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Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen

Phantomleser Chuck Finley

Kollegen in den USA haben über das Konto einer fiktiven Person Bücher ausgeliehen, um zu verhindern, dass Bücher aufgrund mangelndem Umsatz ausgesondert werden. Ein Artikel erschien in der FAZ, ein anderer bei heise.de. Englischsprachig wäre noch ein Beitrag im Guardian zu nennen. Die Lektüre der Kommentare lohnt sich bei allen drei Beiträgen.

4 Kommentare

  1. Automatische Makulatur, Warenwirtschafts-Algorithmus. Gibt es eigentlich bei der in Deutschland verbreiteten Bibliothekssoftware schon dieses zusätzliche Leistungsmerkmal für ein lieferantenzentriertes Bestandsmanagement zur impliziten Steuermittelübertragung von öffentlichem Eigentum an private Quasi-Monopole? Mir fehlt da gerade der Überblick. So ausgereift scheint mir das Feature allerdings noch nicht zu sein, wenn die Filalisierung von Bibliotheken noch durch anonyme Hinweise verhindert werden muss. Eine Auswertung des Bewegungsdatenprofils zur Ermittlung von Entleihungs- und Entleiher-Anomalien dürfte doch nicht so schwer sein, zumal auf einem Cloudserver mit Vergleichsdaten. Manchmal reicht ja schon ein analoger Blick in die Statistik.

  2. Im Gegensatz zu den Aussagen in den Artikeln wirft das System nichts automatisch weg. Weder im System noch real.
    Ich weiß nicht warum die Mitarbeiter in der fraglichen Bibliothek das glauben, Fakt ist, das das gar nicht möglich ist.

  3. „Das System“ – welches? In diesem Zusammenhang wurde mir von der Knowledge-Base einer Firma berichtet, deren Dateien automatisch gelöscht werden, wenn sie drei Jahre nicht geöffnet wurden. So ist das heute mit der Knowledge. Das geht grundsätzlich natürlich auch bei einer Bibliothekssoftware. Kennen Sie die dort eingesetzte Software? Es scheint mir alles andere als unmöglich: Bevor die Datensätze endgültig gelöscht werden, könnte man einen Report generieren: Dieses Zeug muss weg, die Datensätze sind es bei Drei, Zwei, Eins, Null. Natürlich könnte man die Bücher wieder einarbeiten, aber mal mit dem Scanner drüber – ist doch viel einfacher.
    Denkbar ist das auch in die andere Richtung: Sofern Budget vorhanden, automatischer Nachkauf bei mehr als x Vormerkungen / Entleihungen / Zeitraum. Warum Personalzeit mit so etwas verplempern? Ist dann noch der Lieferant gleichzeitig auch der Software-Provider und Cloud-Anbieter, brauchen die „anonymen Hinweise“ auch nicht (mehr?) aus der Bibliothek zu kommen. Der Lieferant wird seine Interessen kennen ebenso wie die Ausleih- und Erwerbunsgzahlen der Bibliiotheken.

    Lustigerweise wurde in den Berichten die Angst geäußert, dass die Budgetspirale anspringt, wenn Ladenhüter gerettet werden. Dabei ist es doch umgekehrt: Die Hochfrequenten begründen das Budget in unserem Verständnis von Outputorientierung. Und der Trend geht in Richtung Entscheidungsautomatisierung, oder habe ich das falsch verstanden?

    Ob ein so beschriebenes automatisiertes Bestandsmanagement durchsetzbar ist, hängt von der Eigentümerstruktur des Lieferanten und der Bibliotheken (USA…) ab und nicht vom heldenhaften Auftreten des Personals. Ist die Bibliothek erst einmal filialisiert, laufen die Entscheidungen im selben Kanal. Gibt die Eigentümerstruktur es nicht her, dann vielleicht die Best Practice mit Vergleichszahlen. Und was werden wir dann finden in der Bibliothek: „Karriereratgeber für Frauen“ oder „Flammen der Leidenschaft“? Eigentlich schade um den BIX…

    • Mit ein klein wenig Recherche kann man das leicht herausfinden. Und ja, wir kennen das System.