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Preusker-Medaille an Prof. Umlauf verliehen

Bericht von BID Bibliothek & Information Deutschland über den Festakt im Grimm-Zentrum der HU. Interessant darin der folgende Abschnitt:

„Professor Umlauf zeichnete in seiner Dankesrede ein kühnes Zukunftsbild der Bibliothek: Sie werde als Einrichtung ihre feste räumliche Gefügtheit verlieren, sich in einem ‚fluiden‘ räumlichen Zusammenhang mit anderen Einrichtungen wiederfinden. Auch der bibliothekarische Beruf werde seine Bindung an die Bibliothek zunehmend verlieren. Während früher die Aktivitäten der Bibliothekare im Vordergrund standen, werden es in Zukunft die der Benutzer sein. Diese wiederum werden ebenso voneinander lernen und leihen wie sie dies bisher in Bezug auf die Bibliothek taten. Die Einhaltung ethischer Grundsätze werde in diesem Szenario an Bedeutung gewinnen.“

4 Kommentare

  1. R.I.P.:
    „Die Bibliothek als Prinzip ist nicht verschwunden, sie hat sich vielmehr zu Tode gesiegt.“
    http://www.seesslen-blog.de/2015/11/03/alles-wissen-abschweifung-ueber-die-bibliothek/

  2. Wo wir gerade bei Nachrufen sind: Wer „B“ wie Bibliothekare sagt, sollte auch ‚“A“ wie Ausbildungsstätte sagen. Visionen der laudatischen Art sind oft konsequenzenverzögert, schließlich geht es hier um den großen denkerischen Wurf und nicht um die Verordnungen sächsischer Beamter. Die Frage drängt sich mir trotzdem auf: Wenn die Idee des bibliothekarischen Bedeutungsverlustes mit der Preusker-Medaille den Ritterschlag erhalten hat, wer drückt dann auf Ebene des alltagspraktischen Kleinkleins den dramatisch überproduzierenden Ausbildungsstätten das Kissen ins Gesicht? Moderne Volkswirtschaftler, auch die verhinderten, die dann Bibliothekar geworden sind, überlassen diese Arbeit gerne der unsichtbaren Hand des Marktes, jenem höheren Wesen wissenschaftlicher Zwangsläufigkeit, das wir alle verehren und dem nichts zuzurechnen ist. Verhinderte Historiker hingegen bevorzugen vielleicht die dynastische Lösung und dann ist es nicht egal, ob man eher dem preußischen oder dem württembergischen Adel angehört. Verhinderte Soziologen schwören auf den rheinischen Klüngel. Nur für Sachsen sieht es schlecht aus, denn der dortige Adel hat bei den Württembergern eingeheiratet. Oder ist das am Ende gut? Man blickt ja gar nicht mehr durch. Da tribalistische Erklärungsmodelle neuerdings wieder in Mode kommen und sich die McLuhan‘sche Theorie der Retribalisierung jenseits der Gutenberg-Galaxis mit moderner bibliothekarischer Theoriebildung als kompatibel erweist, sollte man gerade Sachsen nicht von vornherein verloren geben.

  3. You made my day! – Wie soll man Ihre kostbaren Kommentare charakterisieren? „Funkelnde Miniaturen von Esprit, die fin de sciècle atmen“?

    • Nein, noch nicht. Erst wenn der Klett-Verlag Lektürehilfen zu meinen Kommentaren anbietet, damit auch Bibliothekare sie verstehen.