leider vieler solcher Beispiele…Aber auf Grund solcher Einschätzungen werden Strategien entworfen.
    Zu den 5 %. Ich rede hier von den OEBs (in den WBs sieht das ganz anders aus!). Trotzdem wir die Onleihe wie Sauerbier anbieten, kommen wir kaum über 3-4% Ausleihanteil hinaus. Soweit ich sehe, gilt das für die meisten Bibliotheken unseres NBib24-Verbundes. Noch leihen wir dreimal so viele Kinderhörspiele aus wie eMedien. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich das so schnell ändern wird.
    Soweit erstmal…

  3. Dieser Beitrag von Tom Becker verdient es auch, gehoben zu werden, wenn gleich aus anderen Gründen: http://listen.hbz-nrw.de/pipermail/forumoeb/2014-October/013516.html