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„Kuratieren“

Ein Wort, das auch im bibliothekarischen Zusammenhang immer öfter verwendet wird – und das mir nicht schlecht gefiel -, war das Wort „Kuratieren“ oder die Bibliothekarin/der Bibliothekar als „Kurator/in“. Das Wort zielt nicht nur auf das Filtern ab, sondern auch auf das sinnvolle Zusammenstellen der gefilterten Informationen, das richtige Vermitteln.
Nun, es lohnt sich vielleicht, auch einmal zur Seite zu schauen: Robert Michal schrieb letzt den Artikel „Wie das ‚Kuratieren‘ den Journalismus verändert“ und behandelt sowohl die Etymologie als auch die Verwendungsgeschichte. Zum einen sind es auch im Journalismus ganz alte Tätigkeiten, die neu benannt werden (aber im Grund könnte man die alten Begrifflichkeiten beibehalten), zum anderen deutet das Wort doch auf etwas Neues hin, auf einen Strukturwandel. Spannende Frage: Im Bibliothekswesen auch? Jedenfalls ist es nicht unklug, in dieser Hinsicht einmal über den Tellerrand zu schauen!

6 Kommentare

  1. Heißt „kuratieren“ auf bibliothekarisch nicht „standing order“?

  2. „Standing order“ ist das Gegenteil von „kuratieren“, ein fest eingestellter Filter. Ernsthafte Antwort für eine ironisch gemeinte Frage.

  3. Das Kuratieren war auch am Bibliothekartag in Bremen schon ein Thema: „Die Bibliothek als Kuratorin heterogener Quellen: Der ZLB-Themenraum“ http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte//2014/1619/

  4. Meine Frage war nicht ironisch gemeint, sondern ein rhetorische Arabeske, nämlich die als Frage getarnte Behauptung, dass die meisten Bibliothekare den Unterschied nicht erkennen.

    • Als ich Anno 2006 bemerkte, dass mich mein Rentenberater hinter die Fichte führt, dachte ich: Hey, du bist ein Bibliothekar und du kannst eine Bibliothek benutzen. Also suchte ich nach Büchern und Informationen zu der Frage: Was machen Versicherungen mit meinen Beiträgen? In „meiner“ Bibliothek fand ich die Frage nicht beantwortet. Im Umkreis von 70 Kilometern durchforstete ich die OPACs öffentlicher Bibliotheken und fand in jeder Bibliothek einen Sack ähnlicher Produktbeschreibungen, Rankings und Regelwerke, die sich nicht voneinander unterschieden. Hintergrundinformationen fand ich nicht. Erst über eine wissenschaftliche Bibliothek fand ich in der grauen Literatur den Aufsatz eines Versicherungsmathematikers, der sich mit der Theorie eines „Asset Meltdowns“ beschäftigte und der Frage nachging, ob die Kapitalgarantie der privaten Rentenversicherung möglicherweise eine Fiktion sei. Das war vor Lehman Brothers. Er verneinte zwar die Frage, doch je mehr ich las, desto mehr schien es mir, dass er das Gegenteil meinte. Vielleicht war das ja eine wissenschaftliche Arabeske?
      Die Geschichte hing mir nach und ich erzählte sie dem Asset-Manager einer Versicherung, den ich vor ein paar Wochen kennenlernte. Als ich zu meiner Frage kam, ob ein Asset-Meltdown die private Rentenversicherung zerschießen könne, antwortete er: „Das wüsste ich auch gerne.“ Soviel zum Thema Informationsgesellschaft.

      Die Differenz zwischen Ironie und Arabeske sind angesichts der täglichen Konfusion der Begriffe eine luxuriöse Finesse von Feingeistern, mit denen man keinen effizienten Output erzeugen kann. Weder mit standardisierten Bibliotheken, noch mit gleichgeschalteten, noch mit kuratierten.

      Aufklärung? Game over.

  5. Sehr geehrter Herr Stilzchen, erstens kennen Sie den Unterschied und zweitens sind Sie nicht „die meisten“.

    Von Zeit zu Zeit sollten alle mal über Vermutungen und Widerlegungen nachdenken. Dass es einen Bibliothekar mit einem Rentenberater gibt, das hätte ich nie vermutet.

    Auf die Widerlegung meiner Behauptung in luxuriöser Verpackung bin ich gespannt. Von wegen „game over“…

    Wochenend und Sonnenschein Grüße
    SD