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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Neues Berufsfeld: LiT und LiSt. Vielleicht sogar LiB.

Nach den gestrigen weiträumigen Zugausfällen wegen des Sturms und der Strandung Tausender in verschiedenen Bahnhöfen hat die Deutsche Bahn eine umfassende Marketinginitiative gestartet, die zeitnah bis 2026 umgesetzt werden soll: Reisende brauchen Lektüre! Zum einen werden Züge mit WLAN und Bahnhöfe nicht nur mit freien Hotspots, sondern auch mit einer elektronischen Bibliothek ausgestattet, die es Bahnkunden gestatten wird, auf Unterhaltungs- und Sachliteratur zuzugreifen. Es ist auch an einen Verleih elektronischer Geräte wie Tablets und eReader gedacht. Zusätzlich soll in allen Zügen eine Zugbibliothek mit Büchern eingebaut werden. Dem Vernehmen nach sollen dafür Teile des Zugbistros umgebaut und mit Büchern ausgestattet werden. Kunden der ersten Klasse werden selbstverständlich auch am Platz bedient! – Reisende sollen generell so gut mit Literatur versorgt werden, dass sie sich nach Naturkatastrophen, aber auch einzelnen Zugverspätungen sehnen, um mehr lesen zu können.
Sehr schön freilich ist, dass dieses Konzept auch personell unterfüttert werden soll: Es sollen Bibliothekarinnen und Bibliothekare eingestellt werden, die Züge betreuen, aufsuchende Bibliotheksarbeit durchführen und an Bahnhöfen spontane Leseförderaktionen (ad hoc werden Ehrenamtliche gesucht, die Vorlesepaten für reisende Familien werden) und Makerspaces in der Bahnhofshalle initiieren. „Librarian in Train“ und „Librarian at the station“ werden neue Berufsfelder, für die der Deutsche Bibliotheksverband selbstverständlich eine neue Kommission einrichtet. Denn, so der dbv, Kundenorientierung werde hier endlich nicht nur generell gedacht, sondern auf eine neue Zielgruppe bezogen: Auf die gestrandeten Nomaden der mobilen Gesellschaft.
(Leider muss vermeldet werden, dass seitens der Kundenverbände der Fernbusse Kritik laut wurde, dass das Konzept die Fernbusverbindungen nicht abdeckt. Es werden analoge Maßnahmen gefordert, vor allem ein „LiB“, ein „Librarian in Bus“. Die dbv-Kommission Fahrbibliotheken hat bereits begeistert auf diesen Vorstoß geantwortet, bedeutet der „LiB“ doch eine attraktive Erweiterung des Radius von Fahrbibliothekarinnen und -bibliothekaren!)